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Emre Can exklusiv über seine Erkrankung: "Ich merke, dass sich etwas in meinem Leben verändert hat"

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Emre Can exklusiv über seine Erkrankung: "Ich merke, dass sich etwas in meinem Leben verändert hat"DAZN

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Mittelfeldspieler Emre Can blickt im exklusiven DAZN-Format auf seine Tumorerkrankung während seiner Zeit bei Juventus Turin zurück und verrät, wie er damit umgegangen ist, welche Unterstützung er erhalten hat. Außerdem spricht er über seinen ehemaligen Teamkollegen Cristiano Ronaldo und die schwierige Zeit in Italien unter Trainer Maurizio Sarri.

Das komplette Feature " UNFILTERED mit Emre Can "ist auf DAZN abrufbar.

Emre Can exklusiv bei DAZN in Unfiltered über ...

… seinen Medizincheck bei Juventus Turin

"Ich hatte den Check und ein, zwei Monate später hat mich mein Berater angerufen und mir gesagt, dass da was herausgekommen ist. Ich hatte einen Tumor in der Schilddrüse und brauchte dringend eine Operation. Die Schilddrüse musste raus. Das hat einiges in meinem Leben verändert. Da stehst du da und weißt nicht, wie es weitergeht. Es war nie lebensbedrohlich, das muss ich dazu sagen, es war auch anders als zum Beispiel beim Hodenkrebs, wenn du eine Chemo machen musst. Man musste operiert werden und muss das Leben lang Tabletten nehmen, jeden Morgen. Es stellte sich heraus, dass der Tumor nah an den Stimmbändern war und es gut war, dass es so schnell entdeckt wurde. Mir geht es Gott sei Dank gut, ich habe keine Nachwirkungen."

… die Tumorerkrankung

"Mein Berater hat mich öfter angerufen und mir gesagt, wir müssen da zum Arzt und da zum Arzt. Er hat mir gar nicht richtig gesagt, was los ist. Er hat nur gesagt, ich muss kontrolliert werden. Ich bin ins Krankenhaus gefahren, Blutwerte wurden genommen, die Schilddrüse kontrolliert. Ich wusste gar nicht, was abging. Ich kannte mich damit ja nicht aus, habe noch nie etwas von einer Schilddrüse gehört und wusste nicht, dass da ein Tumor sein kann. Ich bin durch diese Zeit gegangen, heute geht es mir gut. Man merkt, du kannst so viel Geld haben, du kannst alles haben, aber Gesundheit ist das Wichtigste. Und ich bin dem Verein Juventus auch dankbar, dass die das herausgefunden haben. Allein dafür hat sich der Wechsel gelohnt."

… Ansprechpartner im Krankheitsfall

"Wenn es um meine Gesundheit geht, kontaktiere ich eher nicht meine Eltern. Das versuche ich vor meine Mama immer zu verstecken, weil sie sonst in Panik gerät. Für sie ist es immer schlimmer als für mich. Ich habe mit meinem Freundeskreis gesprochen. Mein bester Freund war mit mir in Liverpool und das erst Jahr auch in Turin. Mit meinem Berater bin ich sehr eng, wir haben uns oft ausgetauscht. Beide haben mit mir im Krankenhaus im selben Zimmer geschlafen. Die standen an meiner Seite. Sowas ist wichtiger als jeden Vertrag, den du aushandelst."

Beide haben mit mir im Krankenhaus im selben Zimmer geschlafen. Die standen an meiner Seite

… den Umgang mit der Erkrankung

"Ich wollte nicht, dass das öffentlich wird. Es war nicht der richtige Zeitpunkt. Wir haben gesagt, dass ich operiert werden muss, aber wir haben nicht genau kommuniziert, was ich habe. Das ist das erste Mal, dass ich das in der Öffentlichkeit sage. Ich habe gesagt, wenn ich bei diesem Format hier mitmache, packe ich alles aus. Die Erfahrung gehört zu meinem Leben dazu."

Emre Can UnfilteredDAZN

… die Lehren aus der Erkrankung

"Es ist wichtig, regelmäßig kontrolliert zu werden. Das habe ich gelernt. Ich wollte früher keinen Bluttest oder dass jemand die Schilddrüse kontrolliert, ich war immer gelangweilt von so Sachen, aber das gehört im Leben dazu. Das rate ich jedem, egal, wie gesund er ist. Wenn man so Dinge rechtzeitig feststellt, kann man handeln. Bei mir war es rechtzeitig und dafür bin ich den Ärzten extrem dankbar. Jeden Morgen, wenn ich eine halbe Stunde vor dem Essen meine Tabletten nehme, merke ich, dass sich etwas in meinem Leben verändert hat. Das gehört jetzt zu mir."

… seine Rückkehr auf den Platz

"Ich war zwei Monate nach der Operation wieder auf dem Trainingsplatz. Ich wollte mich in Turin durchsetzen und hatte Bock auf Fußball. Mir ging es gesundheitlich gut."

… Cristiano Ronaldo

"Mit Cristiano Ronaldo auf dem Trainingsplatz zu stehen ist krass. Er war nicht der Grund, warum ich nach Turin gegangen bin, er hat ja nach mir unterschrieben. Er ist nur meinetwegen dahin gekommen (lacht). Er ist eine krasse Persönlichkeit, einer der besten Fußballer aller Zeiten, Tormaschine. Ich habe selbst gesehen, was er alles für den Erfolg macht. Ich habe gesehen, wie professionell er ist. Bei ihm ist nichts wichtiger als Fußball. Er macht jeden Tag das, was er zu machen hat. Trainingsgelände, Physio, Gym, auch wenn es nur zwei Minuten sind. Das zieht er nicht eine Woche oder ein Jahr durch, sondern seit er professionell Fußball spielt, über so viele Jahre. Wir sind um zwei, drei Uhr morgens vom Auswärtsspiel gekommen, da ist er noch in die Eistonne gegangen. Er ist deswegen dort, wo er ist, weil er Dinge gemacht hat, die andere nicht machen." 

… Ronaldo als Mitspieler

"Er ist kein normaler Mitspieler. Sein Leben möchte ich nicht haben. Er kann nicht einfach auf die Straße gehen und einen Kaffee trinken. Zum ersten Pflichtspiel sind wir nach Verona mit dem Zug gefahren. Wir konnten zu Fuß zum Hotel gehen, hatten drei, vier Sicherheitsmänner dabei. Wir sind aus dem Zug ausgestiegen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele Menschen sich auf ihn gestürzt haben. Wir anderen waren irgendwo unsichtbar dazwischen und haben uns zum Hotel gedrängelt. So viele Menschen. Egal, wo du hingehst. Unfassbar viele Fans."

Emre Can Juventus Turin Cristiano RonaldoGetty Images

… Maurizio Sarri bei Juventus

"Ich kann mir das bis heute nicht erklären. Ich glaube, er hat meine Nase einfach nicht gemocht oder sonst was. Im ersten Freundschaftsspiel habe ich das schon gemerkt, ich kam als siebter, achter Spieler rein, das war schon komisch. Dann wollte Juventus Mittelfeldspieler loswerden, zwei sind nicht gewechselt, dann war ich der Dritte, den sie angesprochen haben, obwohl ich Stammspieler bei Juventus war. Trotz der Krankheit habe ich in der Vorsaison 39 Pflichtspiele gespielt. Ich sagte, wenn ihr mich nicht wollt, klar, dann wechsele ich. Ich war kurz davor, nach Paris zu gehen. Herr Sarri hatte zu der Zeit eine Lungenentzündung. Er war vier Wochen nicht da, dann kam er wieder, ich war fast schon in Paris, und er sagte nee, ich möchte nicht, dass du wechselst. Ich wusste da schon, dass es Härtefälle für die Champions-League-Liste geben wird. Ich habe gesagt, ich bleibe nur, wenn ich auf der Liste stehe. Das wurde mir zugesichert. Am 1. September war ich dann bei der Nationalmannschaft und die Liste musste abgegeben werden. Dann habe ich einen Anruf von Herrn Sarri bekommen. ‚Hallo, du bist nicht auf der Liste.‘ Ich dachte, er will mich verarschen. Er sagte, wir würden es diskutieren, wenn ich zurück bin und hat dann aufgelegt. Das war ein Telefonat von vielleicht 20 Sekunden. Ich wusste nicht, was abgeht. Ich bin zurück nach Turin, wir haben hunderte Gespräche geführt, Pavel Nedved (Teammanager, Anm.) hat es auch nicht verstanden. In den sechs Monaten bis Januar habe ich dann ein Pflichtspiel von Anfang an gespielt. Ich weiß bis heute nicht, woran es gelegen hat, das hat man mir nie gesagt."

… die Lehren aus der Zeit unter Sarri

"Ich habe die andere Seite des Fußballs kennengelernt. Die Jahre davor war ich immer ein gestandener, wichtiger Spieler. Im Januar habe ich dann gesagt, ich muss hier weg. Ich habe in Turin sehr, sehr gutes Geld verdient, schönes Wetter, alles war gut. Ich hätte auch den Vertrag aussitzen können und gucken, was passiert. Geld ist wichtig, wie viel man verdient ist wichtig, jeder, der was anderes behauptet, lügt, aber es ist nicht das Wichtigste für mich. Also habe ich gesagt, ich muss dringend weg. Ich hatte einige Optionen, wollte aber zurück nach Deutschland. Es gibt Spieler, die ins Ausland gehen und sagen: nie wieder Deutschland. Ich habe Deutschland vermisst. Deswegen habe ich mich für den BVB entschieden."

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