Agit Kabayel ist der aktuell beste und erfolgreichste deutsche Boxer, der Weg zum WM-Titel im Schwergewicht ist nicht mehr weit. Doch obwohl er in Leverkusen geboren und in Bochum aufgewachsen ist, musste der 33-Jährige in seinem Leben auch immer wieder merken, dass sein Name zum Problem werden kann.
Aber Kabayel steht zu seiner kurdischen Identität, die Teil seiner Person ist. "Ich bin Kurde und ich bin Deutscher", sagte er im Interview mit DAZN und stellt klar: "Ich bin in Deutschland geboren, aufgewachsen, aber meine Identität werde ich niemals im Leben leugnen, weil jeder, der die Geschichte der Kurden kennt, weiß, wir haben es in der Geschichte nie einfach gehabt."
Deutschland sei dennoch seine "Heimat", stellt er heraus. "Ich würde sogar sagen, ich bin mehr deutsch als kurdisch. Aber wie gesagt, das ist deine Herkunft. Das wirst du niemals verleugnen können, dass du von dort kommst", hält Kabayel fest.
Für ihn kam es daher auch nie infrage, seinen Namen für den Boxsport zu ändern, wie es andere in Deutschland erfolgreiche Kämpfer in der Vergangenheit bereits getan haben. Als Beispiel können hier etwa Felix Sturm, Marco Huck oder Arthur Abraham genannt werden, die bürgerlich aufgrund ihrer Herkunft eigentlich andere Namen trugen.
"In meiner Karriere wurde mir so oft angeboten, meinen Namen zu ändern. Aber warum? Ich bin in Deutschland geboren, ich bin hier zur Schule gegangen, habe in Deutschland meine Ausbildung absolviert, boxe für Deutschland, was willst du mehr?", stellte er klar. "Und wenn ich meinen Namen jetzt ändere, bin ich dann ein besserer Mensch oder bin ich dann mehr deutsch? Ich denke nicht."
Deutschland müsse "anfangen, zu akzeptieren", dass auch Menschen mit ausländischem Namen Großes für das Land leisten können. "Wir dürfen in dieser Hinsicht keine Unterschiede machen." Zumal er derzeit nicht das Gefühl hat, dass die Gesellschaft seine Leistungen ausreichend honoriert.
"Wenn ich das mal so sagen darf, fühle ich mich nicht als Top-Sportler akzeptiert", so Kabayel deutlich, wenngleich er betont, dass das auch am aktuellen Stellenwert des Boxens liegt. "Ich glaube, das ist halt die Nische, die ich bediene. Die meisten sagen: Was ist denn noch Boxsport?", erklärt er.
In seiner kurdischen Community, sogar in den kurdischen Regionen im Ausland sei die Wertschätzung aber eine andere. "Ich werde da als Nationalheld gefeiert und das ehrt einen. Und ich bin stolz darauf, wenn du nach Kurdistan fliegst, dann dem Präsidenten die Hand zu schütteln, mit ihm zu sprechen", stellte er klar.
In Deutschland sei das aktuell noch nicht der Fall, doch Kabayel will das ändern. "Ich hoffe, dass die Leute in 20 oder in 30 Jahren oder wann auch immer darüber reden werden, dass Kabayel den Boxsport in Deutschland revolutioniert hat, dass es egal war, woher du kommst", blickt er voraus.
Und seine Botschaft ist diesbezüglich eindeutig: "Das Wichtigste ist, dass du dein Herz am rechten Fleck hast und weißt, für welches Land du es tust."
Am 10. Januar wird Agit Kabayel erstmals seit fast drei Jahren wieder in Deutschland boxen, in Oberhausen trifft er auf den Polen Damian Knyba. DAZN zeigt das komplette Event live, inklusive aller Vorkämpfe ab 19:00 Uhr. Abonnenten können die Veranstaltung schon jetzt für einmalig nur 9,99 Euro dazubuchen!