Die Vorbereitung war "durchwachsen", die Ergebnisse in den Testspielen seien "ein wenig auf der Strecke" geblieben, gab Christian Eichner vor dem Zweitligaauftakt zu. Von acht Testspielen hatte der Karlsruher SC die Hälfte verloren, bei nur drei Siegen; aus den letzten fünf Tests gab es gleich gar kein Erfolgserlebnis mehr. So war Eichner nicht sicher, wo seine Mannschaft steht.
Umso erfreuter dürfte er über den Beginn der neuen Saison gewesen sein. Der KSC überrannte beim Heimauftakt Preußen Münster zu Beginn förmlich und ging - angeführt von Marvin Wanitzek und Louey Ben Farhat, die sich ihre Treffer gegenseitig auflegten - schnell mit 2:0 in Führung. "Die ersten 30 Minuten waren nach Maß, die sind so gelaufen, wie wir sie uns vorgestellt haben", freute sich Wanitzek, der sein 200. Zweitliga-Spiel absolvierte, am ARD-Mikrophon.
Und auch der Trainer war zufrieden. "Die Mannschaft hat sich extrem viel vorgenommen gegen einen Gegner, der fußballerisch sehr gut ist. Wir waren griffig, waren da und gehen verdient 2:0 in Führung", lobte Eichner bei Sky die erste halbe Stunde.
Wanitzek kritisiert Passivität in Überzahl
"Doch ein Abstoß von uns holt der den Gegner zurück ins Spiel. Und ab da ist wilde Maus bis zum Ende", fasste der KSC-Coach das zusammen, was danach passierte. Etienne Amenyido besorgte noch vor der Pause mit einer starken Einzelleistung den Anschlusstreffer für die Preußen, die das Spiel mehr und mehr kontrollierten. Bis in der 80. Minute Lars Lokotsch zum Ausgleich traf - und das nach der Notbremse von Niko Koulis nach 20-minütiger Unterzahl.
„Das sind Spielverläufe, weswegen alle die Liga lieben. Und weswegen ich, wenn ich nicht beim Frisör bin, immer grauer werde.“ (Christian Eichner)
"Ich erwarte mit einem Mann mehr, dass wir aktiver werden und auf das dritte Tor spielen. Da darf nichts mehr anbrennen", ärgerte sich Wanitzek. "In der Summe war die zweite Halbzeit mit einem Mann mehr zu wenig."
Lilian Egloffs Hammer, der kurz vor Schluss doch noch den KSC-Sieg rettete, machte die Achterbahnfahrt im Wildpark perfekt. "Es scheint wieder loszugehen in der Liga", witzelte Eichner. "Das sind Spielverläufe, weswegen alle die Liga lieben. Und weswegen ich, wenn ich nicht beim Frisör bin, immer grauer werde."
Kein Saisonziel beim KSC
Nach dem zumindest vom Endergebnis her gelungenen Auftakt will man beim KSC weiterhin kein Saisonziel ausgeben. "Eine Prognose wäre fatal, man wird Woche für Woche in der 2. Liga überrascht", meinte Wanitzek. Es gelte vielmehr, von Spiel zu Spiel zu schauen. Und so schickte der KSC-Kapitän schon mal eine Kampfansage in die Hauptstadt: "Nächste Woche wartet ein harter Brocken in Berlin. Auch da wollen wir drei Punkte holen."