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Brand: "Ich bin vielleicht etwas verpeilt oder tollpatschig"

kicker

Aus Zürich berichtet Paul Bartmuß

Die Rollen sind klar: Sjoeke Nüsken und Jule Brand gehen als Stammspielerinnen in die Europameisterschaft. Dass es diese Kommunikation vom Trainerteam explizit gegeben hat, bestätigen die beiden Nationalspielerinnen am Mittwoch in Zürich.

"Dadurch, dass wir alle von unseren Rollen wissen, gibt es Klarheit. Jeder kann sich darauf einstellen. Wer am Anfang auf der Bank sitzt, ist für das Team da, will spielen. Jeder pusht sich gegenseitig", erklärt Brand. "So eine Rolle gibt Sicherheit vom Trainer." Nach Ansicht der 22-Jährigen, die auf dem rechten Flügel den Vorzug vor Selina Cerci erhält, hat Wück diese Entscheidungen gut moderiert.

Für Brand steht nach beachtlichen 60 Länderspielen schon das vierte große Turnier ihrer Karriere an. "Im Vergleich zum ersten Turnier hat sich meine Rolle verändert", blickt Brand zurück: "Ich gehöre nicht mehr zu den jungen Spielerinnen. Wir haben jetzt ein paar Neue dabei, die diese Rolle einnehmen."

Dass Brand aber auch - noch - nicht zu den großen Organisatoren im Team gehört, zeigte unter anderem eine ARD-Dokumentation. In der sagte Giulia Gwinn etwa: "Wenn bei Jule der Kopf nicht angewachsen wäre, dann würde sie den vielleicht auch manchmal vergessen."

Angesprochen darauf, lächelt Brand. Sie sei nicht sauer gewesen, als sie die Aussage gehört habe. "Ich bin vielleicht etwas verpeilt oder tollpatschig. Seit ich angefangen habe, allein zu wohnen, hat es sich aber verbessert. Da musste ich ein bisschen selbstständiger werden."

Gereift präsentiert sich Brand in diesen Tagen dennoch. Auch die Frage eines englischen Reporters beantwortet die Bald-Lyonerin gekonnt in dessen Sprache, signalisiert direkt danach in Richtung der Pressesprecherin, dass sie dabei doch aufgeregt gewesen sei.

Pawollek soll sich nicht drehen dürfen

An das Englischsprechen in der Öffentlichkeit muss sich Nüsken längst nicht mehr gewöhnen. Beim FC Chelsea gehört die 24-Jährige zum erweiterten Stammpersonal. Am Freitag gegen Polen (21 Uhr, LIVE! bei kicker) erwartet die ehemalige Frankfurterin im Verbund mit der aktuellen Frankfurterin Elisa Senß ein Duell mit Tanja Pawollek.

Die polnische Abräumerin stand noch bis diesen Montag ebenfalls bei der Eintracht unter Vertrag, sogar als Kapitänin. Nun wechselt Pawollek zu Aufsteiger Union Berlin. Als "Leaderin" und "Lautsprecher auf dem Platz" bezeichnet Nüsken ihre frühere Vereinskollegin.

Pawollek dirigiere viel in alle Richtungen und könne auch technisch Akzente setzen, Bälle nach vorne spielen und so vor allem Top-Stürmerin Ewa Pajor einsetzen. "Da heißt es dagegenzuhalten, dass wir Tanja sich nicht auf der Sechs drehen lassen, dass wir sofort dort sind, dass sie die Bälle nicht spielen kann", sagt Nüsken. Ein Vorteil könnte sich ihrer Ansicht nach ergeben, weil die Polinnen mit nur einer Sechs auflaufen und Nüsken sowie Senß gelegentlich Überzahl in der Zentrale schaffen könnten.

Am Abend will die Nationalmannschaft gemeinsam das erste EM-Spiel und anschließend das offizielle Eröffnungsspiel schauen. Dabei werden die Teamkolleginnen auch noch einmal für das Geburtstagskind singen: Kapitänin Gwinn wird am Mittwoch 26 Jahre alt.