"Wunderkind", kleiner geht es nicht, wenn es um Rafael Gomes Cirino geht. Besser bekannt als: Belinho. Ein hochtalentierter Fußballer mit brasilianischen Wurzeln. Den NK Kustosija Zagreb am Montag ganz offiziell als Neuzugang vorstellte. Ein Begriff, der in einem entsprechenden Social-Media-Post des kroatischen Drittligisten fiel: "Wunderkind".
Bei Dinamo sieht man ihn noch in der Jugend
Dabei wirkt der Transfer fürs Erste wundersam: Schließlich spielte Belinho bis dato für Dinamo Zagreb, einen der führenden Klubs Kroatiens. Warum also sollte der junge Mann, der an diesem Dienstag seinen 17. Geburtstag feiert, in die Niederungen der 3. Liga gehen, wenn er doch ein Wunderkind ist? Nun, die Lösung dieses Rätsels hat zwei Komponenten.
Zunächst wäre da die Tatsache, dass man den Techniker bei Dinamo noch im Nachwuchsbereich belassen möchte und ihn bei allem Können - das, so versichern Vereinsvertreter gegenüber dem kicker, sei unbestritten - physisch noch nicht auf dem Niveau sieht, um bei den Herren angreifen zu können. Diese Option scheint ihm Kustosija zu bieten. Offenbar sehen auch die Eltern des Technikers, mit denen er 2022 aus Brasilien kam, wo er bei Vasco da Gama spielte, ihn reif für den Schritt in den Herrenbereich, daher nun der Wechsel.
Eine Art Durchlauferhitzer für junge Spieler
Doch warum ausgerechnet Kustosija? Nun, der Klub hat eine bewegte, jüngere Vergangenheit. Er wirkt mittlerweile wie eine Zwischenstation für Talente, eine Art Durchlauferhitzer für junge Spieler. Sie wechseln vergleichsweise günstig dahin und ziehen für viel Geld weiter. So war es bei Mikayil Faye (zwischenzeitlich FC Barcelona, heute US Cremonese) und bei Baye Coulibaly (heute Charlotte FC). Mit Rodolfo Aloko war gerade ein weiteres Talent an das Farmteam des Charlotte FC ausgeliehen, den Crown Legacy FC.
Im Fall Faye fühlte sich dessen Ausbildungsklub im Senegal übers Ohr gehauen, auch bei Coulibaly gehen die Darstellungen über die Ablöse, die in seinen Ausbildungsklub in Mali flossen, weit auseinander. Kustosija ist ein Hybrid-Klub, der unter dem Einfluss des Spielerberaters Andy Bara steht, dessen Agentur Stars wie Dani Olmo oder Joan Garcia (beide FC Barcelona) betreut. Was zu solchen Absurditäten führt wie: 2024 musste Kustosija insgesamt 3,8 Millionen Euro für Spielerberater bezahlen, eine abstruse Summe für einen Drittligisten. Auch in den Fall des heute bei Dinamo Zagreb spielenden Cardoso Varela ist Baras Agentur offenkundig involviert.
Kustosija hält die FIFA-Vorgaben ein
Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Bis heute gibt es keine sportrechtliche Verurteilung für das Vorgehen des Klubs. Brückentransfers, also der enorm kurze Verbleib bei einem Klub, beispielsweise um nur einen Transfergewinn zu erzielen, sind zwar verboten, aber Kustosija hält diese FIFA-Vorgaben von einem Mindestverbleib von 16 Wochen augenscheinlich ein. Dass es sich zumindest bei den Talenten aus Afrika um eine Umgehung handeln könnte, liegt jedoch nahe. Faye blieb nur fünf Monate, Coulibaly neun. Nun darf man gespannt sein, wie nachhaltig der Verbleib Belinhos sein wird.