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Balotelli, geplatzte Schecks und 3,15 Millionen Euro

kicker

Das war der avisierte Lohn, den der damalige Süper-Lig-Klub und der Italiener ausgehandelt hatten in dem am 15. September 2023 geschlossenen (und bis 30. Juni 2024 gültigen) Vertrag unter Punkt "3.1. Feste Vergütung", hier übersetzt aus dem Englischen: "Der Verein zahlt dem Spieler pro Saison ein Nettojahresgehalt nach Steuern in Höhe von 3.150.000,00 Euro (drei Millionen einhundertfünfzigtausend Euro)." In zehn Monatstranchen sollte die Summe fließen, Adana Demirspor war alleinverantwortlich für Einkommenssteuer und Sozialversicherungsbeiträge in der Türkei.

Legendärer T-Shirt-Jubel: "Warum immer ich?"

Dass der Klub Mario Balotelli derart üppig entlohnte, ist vermutlich auf seine erste Saison in der Tiefebene Cukurova zurückzuführen, wo ihm 2021/22 18 Tore und vier Vorlagen für den Emporkömmling gelungen waren. Danach heuerte er beim FC Sion an, ehe ihn die Türken erneut unter Vertrag nahmen.

Balotelli schrieb positive wie negative Schlagzeilen. Unvergessen ist sein martialischer Jubel im EM-Halbfinale 2012 gegen Deutschland, die Art und Weise, wie er Explosivität mit feiner Technik vermengen konnte in den besten Tagen seiner Karriere. Allerdings durchzogen auch diverse Skandälchen und Undiszipliniertheiten seine Laufbahn. Einst, in Diensten von Manchester City, bejubelte er seinen Führungstreffer gegen Manchester United mit einem T-Shirt-Spruch: "Why always me?" Warum immer ich? Zwei Tage zuvor hatte bei ihm des Nachts die Feuerwehr anrücken müssen, offenbar weil ein (womöglich falscher) Freund einen Böller in seiner Wohnung gezündet und einen Brand verursacht hatte.

Kein Gehalt bezahlt, der Präsident springt (vermeintlich) ein

Warum immer ich? Das mag sich Balotelli auch, der schon für den FC Liverpool, AC Milan, Inter Mailand und Olympique Marseille spielte, auch Anfang Juli 2024 gedacht haben. Da nämlich versuchte er ausweislich der dem Fall zugrundeliegenden Akte bei der FIFA-Streitschlichtungskammer zum dritten Mal die Schecks des Klubpräsidenten von Adana Demirspor, Murat Sancak, bei einer Bank einzulösen. Und wurde mangels Deckung abgewiesen.

Längst war der Klub da wegen eines teuren Kaderumbaus finanziell in Schlagseite geraten, wobei Sancak dafür auch den türkischen Verband TFF heftig kritisierte, genauso die Schiedsrichter. Mehrere Schecks hatte Sancak Balotelli ausgestellt, denn vom Klub selbst hatte der Fußballer in der Saison 2023/24 offenbar nie Gehalt bekommen.

Bei der Bank hieß es: Sorry, nicht gedeckt

Schon am 23. Dezember 2023 wurde dem Arbeitspapier nämlich ein Zusatzpassus hinzugefügt, wonach der Klub die Schuld des Oktober- und Novembergehalts in Höhe von 630.000 Euro einräumt. Sancak trat als Garantiebürge auf und verpflichtete sich, für den Fall der weiteren Nichtbezahlung Balotellis Schecks auszustellen, die dann ab 30. Januar 2024 einlösbar sein sollten.

Hin und her ging das, Balotelli mahnte den Klub an, der schickte Sancak vor und der Medizinunternehmer stellte Schecks aus. Als Balotelli diese aber Anfang Mai erstmals einlösen wollte, hieß es bei der Bank: Sorry, nicht gedeckt. Der Angreifer klagte bei der FIFA. Die Erwiderungen des Klubs waren überschaubar. Man warf dem Spieler vor, er sei zu einer Behandlung nach Italien gefahren und haben den Verein nicht über den Heilungsfortgang informiert, zudem habe er gegen einen internen Disziplinarkodex verstoßen und nicht wie angefordert Stellungnahme dazu abgegeben. Außerdem habe er die Bezahlung per Scheck des Präsidenten als Alternative ja akzeptiert, nach türkischem Recht seien die Schecks drei, unter Umständen sogar zehn Jahre gültig. Tenor: Man könne sie also auch noch später einlösen.

Adana ist von der FIFA mit einer Registrierungssperre belegt

Balotelli versuchte es noch zwei weitere Male mit den Schecks, letztmals Anfang Juli, doch jedesmal verweigerten Banken die Auszahlung. Im Urteil der FIFA heißt es dazu: "Der Spieler legte einen Nachweis über die Stempel auf der Rückseite jedes Schecks vor, den er einlösen wollte." Zur Zahlung von 3,15 Millionen Euro an Balotelli verdonnerte der Weltverband den mittlerweile in der 2. Liga spielenden Klub, zudem wird eine Strafe an die FIFA in Höhe von 190.000 Euro fällig. Unklar ist, ob die Summen bereits geflossen sind: Denn der in Schieflage liegende Klub darf aktuell keine neuen Spieler registrieren, was beispielsweise auch auf ausstehende Zahlungen an Spieler oder aus Sportgerichtsurteilen zurückzuführen sein kann.