Der Torjubel blieb aus. Als Rebecka Blomqvist am Samstagnachmittag mit ihrem Treffer zum 3:1 für Eintracht Frankfurt in der 85. Minute für die Entscheidung im Bundesliga-Spitzenspiel beim VfL Wolfsburg sorgte, nahm sie das ohne große Gefühlsregungen zur Kenntnis. "Natürlich habe ich mich trotzdem gefreut", erklärte die Schwedin später. "Aber ich möchte hier nicht jubeln, wenn ich ein Tor schieße. Das ist eine Art, Respekt zu zeigen."
Es ist noch nicht lange her, dass Blomqvist den VfL Wolfsburg verlassen hat. Im Sommer wechselte die Offensivspielerin nach fünf Jahren aus der Autostadt nach Frankfurt. Blomqvists Zeit in Wolfsburg war von ihrem Kreuzbandriss im September 2023 überschattet. In ihrer Vita sind aber auch vier Pokaltitel und eine Meisterschaft mit den Niedersachsen aufgeführt.
In Frankfurt wollte die schwedische Nationalspielerin einen Neuanfang wagen. Das ist ihr bislang gelungen. Fünf Tore und ein Stammplatz in der Mannschaft von Trainer Niko Arnautis sind vermutlich mehr, als sich Blomqvist selbst erhofft hatte. "Ich fühle mich gut auf dem Platz, bin fit und spiele viel", fasst sie ihre ersten knapp viereinhalb Monate bei der SGE kurz zusammen. Dass sie ausgerechnet am Samstag gegen ihren Ex-Verein zunächst mal auf der Bank Platz nehmen musste, sorgte zwar für Verwunderung, aber ihre 30 Minuten Spielzeit nutzte die Ex-Wolfsburgerin in der Volkswagen-Arena effektiv.
Effektivität und viel Glück
Ohnehin war die Effektivität und die Cleverness am Samstag die auffälligsten Merkmale des Frankfurter Auftritts in Wolfsburg. Aus vier Torchancen gelangen den Gästen drei Tore. Und das, obwohl Verteidigerin Nina Lührßen nach 37 Spielminuten wegen eines absichtlichen Handspiels im eigenen Strafraum mit der Roten Karte bedacht wurde. Den fälligen Elfmeter von Nationalspielerin Janina Minge hielt die sehr gute Torhüterin Lina Altenburg.
In der zweiten Hälfte brauchte die Eintracht dann auch noch eine Portion Glück, um den Wolfsburger Ansturm fast unbeschadet zu überstehen. Alexandra Popps Anschlusstreffer zum 2:3 fiel erst in der 89. Minute - zu spät aus VfL-Sicht.
„Wir haben in dieser Saison schon gute Leistungen gezeigt, aber auch Lehrgeld bezahlt.“ (Niko Arnautis)
"Ich bin mega happy - auch damit, wie wir aufgetreten sind. Natürlich tut dieser Sieg enorm gut", freute sich Arnautis. "Aufgrund der ersten Hälfte hat sich die Mannschaft den Sieg verdient." Und auch das Glück in den zweiten 45 Minuten. "Wir haben eine brutale Energie gebraucht", wusste der Eintracht-Coach. Die SGE ist durch den Erfolg auf Tabellenplatz drei geklettert - zumindest bis Montagabend, wenn Konkurrent Bayer Leverkusen in Freiburg spielt. Drei Punkte beträgt der Rückstand der Frankfurterinnen auf den VfL Wolfsburg.
Rückenwind für Europacup
Mit mehr Konstanz wäre auch mehr möglich gewesen. "Wir haben in dieser Saison schon gute Leistungen gezeigt", erklärte Arnautis, "aber auch Lehrgeld bezahlt, weil wir einen größeren Umbruch hatten. Man muss den Mädels auch die Möglichkeiten geben, sich zu entfalten und entwickeln." Er sei überzeugt von seiner Mannschaft, betonte der Eintracht-Coach nicht zum ersten Mal. "Das Spiel in Wolfsburg zeigt, dass wir auf einem super Weg sind."
Den Rückenwind durch den Sieg kann die Eintracht gleich in die neue Woche mitnehmen: Im Achtelfinale des Europacups muss Frankfurt am Mittwoch (19 Uhr) im Hinspiel bei der PSV Eindhoven antreten.