In etwas mehr als anderthalb Jahren im schwedischen Stockholm müsste sich Keita Kosugi ja eigentlich an kühleres Wetter gewöhnt haben. Der Empfang war in dieser Hinsicht dennoch relativ frostig. Sein erster Eindruck von Frankfurt? "Es ist wirklich kalt hier", meint der Japaner grinsend. Seine Mitspieler werden ihn hoffentlich aufgeklärt haben, dass er nicht ganz so lang wie in Skandinavien auf sonnige und wärmere Tage warten muss.
Mit 17 Jahren wagte der Linksverteidiger 2024 den Sprung nach Europa. Um die Erfahrung von 62 Pflichtspielen für den Traditionsverein Djurgardens IF reicher, macht Kosugi jetzt mit 19 Jahren den nächsten Karrieresprung. Der Kontakt zur Eintracht entwickelte sich im Herbst - und ging nicht etwa von der japanischen, wie Frankfurter Fußball-Legende Makoto Hasebe aus. "Der erste Kontakt ging im September, Oktober vom Klub aus, während ich bei der U-20-Weltmeisterschaft war", berichtet Kosugi bei seiner Vorstellung an diesem Mittwoch.
„Die meisten Japaner, die Fußball mögen, kennen Eintracht Frankfurt“ (Keita Kosugi)
Gleichwohl dürfte Hasebes Wirken am Main die Sache etwas erleichtert haben. "Die meisten Japaner, die Fußball mögen, kennen Eintracht Frankfurt", betont Kosugi und zählt Landsleute auf, die er mit dem Klub verbindet: Hasebe, Takashi Inui, Naohiro Takahara, Daichi Kamada und Ritsu Doan. "Sie sind sehr große Spieler in Japan. Ich kannte Frankfurt schon vorher und habe mir auch in der letzten Saison einige Spiele angeschaut. Deshalb bin ich sehr glücklich, hier zu sein." Tatsächlich absolvierten Japaner mit weitem Abstand für keinen Bundesligisten so viele Spiele wie für Eintracht Frankfurt.
Hasebe reserviert den Tisch
Ein persönliches Treffen mit Hasebe gab es bisher zwar noch nicht, einen Dank an den Co-Trainer der Frankfurter U 21 konnte Kosugi dennoch schon ausrichten: "Als ich das erste Mal hier war, hat er mir ein Restaurant empfohlen und einen Tisch reserviert."
Die großen Fußstapfen seiner Landsleute sind für ihn Motivation und keineswegs Druck. "Natürlich möchte ich in der Bundesliga debütieren und auch mein erstes Spiel für die Nationalmannschaft machen. Aber im Moment ist das Wichtigste, hier anzukommen und mich einzuleben. Ich habe mit dem Trainer gesprochen, wie wir taktisch agieren und verteidigen. Ich denke, er gibt mir die Zeit, um mich anzupassen. Ich persönlich habe keinen Stress", so Kosugi.
In der Vergangenheit sind Spieler, die aus Schweden in die Bundesliga gewechselt sind, immer wieder in verhältnismäßig kurzer Zeit warm geworden. "Die Intensität und die Art, wie wir Fußball spielen, ist vielleicht ähnlich. Schwedische und deutsche Spieler sind häufig groß und haben ein ähnliches Profil", vermutet Kosugi, auf den dieses Merkmal bei 1,72 Meter Körpergröße zwar nicht zutrifft - aber damit konnte er ja schon in Schweden umgehen.
Brown: Vorbild und Konkurrent
In der Rangordnung der Frankfurter Linksverteidiger stellt der Neue erst einmal keine Forderungen. Im Gegenteil. Er schwärmt von seinem direkten Konkurrenten Nathaniel Brown. "Nene ist ein sehr guter Spieler und Mensch. Ich respektiere ihn sehr und kann viel von ihm lernen. Hoffentlich kann ich dieses Level auch einmal erreichen. Er ist einen Schritt weiter als ich. Was ich tun kann, ist jeden Tag hart zu arbeiten", erzählt der Japaner.
Dafür hat er seine Saisonpause gerne verkürzt. Weil der schwedische Ligabetrieb dem Kalenderjahr folgt und die Saison im November endet, befand sich Kosugi "im Urlaubsmodus" in der japanischen Heimat. "Aber seit ich Kontakt zu Eintracht habe, habe ich mich vorbereitet für die neue Saison", betont Kosugi. "Ich weiß, dass die Bundesliga in der Mitte der Saison ist. Mein Körper und mein Geist sind in einem guten Zustand."
Das dürfte die Eintracht und Trainer Toppmöller freuen. Denn der Januar wird bekanntlich zur Crunchtime mit sieben Pflichtspielen, vier davon gegen die Top-Teams in der Liga. Eine Alternative zu Brown, sollte der pausieren oder auch mal in offensiverer Rolle eingesetzt werden, kommt da gerade recht.