Für den TSV Aubstadt steckte am Ende der vergangenen und vor der für ihn am kommenden Freitag beginnenden Saison womöglich mehr drin als ausschließlich der Klassenerhalt in der Regionalliga Bayern. Der Dorfverein, in dem die Entwicklung seit rund zwei Jahrzehnten immer nur positiv und nach vorn gerichtet war, ist Stillstand oder gar Rückschritt nämlich nicht gewohnt. Mit dieser neuen Erfahrung galt es also jüngst fertig zu werden.
Zweimal in den letzten drei Jahren reagierte man, für manche etwas voreilig, mit Veränderungen auf der Trainerbank, als es mal etwas kritisch zu werden drohte. Im Frühjahr 2023 musste Victor Kleinhenz vorzeitig gehen, ist inzwischen mit Schweinfurt 05 in der 3. Liga angekommen. Julian Grell erreichte 2024 als Regionalliga-Vierter die beste Platzierung in der Historie des TSV Aubstadt. Im Frühjahr 2025 wurde er als alleiniger Chefcoach degradiert, darf es ab dieser Saison in der zweiten Mannschaft sein, die aus der Landesliga abgestiegen ist. Zusammen mit Josef Francic, der einst neun Jahre lang "regierte", wurde am letzten Spieltag mit einem 3:0-Auswärtssieg beim Absteiger FC Eintracht Bamberg 2010 der Klassenerhalt geschafft.
Bozesan muss eine Einheit formen
Mit dem in Würzburg wohnenden Claudiu Bozesan (58), zuvor Landesliga-Trainer in Abtswind und Rimpar, ist inzwischen ein neuer Chef auf der Kommando-Brücke des TSV. Nach Trainern aus der näheren Region bisher, musste noch nie einer von so weit her anreisen. Der gebürtige Rumäne lebt seit 36 Jahren in Deutschland, derzeit in Würzburg und spielte früher mit den Würzburger Kickers selbst noch aktiv gegen den TSV Aubstadt. Sein Auftrag: Aus einem nach dem personellen Ausbluten Richtung Schweinfurt vor einem Jahr nun erneut stark veränderten Kader so schnell wie möglich eine konkurrenzfähige Mannschaft, eine Einheit formen.
Mit Luke Hemmerich (zu Würzburger Kickers), Loris Maier (Sonnenhof Großaspach) und Keeper Max Böhnke (Energie Cottbus) haben drei Leistungsträger die "Abschter" verlassen, ebenso Timm Koch, Adrian Hatman und Piet Scheurer. Alle sechs nach nur einer Saison. Urgestein Christian Köttler (31), 13 Jahre lang an der Aufwärtsentwicklung des TSV beteiligt, beendete mit einem Achillessehnenriss seine Zeit in Aubstadt. Neu im TSV-Kader sind Torwart Julian Brätz (18, vom HSV II), Franz Helmer (24, FV Illertissen), Marcel Fischer (20, FV Würzburg), Egor Zelenskiy (21, TSV Abstwind) und Radzivon Hushcha (19, Eintracht Bamberg). Von den beiden in der letzten Rückrunde weniger überzeugenden Winter-Neuzugängen Severo Sturm (aus Kassel) und Pascal Moll (Altglienicke) hat besonders Sturm inzwischen wesentlich mehr überzeugt und beide sich für die Startelf beim Pokalspiel empfohlen.
Bozesan arbeitete in den bisher 20 Trainingseinheiten daran, die Qualitätsunterschiede zwischen Defensive und Offensive, wie in der Vorsaison vorherrschend, auszugleichen, besonders beim Abschluss und in der gegnerischen Box cooler zu agieren. Sein Einstand und die Testspiele gelangen positiver als von vielen erwartet. Gegen die Regionalligisten Carl Zeiss Jena (1:1) und Stuttgarter Kickers (1:1) sowie den Bayernliga-Aufsteiger FC Coburg (3:0) ging es Schritt für Schritt vorwärts. Im ersten Pflichtspiel, der ersten Landespokal-Runde beim neuen Fünftligisten SC Großschwarzenlohe (vorher 24 Spiele ungeschlagen) gelang ein souveräner 3:0-Erfolg.
Selbstvertrauen für das Burghausen-Spiel
Was Bozesan besonders gefiel: Hinten stand die Null und nach vorne war eine deutlich bessere Qualität im Abschluss erkennbar. Wobei sich Sturm (zwei Treffer) als Goalgetter mauserte und sich auch Max Grimm für seine läuferische Investition belohnte. Womit Bozesans Ziel Nummer zwei erreicht wurde: "Selbstvertrauen tanken für den Punktspielstart" kommenden Freitag gegen den Geheimfavoriten SV Wacker Burghausen, gegen den man bisher in neun meist torarmen (8:8) Begegnungen mit 4-1-4 eine ausgeglichene Bilanz erreichte. Aber das ist nicht nur wegen der gegenwärtigen Temperaturen, sondern auch wegen des veränderten Spieler-Kaders Schnee von gestern.