Die Saison des SK Sturm
In einem wahren Herzschlagfinale hat der SK Sturm Graz den Titel in der österreichischen Bundesliga verteidigt. Der fünfte Meistertitel der Vereinsgeschichte war für die Steirer, die während der Saison unter anderem die Abgänge von Christian Ilzer, Andreas Schicker und Mika Biereth verkraften mussten, jedoch ein hartes Stück Arbeit. Den Unterschied machte letztlich die beste Offensive der Liga (66 Tore). Die wie schon in der Vorsaison von Otar Kiteishvili getragen wurde.
Schlüsselspieler: Otar Kiteishvili
Zum zweiten Mal in Folge wurde Kiteishvili von den Präsidenten, Managern und Trainern zum besten Spieler der Saison gewählt. Seine zwölf Bundesliga-Treffer waren schwarz-weißer Bestwert, zudem war kein Sturm-Akteur häufiger in Angriffsbemühungen (140) involviert als der Georgier. Kein allzu große Überraschung also, dass es der Mittelfeldspieler mit einer Durchschnittsnote von 2,90 in die kicker-Elf der abgelaufenen Saison schaffte.
Doch Kiteishvilis Wert für Sturm ist nicht allein an Zahlen zu messen. Speziell in der Meistergruppe lief der 29-Jährige, der in allen 32 Bundesliga-Partien auf dem Platz stand, wieder zur Höchstform auf. Die Siege in Salzburg (2:1) und Linz (1:0) hatte der Meister zu einem Großteil der Genialität des Georgiers zu verdanken. Und auch abseits des Platzes war es Kiteishvili, der die Grazer in schwierigen Momenten zurück in die Spur brachte. So war er es, der die Mannschaft im Februar nach der 0:3-Klatsche beim WAC in die Pflicht nahm - und anschließend mit gewohnt starken Leistungen voranging.
Moment der Saison: Kiteishvili-Traumtor in Salzburg
Wie wichtig Kiteishvili für Sturm ist, stellte er am 13. April in Salzburg eindrucksvoll unter Beweis. Mit einem Heimsieg hätten die Mozartstädter die Tabellenführung übernommen - und bis zur Pause deutete nicht nur aufgrund der 1:0-Führung auch alles auf dieses Szenario hin. Doch dann schlug die große Stunde des Otar Kiteisvhili: Beim 1:1 übernahm der Georgier vom Elfmeterpunkt Verantwortung, sein 2:1-Siegtreffer fiel in die Kategorie Traumtor. Jürgen Säumel bezeichnete den mit zehn Mann errungenen Auswärtssieg nach der erfolgreichen Titelverteidigung als einen der Schlüsselmomente der Saison.
Flop der Saison: Fally Mayulu
Der Winter-Abgang von Mika Biereth traf Sturm mitten ins Mark. Ersetzen konnten die Steirer den nach Monaco abgewanderten Dänen eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Was auch daran lag, dass sich der per Leihe geholte Ersatzmann Fally Mayulu Mitte Februar eine Muskelverletzung zuzog und erst im abschließenden Saisonspiel gegen den WAC (1:1) für wenige Sekunden auf den Platz zurückkehrte. Unter dem Strich bleiben von Mayulus Zeit in Graz 100 Einsatzminuten, kein Scorerpunkt und die Frage, was alles hätte sein können. Wenngleich unglücklich, wird Mayulus Engagement an der Mur letztlich als Missverständnis in die schwarz-weiße Vereinsgeschichte eingehen.
Spruch der Saison
„Vielleicht läuft heute einer mit dem Borat-Kostüm herum. Graz wird heute zum Ballermann.“ (Stefan Hierländer nach dem Gewinn der Meisterschaft)
Transferpläne
Schon unmittelbar nach Saisonende hat sich bei Sturm einiges getan. Die Abgänge von Amadou Dante (FC Arouca), Konstantin Schopp (Mainz 05) und Gregory Wüthrich (unbekannt) gaben die Grazer bereits bekannt, dabei wird es nicht bleiben. Topscorer William Böving wird für die Grazer nicht zu halten sein, um Max Johnston und Tochi Chukwuani soll ebenfalls ziemlich vehement geworben werden. Und auch Kiteishvili liebäugelt offenbar mit einem Wechsel ins Ausland. Mehrere Vereine aus der Premier League sollen bei Geschäftsführer Sport Michael Parensen bereits vorsichtig angefragt haben, bei einem entsprechenden Angebot würde man ihm angesichts seiner Verdienste für Sturm wohl keine Steine in den Weg legen.
Da auch die Leihspieler Kjell Scherpen, Malick Yalcouyé, Lovro Zvonarek und Mayulu in der kommenden Saison nicht mehr für Schwarz-Weiß spielen werden, steht Sturm im Sommer vor einem Umbruch. Mit Tim Oermann, Axel Kayombo und Julius Beck wurden bereits drei Neuzugänge vorgestellt, die Zukunft der beiden Leih-Rückkehrer Szymon Wlodarczyk und Bryan Teixeira ist offen. Ansonsten blieb es hinsichtlich möglicher Verstärkungen noch recht ruhig, in den kommenden Wochen wird das Transferkarussell aber definitiv auch aus Sturm-Sicht noch Fahrt aufnehmen.
Gesamtnote der kicker-Redaktion: 2,0