Die Überlegungen der FIFA, einige Partien später anpfeifen zu lassen, gründen auf den Erfahrungen der Klub-WM im vergangenen Sommer in den USA, bei der zahlreiche Hitzespiele stattgefunden hatten. Werden die Überlegungen in die Tat umgesetzt, würde dies bedeuten, dass die betroffenen Begegnungen zu einer Zeit stattfänden, in der in Europa die Nacht begonnen hat.
„Wird jedes Spiel hinsichtlich der Anstoßzeit und der Fernsehübertragung absolut perfekt sein? Ich weiß es nicht.“ (Victor Montagliani)
Am 5. Dezember wird die Auslosung der Endrunde mit 48 Teams und insgesamt 104 Spielen in Washington D.C. stattfinden, danach wird der genaue Spielplan von der FIFA festgelegt. Man stelle sich die Frage, wo die frühen Spiele stattfinden können, gab Victor Montagliani aus Kanada bei einer Konferenz in London Einblick in die mögliche Struktur. "Wir werden unser Bestes tun, dass das berücksichtigt wird", meinte der FIFA-Vizepräsident, gesteht dennoch Zweifel: "Aber wird jedes Spiel hinsichtlich der Anstoßzeit und der Fernsehübertragung absolut perfekt sein? Ich weiß es nicht." Montagliani bestätigte, dass die FIFA diesbezüglich im Austausch sei: "Wir führen täglich Gespräche mit europäischen und internationalen Medien."
Tuchel: Herausfordernd für die Fans, gut für die Spieler
Als Reaktion auf die Gedankengänge des Weltverbands hat sich nun Thomas Tuchel zu Wort gemeldet. Der englische Nationaltrainer würde spätere Anstoßzeiten bei der WM 2026 begrüßen, wies aber gleichzeitig auch ein wenig augenzwinkernd auf die Herausforderung für die Anhänger und erwartbare Folgen hin. "Um Mitternacht (englischer Zeit) - ich verstehe, dass das schlecht für unsere Fans sein wird, für die Kinder, für die jungen Leute, die zur Schule gehen, sehr schlecht. Ich denke, es wird am nächsten Tag viele Schulschwänzer geben", sagte der 52-Jährige mit einem Schmunzeln.
Ein Szenario, mit dem sich auch die Anhänger in Deutschland eventuell befassen müssen, denn sollte sich die deutsche Mannschaft qualifizieren, könnte auch sie im Spielplan bei den späten Terminen landen.
Grundsätzlich steht Tuchel der Idee positiv gegenüber. Warum? "Wenn Sie um zwei Uhr nachmittags in Charlotte joggen gehen, wissen Sie, warum", sagte er. Natürlich sei ihm klar, dass die englischen Fans die Verschiebungen in die Nacht nicht gut finden werden, "aber für uns ist es besser, später zu spielen. Für alle ist es besser." Das sieht auch die Spielergewerkschaft FIFPRO so, die in einem Bericht veröffentlichte, dass bei sechs der 16 WM-Spielorte ein "extremes Risiko" für hitzebedingte gesundheitliche Folgen bestehe.
Tuchel betonte, dass die Gesundheit der Akteure an erster Stelle stehe, "wir müssen das Spiel beschützen". Sollte England aber doch ein Hitzespiel bestreiten müssen, "werden wir uns anpassen und das nicht als Ausrede hernehmen".