Aus Wolfsburgs Trainingslager in Lissabon berichtet Thomas Hiete
Selbst beim Elf-gegen-elf ist für ihn mitunter kein Platz auf dem Feld. Als die potenzielle Wolfsburger "B-Elf" am Sonntag mit Adam Daghim auf dem rechten und U-19-Spieler Bruno Katz auf dem linken Flügel agierte, machte Andreas Skov Olsen am Spielfeldrand Passübungen mit Nachwuchsspielern. Der Däne und der VfL Wolfsburg - was vor einem Jahr nach einer guten Idee aussah, hat sich längst als großes Missverständnis entpuppt. Der 26-Jährige kann den Klub in diesem Winter verlassen.
Vor zwölf Monaten war Skov Olsen mit großen Hoffnungen vom Club Brügge gekommen. Als Reaktion auf den Abgang von Ridle Baku (nach Leipzig). Nachdem sich der dänische Nationalspieler unter Ex-Coach Ralph Hasenhüttl, der den Offensivmann in defensiverer Rolle brachte, schwertat, war die Hoffnung groß, dass er in diesem Jahr unter Paul Simonis durchstartet. Und schließlich legte Skov Olsen auch gut los, traf beim Auftaktsieg in Heidenheim (3:1) sehenswert. Danach ging’s steil bergab.
Insgesamt stand er in der Liga nur viermal in der Startelf, letztmals am 4. Spieltag in Dortmund (0:1). Unter Neu-Trainer Daniel Bauer kam Skov Olsen noch keine Minute zum Einsatz. Dreimal saß er 90 Minuten auf der Bank, in den letzten beiden Spielen fehlte er verletzungsbedingt. Weitere Einsätze werden wohl auch nicht mehr dazukommen - wenn sich ein Abnehmer findet.
In Portugal wirkt der Däne weiterhin wie ein Fremdkörper, die Körpersprache ist ein Problem bei dem Mann, der im vergangenen Januar für elf plus drei Millionen Euro aus Belgien kam.
Flügelspieler: Aus dem Überangebot ist ein Notstand geworden
Ein Flügelspieler, auf den der VfL perspektivisch nicht setzt, was den Bedarf auf der Außenbahn weiter erhöht. Dort, wo vor wenigen Monaten noch ein Überangebot existierte, wird der Klub spätestens im Sommer aufgrund eines Notstands tätig werden müssen.
Jakub Kaminski, den sich der 1. FC Köln per Kaufoption sichern kann, Vaclav Cerny (Besiktas Istanbul) und Tiago Tomas (VfB Stuttgart) wurden abgegeben. Da Bauer anders als Vorgänger Simonis Mohammed Amoura eher im Sturmzentrum sieht, bleiben Patrick Wimmer, Adam Daghim, Kevin Paredes und Jesper Lindström. Vier Personalien mit Fragezeichen.
An Wimmer gibt es immer mal wieder Interesse, der VfL würde gerne den 2027 auslaufenden Vertrag verlängern. Daghim ist nur geliehen von RB Salzburg, eine feste Verpflichtung würde den VfL im Sommer 13 Millionen Euro kosten (der kicker berichtete). Paredes’ Vertrag läuft im Sommer aus, bislang hat der Amerikaner eine Verlängerung abgelehnt, nach langer Pause wegen einer Fußverletzung arbeitet er sich gerade wieder heran.
Und Lindström bleibt das große Sorgenkind - wegen anhaltender Leistenprobleme absolviert der Däne auch in Portugal nur ein individuelles Programm. Schwer vorstellbar, dass der VfL beim Leihspieler vom SSC Neapel, der bislang erst auf zwei Kurzeinsätze kam, die Kaufoption zieht.
Gespräche mit Detourbet - aber auch viel Konkurrenz
Es besteht also Bedarf, der VfL ist längst auf der Suche nach Flügel-Lösungen. Dabei bemühen sich die Niedersachsen intensiv um den Franzosen Mathys Detourbet, über das Interesse hat kürzlich auch Sky schon berichtet. Der kicker weiß: Mit dem 18-Jährigen vom französischen Zweitligisten ES Troyes AC hat es schon Gespräche gegeben, schon seit vielen Monaten soll Wolfsburg um das Großtalent buhlen.
Jedoch: Die Konkurrenz, auch aus der Bundesliga, soll groß sein, entsprechend geht der Preis für den Teenager in die Höhe. Und: Nach aktuellem Stand geht es eher um einen Transfer im Sommer, wenngleich in diesem Januar eine Dynamik entstehen kann. Für diesen Fall ist der VfL gewappnet.