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Aufatmen in Halle: Der Sieg gegen Meuselwitz kann nur ein Anfang sein

kicker

Seismologen dürften zwar keine Ausschläge registriert haben, aber doch war in Halle am Samstag, um kurz vor 16 Uhr, zu spüren, wie Felsbrocken von Herzen polterten. Der Hallesche FC kann doch noch gewinnen, wenn auch mit viel Mühe. 1:0 lautete das Ergebnis gegen den ZFC Meuselwitz. "Der Sieg ist dreckig, aber das ist mir egal", sagte Trainer Robert Schröder.

Der 37-Jährige hatte vor dem Heimspiel im Leuna-Chemie-Stadion im Fokus gestanden. Als Aufstiegsfavorit in die Saison gegangen, hatte der HFC einen schwarzen September erlebt, nur einen Punkt aus vier Spielen geholt. Die Tabellenspitze, die der langjährige Drittligist nach perfektem Start mit sechs Siegen innehatte, war dadurch in die Ferne gerückt.

Die Fehlerschemata ähnelten sich in all den enttäuschenden Partien gegen Chemie Leipzig (0:0), den Chemnitzer FC (0:3), den BFC Preußen (0:1) und den FSV Zwickau (1:2). Schröders Personal verlor entscheidende Zweikämpfe, verteidigte zu inkonsequent, traf mit dem Ball falsche Entscheidungen, erzeugte offensiv zu wenig Wucht. Verletzungssorgen begünstigten die Misere. Innenverteidiger Pascal Schmedemann (Innenbandanriss im Knie) ist nicht gleichwertig zu ersetzen, ständige Ausfälle in der Offensive sorgten dafür, dass sich keine Abläufe einspielen. Dennoch verfügte und verfügt der Kader eigentlich über genug Qualität.

Die Krise warf schnell grundsätzliche Fragen auf. Vor allem, da die Entscheider beim HFC um Sportchef Daniel Meyer im Sommer einen Schritt vollzogen hatten, der kontrovers diskutiert werden kann und muss. Nach der Vizemeisterschaft im Vorjahr - drei Punkte fehlten zu Lok Leipzig - musste Mark Zimmermann gehen. Es übernahm der 37-jährige Schröder, der bei Hertha Zehlendorf zwar sehr gute Arbeit geleistet hatte, aber noch nie Trainer in Vollzeit war. Das Argument des Vereins: Unter Zimmermann sei die spielerische Weiterentwicklung ausgeblieben. Schröder sollte mehr Esprit und Wucht auf den Platz bringen.

Daran muss sich der Trainer, müssen sich aber auch alle Verantwortungsträger beim HFC messen lassen. Dementsprechend schmal ist der Grat, auf dem die Rot-Weißen agieren. Denn eine Weiterentwicklung zum Fußball unter Zimmermann war zuletzt nicht zu sehen gewesen. Auf die Sieglos-Serie hatte Schröder mit erhöhter Intensität im Training - viele Spielformen, viele Zweikämpfe - und einem psychologischen Trick reagiert. Der schwarze September sei vorbei, ließ er vor dem Heimspiel gegen Meuselwitz wissen, jetzt beginne der goldene Oktober.

„Man hat gesehen, dass wir nicht vor Selbstvertrauen strotzen, dennoch sind wir drangeblieben, haben den Punch erzwungen.“ (HFC-Trainer Robert Schröder)

Rein dem Ergebnis nach ist mit dem 1:0 gegen Meuselwitz ein Anfang gemacht. Allerdings war der Auftritt kaum besser als in den Spielen zuvor. Den Profis war bei allem Bemühen die Negativserie anzusehen, nervös, teilweise ängstlich wirkte das Spiel mit dem Ball. Diesmal aber fand der Favorit einen Weg, erzwang das Tor des Tages durch einen Abstauber von Julien Damelang und überstand auch die Schlussphase, als Kapitän Niklas Landgraf mit Gelb-Rot vom Platz flog. "Man hat gesehen, dass wir nicht vor Selbstvertrauen strotzen, dennoch sind wir drangeblieben, haben den Punch erzwungen", bilanzierte Schröder.

Ob der Arbeitssieg mit Zitterfaktor tatsächlich die Wende zum Guten war, wird sich zeigen. In der Liga warten mit den Duellen mit der VSG Altglienicke und Lok Leipzig zwei Spitzenspiele auf den HFC. Wird es tatsächlich ein goldener Oktober? Georg-Martin Leopold, Meuselwitz' Trainer, machte den HFC-Fans zumindest Mut. "So einen dreckigen Sieg habt ihr gebraucht", waren seine Schlussworte am Samstag.