Fünf Jahre ist es her, als ein damals 24-Jähriger Neymar den langen Weg von der Mittellinie bis zum Elfmeterpunkt auf sich nahm, um im Finale der Olympischen Spiele 2016 im Elfmeterschießen im Finale gegen Deutschland für den entscheidenen Schuss anzutreten. Der Druck einer ganze Nation lastete nur zwei Jahre nach dem verlorenen WM-Finale im eigenen Land gegen denselben Gegner erneut auf Neymars Schultern - und er hielt stand, traf und machte Brasilien zum Goldmedaillengewinner.
Auch bei den Olympischen Spielen 2020, die ab dem 23. Juli 2021 nachgeholt werden, ist Brasilien beim Fußballturnier als Titelverteidiger am Start, wenn auch ohne Neymar. Wie auch 15 andere Nationen, die sich über verschiedene Wege für den exklusiven und begehrten Kreis der Teilnehmer qualifizieren konnten. Die ganz großen Stars a la Neymar fehlen in diesem Jahr zwar. Das macht den Verlauf des Turniers aber nur umso spannender und den Ausgang umso unvorhersehbarer.
Wie schlägt sich das junge, von Erfolgscoach Stefan Kuntz trainierte deutsche Team, gespickt mit einigen, frisch gekürten U21-Europameistern? Was kann Japan als Gastgeber reißen? Frankreich wird weltweit für seine Jugendarbeit bewundert - zahlt sich das auch bei diesem Turnier, wo es hauptsächlich um die jungen Spieler geht, aus?
Lest hier die große Übersicht über das Teilnehmerfeld des Olympischen Fußballturniers!
Für das olympische Fußballturnier der 32. Olympischen Spiele in Tokio haben sich insgesamt 16 Länderverbände aus aller Welt qualifiziert. Den größten Teil der Kader machen Spieler aus, die nicht älter als 23 Jahre alt sind. Jedes Team durfte einen Kader mit maximal 22 Spielern berufen. Nur drei von denen gehören einem älteren Jahrgang an und sollen ihr Team als erfahrene Stützen dienen.
Der Modus des Turniers ist simpel: Die 16 Mannschaften wurden in vier Gruppen eingeteilt, in denen jeder einmal gegeneinander antritt. Nach drei Gruppenspielen pro Team ziehen die zwei Gruppenbesten ins Viertelfinale weiter, wo das Turnier im K.o.-Modus in seine entscheidende Phase geht. Bei Punktgleichheit ist in der Vorrunde das Torverhältnis ausschlaggebend: Vorneweg die Tordifferenz, danach die Anzahl geschossener Tore. Steht auch dann keine Entscheidung fest, gilt der direkte Vergleich.
Im Finale und im Spiel um Platz 3 und 4 geht es dann um Edelmetall. Das macht gerade das kleine Finale so bedeutend - geht der Verlierer schließlich leer aus.
| Nation | Qualifikation |
|---|---|
| Frankreich | Halbfinalist U21-EM 2019 |
| Japan | Gastgeber |
| Mexiko | Qualifikationsturnier 2021 |
| Südafrika | Dritter U23-Afrika-Cup 2019 |
Bei der kürzlich beendeten EURO 2020 hat sich eine zerstrittene französische Mannschaft unvorhergesehen früh im Achtelfinale verabschiedet. Dass dort mit Top-Spielern wie Jules Kounde, Marcus Thuram, Ousmane Dembele oder natürlich Kylian Mbappe zahlreiche Leute theoretisch auch für den Olympia-Kader in Frage gekommen wären, beweist die eindrucksvolle Jugendarbeit, die in Frankreich seit Jahren stattfindet.
Entsprechend geht die Equipe Tricolore, Goldgewinner 1984 in Los Angeles, auch als Mitfavorit ins Rennen. Die Qualifikation erfolgte schon 2019, als Les Bleus das Halbfinale der U21-EM erreichte, dort unterlag Frankreich allerdings dem späteren Sieger Spanien mit 4:1. Frankreich ist das erste mal seit 1996 (Atlanta, damals mit Spielern wie Patrick Viera, Robert Pires oder Claude Makelele) dabei.
Mit Mittelstürmer Andre-Pierre Gignac führt ein ganz erfahrener Haudegen das Team an, Unterstützung erhält er von Teamkollege Florian Thauvin. Beide spielen mittlerweile für den mexikanischen Erstligisten Tigres UANL, sind damit etwas vom europäischen Bildschirm verschwunden, haben an Leistung aber nichts eingebüßt. Im Mittelfeld werden Lucas Tousart von Hertha BSC und Teji Savanier von Montpellier HSC die Fäden ziehen. In der Abwehr steht der erst 18-jährige PSG-Profi Timothee Pembele im Fokus.
Wie groß ist der Heimvorteil noch bei einem Heimturnier, bei dem keine Fans in den Stadien zugelassen sind? Die innere Motivation der Samurai Blue wird das nicht lindern, die Energie von den Rängen wird aber gerade gegen die stark besetzten Gegner Frankreich und Mexiko fehlen. Ein Vorteil könnte dafür sein, dass Japan bereits einigermaßen eingespielt ist, während vor allem die europäischen Teams im Turnier recht wild zusammengewürfelt sind oder die Verbände bei anderen Turnieren gefordert waren.
Japan konnte sich dagegen in diesem Jahr frei von Pflichten schon mit vier Testspiele vorbereiten, gewann davon drei bei einer Niederlage gegen Argentinien. Mit Takumi Minamino fehlt leider das internationale Aushängeschild, der Liverpool-Angreifer hat keine Freigabe der Reds bekommen. Umso mehr rückt Takefusa Kubo ins Rampenlicht.
Der 20-jährige Profi von Real Madrid konnte sich bei den Königlichen bislang zwar noch nicht durchsetzen, zeigte aber in seinen Leihklubs in LaLiga, warum Real Madrid ihn einst verpflichtete. Und wer weiß, vielleicht schaut sein neuer Coach Carlo Ancelotti bei den Spielen ganz genau hin. Halt findet Kubo bei Veteran Maya Yoshida, den mit seiner Erfahrung aus 107 Länderspielen nichts mehr überraschen dürfte. Mit Wataru Endo wird auch ein Bundesliga-Profi eine gewichtige Rolle einnehmen, gleiches gilt für den Ex-Bielefelder Ritsu Doan.
Mexiko gehört mit Honduras zu den zwei einzigen Nationalteams der Welt, die sich zum dritten Mal in Folge für die Olympischen Spiele auf sportlichem Weg qualifiziert haben. Und als wäre das nicht schon Beweis genug für die sportliche Relevanz, steht noch der Goldmedaillengewinn 2012 im Wembley Stadion zu Buche. Mexiko gehört zu der Rubrik: Mit denen ist immer zu rechnen.
Selbst wenn, zumindest durch die europäische Fußball-Brille gesehen, die bekannten Namen im Kader fehlen. Bis auf Gerardo Arteaga (Genk) und Diego Lainez (Real Betis) spielen alle Spieler im Kader von Trainer Jaime Lozano in der mexikanischen ersten Liga. Das gilt auch für Keeper Guillermo Ochoa, den meisten bestens bekannt von seinen spektakulären Leistungen bei der WM 2014. Der 35-Jährige soll mit seinen weit über 100 Länderspielen ein starker Rückhalt sein.
Die Außenseiterrolle in der stark besetzten Gruppe A nimmt Südafrika ein. Bafana Bafana hat sich durch den Sieg im Spiel um Platz 3 und 4 des U23-Afrika-Cups gegen Ghana zum zweiten Mal in Folge für die Olympischen Spiele qualifiziert - allerdings nicht ohne Drama, stattdessen mit 6:5 im Elfmeterschießen.
Der Spieler mit dem größten "Player to watch"-Potential ist wahrscheinlich Luther Singh (Foto unten), der in der portugiesischen Liga beim SC Braga unter Vertrag steht. In der Saison 20/21 war er ausgeliehen, für Ligakonkurrent Pacos de Ferreira gelangen ihm ehrenwerte fünf Treffer und fünf Vorlagen. Auch weil Südafrika nur zwei ältere Veteranen mitbringt, geht es für den WM-Gastgeber 2010 in erster Linie darum, Erfahrungen zu sammeln, Spaß zu haben und das Land zu ehren.
Quelle: Getty Images
| Nation | Verband |
|---|---|
| Honduras | Qualifikationsturnier 2021 |
| Neuseeland | Sieger U23-Ozeanienmeisterschaft 2019 |
| Rumänien | Halbfinalist U21-EM 2019 |
| Südkorea | Sieger U23-Asienmeisterschaft 2020 |
Wenn Südafrika der Außenseiter der Gruppe A ist, was sind dann Honduras, Neuseeland, Rumänien und Neuseeland, wenn sie alle in einer eigenen Gruppe stecken? Auf einer Seite die Gruppe der großen Unbekannten. Auf der anderen die mit dem größten Überraschungspotential. Denn wie großartig wäre ein Einzug in die K.o.-Runde für jedes einzelne dieser Länder?
So unscheinbar Honduras auf der Fußball-Landkarte erscheint, auch die Mittelamerikaner sind nach London 2012 und Brasilien 2016 zum dritten Mal bei den Olympischen Spielen dabei. Ein Startplatz, den auch die USA gerne mal einnehmen würde - doch die hat im olympischen Qualifikationsturnier im März im Halbfinale mit 1:2 den Kürzeren gezogen. Der vierte Platz 2016, als im Spiel um Bronze Nigeria gewann, beweist, dass Honduras nicht zu unterschätzen ist.
Bei Neuseeland gibt es zwei Persönlichkeiten, die herausstechen: Der eine ist der Trainer. Der andere sein Anführer vorne im Sturm.
Mit Danny Hay werden die Kiwis von ihrem A-Nationaltrainer ins Turnier geführt. Das allein beweist, welchen Stellenwert die erfolgreiche Qualifikation für Neuseeland hat. Die erfolgte durch den Turniersieg beim OFC-Qualifikationsturnier, bei dem aber, zugegeben, Neuseeland außer Konkurrenz spielte. Gegen exotische Gegner wie Samoa, Solomon Islands oder Fidschi pflügte Neuseeland mit fünf Siegen und einem Torverhältnis von 33:4 durchs Turnier.
Mit Chris Wood nimmt Coach Hay einen erfahrenen England-Legionär mit nach Tokio. Für u.a. Leicester, West Brom, Leeds oder Burnley hat Wood 223 Championship- und 136 Premier-League-Spiele auf dem Buckel, in jeder Liga und jedem Team knipste er zuverlässig.
Rumänien sorgte bei der U21-EM 2019 mit einem jungen und überraschenden Team für Furore, ließ in der Gruppenphase Frankreich, England und Kroatien hinter sich und scheiterte erst im Halbfinale mit 4:2 an Deutschland, fuhr aber mit der Olympia-Qualifikation in der Tasche nach Hause. Mit Radu Boboc, Virgil Ghita, Ricardo Grigore, Alex Pascanu, Florian Stefan, Dragos Nedelcu, Tudor Baluta und Andrei Ciobanu bilden immerhin auch acht Spieler von damals den Kern des Kaders in Tokio.
Mit Ianis Hagi fehlt der wohl berühmteste Name im Aufgebot von Trainer Mirel Radoi, der Sohn des großen Gheorghe Hagi reist nicht mit nach Tokio. Auffällig ist zudem auch, dass Hagi gänzlich auf Spieler, die älter sind als Jahrgang 1997, verzichtet und komplett auf die junge Garde setzt. So ist der 23-jährige Andrei Ciobanu mit seinen 132 Profispielen schon der erfahrenste Akteur.
Wenn es denn einen Favoriten in dieser Gruppe der Underdogs geben soll, dann ist das am ehesten Südkorea. Das Team setzt sich größtenteils aus den Siegern zusammen, die 2020 die U23-Asienmeisterschaft gewonnen haben. Ergänzt von Lee Kang-In (Foto unten), einem von nur zwei Legionären im Team, der aber auf einem guten Weg ist, sich in der Primera Divison beim FC Valencia durchzusetzen und auf den auch in Tokio die Blicke gerichtet sein werden.
Dass es nur zwei Legionäre sind, liegt auch daran, dass Superstar Son Heung-Min nicht dabei ist. "Sonny" hat zwar seine Freigabe der Tottenham Hotspurs bekommen und wollte auch dabei sein, aus Gründen der Belastungssteuerung hat Trainer Kim Hak-Bum aber auf den südkoreanischen Nationalhelden verzichtet. So wird in erster Linie Hwang Ui-Jo von Girondis Bordeaux das Team anführen.
Quelle: Getty Images
| Nation | Verband |
|---|---|
| Ägypten | Sieger U23-Afrika-Cup 2019 |
| Argentinien | Qualifikationsturnier 2020 |
| Australien | Dritter U23-Asienmeisterschaft 2020 |
| Spanien | Halbfinalist U21-EM 2019 |
Wie Südkorea und Japan, geht auch Ägypten ohne seinen Superstar ins Turnier, obwohl der seine Bereitschaft erklärt hat. Doch der FC Liverpool erwies sich in diesem Jahr wahrlich nicht als Traumerfüller, verwährte nach Minamino (siehe Japan) auch Mohammed Salah die Reise zu den Olympischen Spielen. So setzt sich auch das Team des U23-Afrikameisters (2:1-Sieg im Finale gegen Elfenbeinküste) hauptsächlich aus Spielern zusammen, die im Heimatland unter Vertrag stehen.
Das gilt mittlerweile auch für Ramadan Sobhi, der zwar schon vier Jahre lang Erfahrungen in England bei Stoke City und Huddersfield Town gesammelt hat, jetzt aber auch wieder in der ägyptischen Premier League spielt. Trotz seiner erst 24 Jahre hat der Mittelfeldspieler schon 30 A-Länderspiele gesammelt, unter anderem bei der WM 2018.
Noch mehr Erfahrung weist Abwehr-Haudegen Ahmed Hegazy auf, der ebenfalls eine lange Zeit in England (West Brom) verbracht hat und seit Jahren ein ägyptischer Führungsspieler ist und schon 2012 in London bei der letzten Olympia-Teilnahme der Pharaonen mitgewirkt hat.
Der frisch gebackene Copa-America-Sieger reist mit einer Wundertüte nach Tokio. 22 Spieler aus acht verschiedenen Ländern. Und da Bundesliga-Spieler wie Lucas Alario, Exequiel Palacios (beide Leverkusen) oder Nicolas Gonzales (ehemals Stuttgart) nicht dabei sind, fehlen aus deutscher Sicht die bekanntesten Namen. Auch Lionel Messi wurde beim Copa-Triumph dringend gebraucht.
Der einzige ältere Teilnehmer ist Torhüter Jeremias Ledesma von Cadiz CF mit seinen 28 Jahren. In einer bunt durchgemischten Truppe lohnt sich ein Blick auf Ezequiel Barco, der zu den besten (und teuersten) Spielern der amerikanischen MLS gehört, dort bei Atalanta United sein Geld verdient. Barco wartet noch auf sein erstes A-Länderspiel, will sich diesen Sommer aber unter Trainer Fernando Batista für höhere Aufgaben empfehlen.
Australien hat mit der Gruppe C ein schweres Los gezogen, wird bei seiner ersten Teilnahme nach den verpassten Spielen 2012 und 2016 (davor war Australien von 1988 bis 2008 immer dabei) wohl nur eine Außenseiterrolle einnehmen. Schon der Weg zu diesen Spielen verlief holprig, am Ende war ein knapper 1:0-Sieg gegen Usbekistan im Spiel um Platz 3 und 4 bei der 2020er U23-Asienmeisterschaft auschlaggebend.
Harry Souttar ist einer der wenigen international erfahrenen Profis, steht in England bei Stoke City unter Vertrag, wartet aber noch auf sein Debüt in der Premier League und wurde häufig in unterklassige Vereine verliehen. Immerhin stehen bei ihm aber schon fünf A-Länderspiele zu Buche - bei denen dem Verteidiger erstaunliche sechs Tore gelangen!
Unai Simon, Oscar Mingueza, Jesus Vallejo, Eric Garcia, Marc Cucurella, Pedri, Marco Asensio, Dani Olmo, Mikel Oyarzabal. Keine Frage, Spanien macht ernst. Da vergisst man fast, dass Spanien ja eigentlich als U21-Europameister 2019 anreist und alleine deshalb schon zu den Top-Favoriten gehört.
Nominell könnte Spaniens Olympia-Kader in dieser Form auch bei jeder Welt- oder Europameisterschaft antreten. Ist La Furia Roja im Prinzip ja auch, ganze sechs EM-Fahrer sind dabei. Die sind zwar alle eigentlich völlig überlastet, aber eben auch noch jung und hungrig genug, um solche Belastungen wegzustecken. Und die spanische Gesetzeslage gibt her, dass die spanischen Vereine nicht mitzureden haben. Zu wichtig sind der Regierung die Olympischen Spiele.
Unter normalen Umständen führt auf dem Weg zur Goldmedaille also kein Weg an Spanien vorbei, für die Südeuropäer wäre es die zweite nach dem Heimsieg 1992 in Barcelona. Mit Pedri hat Trainer Luis de la Fuente den aufregendsten Jungprofi des Turniers in seinen Reihen, mit Mingueza, Vallejo, Garcia oder Pau Torres eine beinharte und spielstarke Defensive. Und mit Olmo, Asensio und Oyarzabal kaum zu greifende und torgefährliche Offensivexperten.
Quelle: Getty Images
| Nation | Verband |
|---|---|
| Brasilien | Qualifikationsturnier 2020 |
| Deutschland | Halbfinalist U21-EM 2019 |
| Elfenbeinküste | Zweiter U23-Afrika-Cup-2019 |
| Saudi-Arabien | Zweiter U23-Asienmeisterschaft 2020 |
Kaum vorstellbar bei über 40 nationalen und internatiolen Titeln, dass da noch einer fehlen soll. Vor allem, wenn dein Land bei den letzten drei Teilnahmen in Folge immer etwas mitgenommen hat. Doch Dani Alves war noch nie bei den Olympischen Spielen dabei - und soll jetzt als Leitwolf dafür sorgen, dass die Selecao ihren Titel in Japan verteidigt.
Der einstmals beste Außenverteidiger der Welt spielt mittlerweile in der Heimat für Sao Paolo und soll gemeinsam mit dem ebenfalls sehr erfahrenen Richarlison eine wieder einmal bärenstarke brasilianische Mannschaft anführen. Richarlison war schon bei der Copa America dabei, bei der Brasilien im Finale knapp Argentinien unterlag. Gleiches gilt für Verteidiger Douglas Luiz von Aston Villa.
Mit Paulinho, Reinier und Matheus Cunha sind drei bekannte und hochwertige Namen aus der Bundesliga dabei. Auch Gabriel Martinelli dürfte kaum einem mehr ein Unbekannter sein, wirbelt er seit ein paar Jahren schließlich für den FC Arsenal. Vielleicht ganz knapp hinter Spanien, ist Brasilien nominell die zweitstärkste Mannschaft des Turniers.
Stefan Kuntz musste Klinken putzen, bis er endlich seinen Kader für die Olympischen Spiele zusammenhalte. Zu sehr sträubten sich zahlreiche Bundesligisten, ihre Spieler mitten in der wichtigen Vorbereitungszeit für die neue Saison abzustellen. Die 26 EM-Fahrer der A-Nationalmannschaften standen erst gar nicht zur Debatte.
Am Ende nimmt Kuntz sogar nur 18 statt der erlaubten 22 Spieler mit. Das Rückgrat des DFB-Teams bilden Keeper Florian Müller, Wolfsburgs Führungsspieler Maximilian Arnold und Offensivgeist Max Kruse von Union Berlin. Drum herum kann Kuntz ein Team bauen aus schlagfertigen Bundesligaprofis, die in ihren Vereinen sicher eine gute Rolle spielen, international aber alle eher unerfahren sind.
Aber wer weiß, auch Menschenflüsterer Horst Hrubesch hatte 2016 eine ähnliche Aufgabe, am Ende wurde es Silber. Kuntz hat bei den U21-Europameisterschaften schon bewiesen, dass er dazu in der Lage ist. Und mit immerhin sieben Spielern hat er erst vor einem Monat den letzten großen Erfolg feiern können, als die U21 Europameister wurde.
Was auch für einen ordentlichen Turnierverlauf aus deutscher Sicht sorgen könnte, ist die Tatsache, dass neben Brasilien die Konkurrenz mit Elfenbeinküste und Saudi-Arabien nicht zu stark ist. Allerdings sollte man gerade den Zweitplatzierten der U23-Afrikameisterschaft 2019 nicht unterschätzen. Allein weil die Elfenbeinküste mit Frank Kessie von AC Milan und Eric Bailly von Man United auch zwei internationale Top-Leute dabei hat.
Ergänzt werden die zwei Leader von vielen weiteren Internationalen. Nur zwei Spieler des Kaders spielen in der heimischen Liga. Und mit Amad Diallo hat Trainer Soualiho Haidara einen Spieler in seinen Reihen, der Manchester United noch im Januar über 20 Millionen Euro Ablöse, die an Atalanta Bergamo ging, wert waren. Und in den acht Kurzeinsätzen des 19-Jährigen reichte es immerhin für ein Tor und eine Vorlage.
Mit so einem Spielermaterial kann Saudi-Arabien nicht protzen. Die erste Olympia-Teilnahme seit 1996 ist für das Land aber nach der ersten WM-Qualifikation 2018 auch so schon der nächste große Erfolg auf dem Weg, eine ernstgenommene Fußballnation zu werden. Neben der Förderung der heimischen Liga ist ein wichtiger Baustein dabei, dass auch in der Nationalmannschaft vor allem Spieler aus der Saudi Professional League zum Einsatz kommen.
So auch bei den Olympischen Spielen: Alle 22 Akteure spielen in Saudi-Arabien und sind folglich in Europa unbeschriebene Blätter. Da haben die Scoutingabteilungen der Gegner alle Hände voll zu tun.
Der erste Spieltag des olympischen Fußballturniers
| Datum | Anstoß (MESZ) | Spiel | Ort |
|---|---|---|---|
| 22.07.2021 | 9.30 Uhr | Ägypten vs. Spanien (Gruppe C) | Sapporo Dome, Sapporo |
| 22.07.2021 | 10.00 Uhr | Mexiko vs. Frankreich (Gruppe A) | Ajinomoto Stadium, Tokio |
| 22.07.2021 | 10.00 Uhr | Neuseeland vs. Südkorea (Gruppe B) | Kashima Soccer Stadium, Kashima |
| 22.07.2021 | 10.30 Uhr | Elfenbeinküste vs. Saudi-Arabien (Gruppe D) | Nissan Stadium, Yokohama City |
| 22.07.2021 | 12.30 Uhr | Argentinien vs. Australien (Gruppe C) | Sapporo Dome, Sapporo |
| 22.07.2021 | 13.00 Uhr | Japan vs. Südafrika (Gruppe A) | Ajinomoto Stadium, Tokio |
| 22.07.2021 | 13.00 Uhr | Honduras vs. Rumänien (Gruppe B) | Kashima Soccer Stadium, Kashima |
| 22.07.2021 | 13.30 Uhr | Brasilien vs. Deutschland (Gruppe D) | Nissan Stadium, Yokohama City |