Eine unaufgeregte Saison gespielt, nichts mit dem Abstieg zu tun gehabt und am Ende auf Platz neun gelandet: Beim AFC Bournemouth dürfte die vergangene Spielzeit für einige zufriedene Gesichter gesorgt haben. Gerade die Abwehr des Aufsteigers von 2022 erwies sich als überaus solide, mit 46 Gegentreffern in 38 Partien stellten die Cherries die geteilte fünftbeste Verteidigung der Premier League.
Überaus nahe liegt allerdings der Verdacht, dass es mit der defensiven Stabilität in der kommenden Saison vorbei sein könnte. Mit Linksverteidiger Milos Kerkez sowie den beiden Innenverteidigern Dean Huijsen und Ilya Zabarnyi hat Bournemouth in der laufenden Transferphase drei seiner vier defensiven Stammkräfte verloren - darf sich nun aber immerhin über einen dreistelligen Millionenprofit freuen.
Huijsen war nur der Anfang
Innenverteidiger Huijsen hatten die Cherries etwa erst im vergangenen Jahr von Juventus Turin für rund 15 Millionen Euro fest verpflichtet, im Vertrag festgeschrieben wurde dabei eine Ausstiegsklausel in Höhe von knapp 60 Millionen Euro. In Bournemouth überzeugte der 20-Jährige sofort als unverzichtbarer Stammspieler - und zwar so sehr, dass Real Madrid die festgeschriebene Summe viel früher als erwartet auf den Tisch legte und Huijsen, um den noch viele weitere Topklubs buhlten, im Sommer zu den Königlichen lotste. Dort scheint der Youngster unter Neu-Coach Xabi Alonso trotz namhafter Konkurrenz um Eder Militao oder Antonio Rüdiger eine wichtige Rolle einzunehmen.
Ob man selbiges auch über Zabarnyi sagen wird, bleibt abzuwarten. Der 22-jährige Ukrainer wurde am Dienstag bei Paris Saint-Germain vorgestellt, wo er in den Konkurrenzkampf mit Marquinhos, Presnel Kimpembe oder Willian Pacho treten wird. Mindestens 63 Millionen Euro überwiesen die Hauptstädter für den Innenverteidiger nach Bournemouth, das Zabarnyi zwei Jahre zuvor für rund 28 Millionen Euro von Dynamo Kiew verpflichtet hatte.
Derweil bleibt Kerkez immerhin der Premier League erhalten - doch statt für den Tabellenneunten der vergangenen Saison läuft der ungarische Nationalspieler nun für den amtierenden Meister auf. Beim FC Liverpool soll Kerkez dem etatmäßigen Linksverteidiger Andy Robertson Druck machen, dafür überwiesen die Reds knapp 47 Millionen Euro. Ihrerseits hatten die Cherries den Defensivmann erst zwei Jahre zuvor für 18 Millionen Euro von AZ Alkmaar losgeeist.
Zwei Nachfolger kommen aus der Ligue 1
Unglaubliche 170 Millionen Euro hat der AFC Bournemouth damit ungefähr für sein Defensivtrio eingenommen; unter dem Strich steht bei Huijsen, Zabarnyi und Kerkez ein Transferplus von gut 100 Millionen Euro. Zwar sollen die Cherries mit zumindest einem defensiven Abgang gerechnet haben - wie die BBC berichtet, sei der Verlust der drei wichtigsten Defensivspieler in einem Sommer für den Verein aber ein Schock. Nicht eingeplant waren offenbar die enorm lukrativen Angebote der europäischen Top-Teams, die selbst ein finanzkräftiger Premier-League-Klub wie Bournemouth nicht ohne Weiteres ablehnen kann.
Durch die unerwarteten Wechsel fällt es den Cherries nun schwer, aus dem Stegreif eine schlagkräftige Abwehrreihe auf die Beine zu stellen. "Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen", stellte Bournemouth-Coach Iraola auf der Pressekonferenz vor dem Saisonauftakt klar. "Die nächsten beiden Wochen werden enorm wichtig. Es gibt noch viel zu tun", so der Spanier mit Blick auf das Ende August schließende Transferfenster.
Immerhin machten die Südengländer auf der Linksverteidiger-Position Nägel mit Köpfen und verpflichteten Adrien Truffert von Stade Rennes für 16 Millionen Euro als Kerkez-Ersatz. Zudem kam am Mittwoch Innenverteidiger Bafodé Diakité für etwa 35 Millionen Euro vom OSC Lille.
Ein weiterer zentraler Abwehrspieler wird allerdings weiterhin gesucht - und sollte schnellstmöglich gefunden werden. An diesem Freitag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) bestreitet Bournemouth das Premier-League-Eröffnungsspiel bei Kerkez & Co. in Liverpool. Die Reds haben in der vergangenen Saison übrigens 86 Tore erzielt und ihre Offensivreihe in diesem Sommer unter anderem mit Florian Wirtz und Hugo Ekitiké verstärkt.