Das Wichtigste zuerst: "Wir haben unsere Hausaufgaben heute gemacht", hielt VfB-Kapitän Atakan Karazor nach dem 3:2-Sieg gegen die Young Boys Bern bei RTL fest. Die Stuttgarter gewannen zum Abschluss der Ligaphase, die Play-offs waren ohnehin bereits sicher gewesen, aber der direkte Einzug ins Achtelfinale wurde verpasst, weil auch die Konkurrenz punktete.
Ein genauerer Blick aufs Spiel an sich lohnt sich jedoch - ungeachtet aller Tabellenkonstellationen. Stuttgart legte los wie die Feuerwehr, ging früh mit 2:0 in Führung und war drückend überlegen. Weil der VfB jedoch nicht nachlegte und Bern zweimal traumhaft traf, stand es nach einer Stunde 2:2 - und ein offener, aus VfB-Sicht vermeidbarer Schlagabtausch folgte.
Undav: "Ich weiß nicht, warum wir bei Führung wild spielen"
"Wir haben 35 Minuten gespielt wie aus einem Guss, hatten absolute Kontrolle und sehr viele Chancen", analysierte VfB-Coach Sebastian Hoeneß. "Aber dann, ab der 35. Minute, haben wir nicht mehr so gespielt wie in den ersten 35 Minuten, und das müssen wir uns ankreiden lassen." Das Spiel sei in der Folge in beide Richtungen komplett offen gewesen, so der Trainer weiter. "Wenn es sich 35 Minuten so leicht anfühlt, du auch zwei Tore machst und sich dann die Dynamik ändert, dann entstehen solche Spiele."
Deniz Undav, der das 1:0 selbst erzielt und das zweite Tor vorbereitet hatte, betrieb Ursachenforschung, warum der Faden nach der starken ersten halben Stunde verloren ging: "Ich weiß nicht, warum wir bei Führung wild spielen", so der Stürmer. "Vielleicht dachte man jetzt, das wird ein einfaches Ding. Jeder hat eine Idee. Vielleicht nehmen es einige locker. Um eine Spitzenmannschaft zu sein, musst du diese Mannschaften 4:0, 5:0 weghauen. Das haben wir heute wieder nicht gemacht, daran müssen wir arbeiten, jeder muss sich an die eigene Nase fassen." Sein Kapitän Karazor sagte: "In der einen oder anderen Situation fehlt uns vielleicht die Reife. Eine reife Mannschaft schafft es dann schon in der ersten Halbzeit, eine solche Mannschaft zu killen."
Celtic oder Rasgrad? Hoeneß hat keinen Favoriten
Ob die Stuttgarter als Tabellen-11. in den Play-offs nun auf Celtic Glasgow oder Ludogorez Rasgrad treffen, stellt sich in der Auslosung am Freitag heraus. Einen Wunschgegner habe er nicht, so Hoeneß. Was neben dem Sieg positiv aus VfB-Sicht festzuhalten ist: Durch die Endplatzierung haben die Stuttgarter im Play-off-Rückspiel Heimrecht - und die Kulisse in Stuttgart war im Europapokal bislang hilfreich: In der Ligaphase gewann der VfB alle vier Heimspiele.