"Ich habe in meinem Leben noch nie etwas geschenkt bekommen und gehe alles sehr konzentriert, mit viel Respekt und Demut an. Wir haben eine gute Ausgangssituation, aber wir sollten nicht überheblich sein", stellt Niko Arnautis sofort klar, als das Thema auf den deutlichen 4:0-Sieg seiner Frankfurter Eintracht im Hinspiel gegen den tschechischen Klub 1. FC Slovacko kommt. Und die Formsache, das kaum noch fragliche Erreichen der K.-o.-Runde des Europa Cups, das mit solch einem Sieg einhergeht. "Das ist nicht respektvoll gegenüber dem Gegner", mahnt Arnautis.
Sicher, stundenlange Videoanalyse des Gegners sei in einem solchen Fall nicht mehr nötig, "weil wir schon im Hinspiel gesehen haben, wie wir sie knacken können", aber dennoch müsse man erst mal wieder seine Leistung auf den Platz bringen. "Wir spielen diesmal in Slovackos Wohnzimmer, das ist immer schwieriger, aber ich bin mir sicher, dass wir eine gute Mentalität zeigen werden", ergänzt Offensivspielerin Ereleta Memeti.
Die kurze Vorbereitung nach der 2:3-Niederlage beim SC Freiburg am vergangenen Sonntag und dem Auftritt in Tschechien an diesem Mittwoch (19 Uhr, LIVE! bei kicker) habe man gut genutzt, wie Arnautis berichtet. "Wir haben ein paar Situationen aus Freiburg besprochen, sowohl gute als auch solche, die wir besser machen müssen. Das weiß die Mannschaft auch." Viel grübeln könne man bei den zahlreichen englischen Wochen ohnehin nicht. "Das Schöne ist, dass es immer gleich weiter geht, da braucht man sich nicht viele Gedanken zu machen", sagt Arnautis.
"Wir sind sehr selbstkritisch..."
Dabei gibt es durchaus Grund zum Grübeln, denn die Saison der Eintracht verläuft bislang noch nicht so wirklich nach dem Geschmack des Trainers, der sich generell mehr Konstanz, aber auch den einen oder anderen Treffer mehr wünscht. "Fakt ist, dass wir sehr positive Ansätze, sowohl mit als auch gegen den Ball zeigen, aber wir müssen uns vorwerfen, dass wir das eine oder andere Spiel auch einfach mal über die Linie drücken müssen. Wir sind alle selbstkritisch und schauen, wie wir das lösen können, aber das geht nicht per Knopfdruck, zumal wir momentan nicht so viele Trainingsmöglichkeiten haben, um an diesen Themen zu arbeiten. Dann muss die Umsetzung in den Spielen erfolgen."
Zustimmung kommt auch von Memeti: "Wir sind sehr selbstkritisch, reden viel miteinander in der Mannschaft. Jeder fasst sich an die eigene Nase und weiß, dass wir noch nicht das Beste gezeigt haben. Es kann nur positiver werden." Druck will Arnautis seinem Team zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison aber definitiv noch nicht machen: "Wir waren auch früher schon mal totgesagt und haben am Ende noch überholt. Das Entscheidende ist, dass wir ganz losgelöst von irgendwelchen Tabellenkonstellationen einfach unsere Aufgaben meistern, dass wir besser werden in den Bereichen offensiv und defensiv. Und dann wird die logische Konsequenz sein, dass wir den einen oder anderen Gegner in der Tabelle überholen."
Platzt der Knoten bei Freigang?
Für Kapitänin Laura Freigang war das Hinspiel gegen Slovacko indes ein besonderes: Die derzeit schwächelnde Nationalspielerin erzielte beim 4:0-Sieg ihr erstes Saisontor und durfte sich nun auch etwas unerwartet über die Nominierung für die Halbfinals der UEFA Women's Nations freuen. "Laura hat über die letzten Jahre gute Leistungen gezeigt, dementsprechend kann man auch mal so eine Phase haben und man ist trotzdem dabei. Deshalb hoffe ich für sie, dass sie dadurch noch mal einen Push erlebt", blickt Arnautis auf die Länderspielpause voraus. Zunächst aber liegt der Fokus von Freigang und ihren Teamkolleginnen auf Slovacko und dem Einzug in die K.-o.-Runde des Europa Cups.