Boxer und viele andere Profisportler vereint neben ihrem Ehrgeiz und ihrem Drang nach Perfektion vor allem eines: ein gewisser Aberglaube. Oder zumindest das Verlangen, an eingespielten Abläufen so wenig wie möglich zu verändern. Gerade dann, wenn es sich als erfolgreich herausgestellt hat.
Auch Agit Kabayel gehört zu diesen Sportlern, wenngleich er mit Aberglaube nach eigener Aussage nichts am Hut hat. "Ich bin nicht abergläubisch, zu 100 Prozent nicht", stellte er im Interview mit DAZN klar. Allerdings habe er "irgendwann mit der Zeit gelernt, wenn man jedes Mal denselben Ablauf hat, lernt man, mit der Situation umzugehen", sagte Kabayel.
Vor allem unmittelbar vor einem Kampf sind diese Rituale "eingeschmeißt", wie er sagt. "Ich sage, das ist so eine Kampfwoche, das muss so stimmen. Ich muss das Essen haben und es passt dann einfach auch alles. Auch wenn Sachen abweichen", erklärt der 33-Jährige. In Saudi-Arabien musste er zuletzt etwas umplanen.
"Als ich in Riad war, konnte ich zum Beispiel nicht zu dem Restaurant, wo ich immer hingehe und wo ich meine Aufladesituation mache. Meine Kohlehydrate habe ich dann woanders gegessen", schilderte Kabayel. "Aber trotzdem gehst du den Plan dann durch. Du weißt, du musst dich an deine Uhrzeiten halten. Du hast das Wiegen zu einer bestimmten Zeit. Das funktioniert da schon irgendwie."
Seit Jahren gleich ist auch ein anderes Detail bei Kabayel, und zwar seine Boxhose. Eine schlichte weiße Hose ohne Besonderheiten. Doch für Kabayel ist sie kein einfaches Kleidungsstück - sie ist ein Symbol.
"Als ich die Boxhose bekommen habe, ging es mir finanziell noch nicht so gut. Ich konnte mir damals keine leisten und habe die geschenkt bekommen. Und dann habe ich mir gesagt: Ich werde so lange mit der Hose kämpfen, bis ich Weltmeister bin. Und das ist dann auch so geblieben", erinnert er sich.
Dabei gab es hin und wieder Gebrauchsspuren und sogar größere Schäden, doch er dachte gar nicht daran, die Hose wegzuwerfen. "Die war schon einmal versehrt, die war mal zerrissen und dann habe ich sie meiner Mama gegeben. Meine Mutter hat die dann versucht zu reparieren und dann ist sie einmal so zerrissen, dass meine Mutter sie nicht reparieren konnte", schildert der Bochumer.
Um sie dennoch behalten zu können, musste sich echte Expertise darum kümmern. "Dann musste sie damit zum Schneider", so Kabayel. "Aber trotzdem, ich bin der Hose treu geblieben und die begleitet mich auf meinem Weg." Und dieser Weg soll bestenfalls bis zum WM-Titel führen.
Seinen nächsten Kampf bestreitet Kabayel am 10. Januar 2026 gegen den Polen Damian Knyba. Fans können das Event live auf DAZN verfolgen - am besten schon jetzt unter "Mein Konto" dazubuchen!