Während viele Spieler das offene Training vor dem Berlin-Game nutzten, um sich locker einzuschießen, fiel Cam Spencer durch etwas anderes auf: Fokus. Jede Aktion war spielnah, jedes Dribbling mit Tempo, jeder Wurf Teil eines klaren Ablaufs. Es war ein Eindruck, der zu seiner aktuellen Situation passt - und zu dem, was Spencer selbst über diese Saison sagt.
"Natürlich ist es schade, dass wir so viele Verletzungen hatten", erklärte der Guard. Gleichzeitig sieht er darin eine Realität der NBA: "Aber das öffnet Möglichkeiten. Es liegt an dir, vorbereitet zu sein und bereit für diese Momente." Genau diese Haltung prägt aktuell seinen Weg bei den Grizzlies.
Denn der Backcourt von Memphis ist stark ausgedünnt. Ja Morant fehlt immer wieder, Ty Jerome und Scottie Pippen Jr. haben verletzungsbedingt noch kein Spiel absolviert. In dieser Situation ist Spencer jedoch nicht einfach in Minuten hineingerutscht - er hat sie sich erarbeitet.
Cam Spencer: Underdog-Mentalität als Karriere-Motor
Das zieht sich durch seine gesamte Basketballkarriere. In der Highschool erhielt Spencer nur wenige Angebote und entschied sich für die Loyola University Maryland, wo er sich zunächst beweisen musste. In seiner letzten College-Saison wechselte er zu UConn - und gewann mit den Huskies die NCAA-Meisterschaft. Im NBA-Draft 2024 wurde er an Position 53 ausgewählt, erneut eher im Schatten der großen Namen. In seiner Rookie-Saison sammelte er anschließend auch Minuten in der G League und überzeugte dort mit 20,4 Punkten und 4,6 Assists pro Spiel.
In Memphis kommt ihm dabei auch das System unter Head Coach Tuomas Iisalo entgegen. "Vor allem konzeptuell hat sich viel verändert", sagte Spencer. "Es gibt deutlich mehr Spielerbewegung, mehr Cuts abseits des Balls und viel Pick-and-Roll." Genau diese Elemente passen zu seinem Profil.
Spencer fühlt sich besonders im Pick-and-Roll wohl - nicht nur als Scorer, sondern als Entscheider. "Wenn du einen hohen Basketball-IQ hast und genau weißt, wie du spielen willst, funktioniert das sehr gut", erklärte er. Das Tempo der Offensive, die vielen Reads und die Struktur geben ihm die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen. "Am Ende versuche ich einfach das zu tun, was das Team braucht, um zu gewinnen."
"Extrem wichtig für mein Spiel": Spencer lebt von Selbstvertrauen und Trash Talk
Was ihn zusätzlich trägt, ist Selbstvertrauen - und das zeigt er offen. "Selbstvertrauen ist extrem wichtig für mein Spiel", sagte Spencer. Dazu gehört für ihn auch Trash Talk. "So haben wir es früher gemacht - und so haben wir auch gewonnen", erklärte er und blickte zurück auf seine Kindheit. "Ich habe mit meinen zwei Brüdern auf der Einfahrt gespielt. Wenn du verloren hast, hast du das den ganzen Abend zu spüren bekommen. Das war ein Anreiz, alles zu geben, um zu gewinnen."
Aus diesen Momenten hat sich seine Mentalität entwickelt. "Das ist diese Blue-Collar-Mentalität, die ich von zu Hause mitbekommen habe: keine Angst vor niemandem, niemals zurückweichen, nicht nachgeben und immer kämpfen." Genau dieses Mindset hat ihn Schritt für Schritt in die NBA-Rotation gebracht.
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