Es gab eine Zeit, in der Deutschland eine Boxnation war. Zwischen 1990 und 2015 gehörte die Sportart zu den beliebtesten hierzulande, zahlreiche große Namen lockten regelmäßig Millionen Zuschauer vor die Fernsehbildschirme: Henry Maske, Graciano Rocchigiani, Axel Schulz, Sven Ottke, Artur Abraham, Marko Huck, die Klitschko-Brüder und viele mehr.
Die Hallen waren ausverkauft, Boxen war beliebt, es gab zahlreiche einheimische Boxställe, die auch den Nachwuchs förderten. Und die TV-Sender brachten das Spektakel in die Wohnzimmer. Doch seit dem Rücktritt von Wladimir Klitschko im Jahr 2017 stürzte das Boxen in Deutschland regelrecht ab und verkam komplett zur Nische.
Agit Kabayel will diese Entwicklung stoppen und bestenfalls umkehren. "Der deutsche Boxsport ist am Leben und wir halten die Fahne oben", sagte Kabayel im Gespräch mit DAZN. Am 10. Januar kämpft der 33-Jährige in Oberhausen gegen Damian Knyba, es ist das größte nationale Boxevent seit vielen Jahren. Rund 13.000 Zuschauer werden erwartet.
Für den gebürtigen Leverkusener gibt es klare Gründe, warum der Boxsport einen derartigen Niedergang in Deutschland erlebte. "Die haben dem Boxsport nichts mehr zurückgegeben", sagte Kabayel und meint die großen Boxstars der vergangenen Jahre, die sich aber weitestgehend aus dem Sport zurückgezogen haben.
"Die Klitschkos haben jahrelang in Deutschland gekämpft und haben dem Land irgendwann nach ihrer Karriere den Rücken zugekehrt und wollten auch nie, dass die deutschen Boxer den Support bekommen, indem sie selbst als Experten tätig sind", spricht Kabayel beispielhaft die früheren ukrainischen Weltmeister an.
Ein Rezept, um Boxen wieder groß zu machen, hat er bereits. "Der Boxsport braucht jemanden, der ihn anführt. Das ist sehr, sehr wichtig. Jemanden, der Leistung bringt. Das ist, glaube ich, das Wichtigste", erklärt er. Zudem appelliert er auch an die Gesellschaft, Boxer mit Migrationshintergrund - wie er selbst einer ist - zu akzeptieren.
"Wir müssen von dieser Denkweise wegkommen in Deutschland, dass nicht nur Leute boxen, die deutsch-stolz sind, sondern auch Leute, die sagen, ich kämpfe für Deutschland, aber ich habe einen Migrationshintergrund", sagte Kabayel.
Der WBC-Interims-Weltmeister ist fest überzeugt: "Wenn wir das endlich verstehen in Deutschland und da keine Unterschiede machen, dann können wir damit sehr, sehr Großes erreichen." Und Boxen in Deutschland womöglich wieder zu altem Glanz verhelfen.
Den Kampf zwischen Agit Kabayel und Damian Knyba gibt es am 10. Januar live und exklusiv bei DAZN zu sehen. Jetzt unter "Mein Konto" dazubuchen!