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Breite Brust und Selbstkritik

kicker

Zwei Siege zum Saisonauftakt hat der SV Darmstadt 98 zuletzt im Jahr 2005/2006 geschafft. Das 1:0 in Nürnberg durch das Joker-Tor von Killian Corredor in der vierten Minute der Nachspielzeit bedeutete zudem den ersten Auswärtssieg seit dem 2:1 in Hannover im vergangenen November. Und ohne Gegentor sind die Lilien in der vergangenen Saison auswärts nie geblieben. "Der Last-Minute-Treffer gibt uns eine sehr breite Brust", sagte Mittelfeldspieler Kai Klefisch. "Wir wissen jetzt, dass wir auch so Spiele ziehen können."

Breiter Kader als Trumpf

Wirklich überzeugend hatten die Lilien nur phasenweise agiert, ließen etwa kurz nach der Pause zwei große Gelegenheiten zur Führung aus. In der Endphase bewahrte Keeper Marcel Schuhen sein Team mit zwei großartigen Reflexen vor dem Rückstand. Am Ende zahlte sich auch aus, dass Trainer Florian Kohfeldt nochmals von der Bank nachlegen konnte - im Gegensatz zur Vorsaison, als er wegen der vielen Ausfälle in der Rückrunde oft nicht einmal 20 Spieler für den Kader zusammenbekam.

Nach einer Stunde wechselte Kohfeldt die beiden bis dahin gut spielenden Hiroki Akiyama und Marco Richter aus. "Wir müssen in solchen Momenten die Breite des Kaders nutzen, solange sie da ist, und so die Fitness hochhalten", sagte er zur Erklärung. "Wir haben mit Papela und Corredor unsere zwei intensivsten Spieler gebracht." Und Corredor sorgte dann kurz vor Schluss für einen ganz besonders intensiven Moment, der seinen Coach zu mehreren Luftsprüngen brachte.

"Wir sind erwachsener geworden"

Die Freude, dass man endlich wieder mit einem Lucky Punch einen mehr oder weniger schmutzigen Sieg eingefahren hatte, überwog dann auch. "Wir sind erwachsener geworden", befand Klefisch. Und dennoch war noch reichlich Raum für Selbstkritik. Wie in der vergangenen Saison tat sich die Mannschaft enorm schwer gegen einen tiefstehenden Gegner. So monierte Kohfeldt: "Was wir nicht so gut geschafft haben, war das Rhythmusgefühl mit Ball auf den Platz zu bringen: Wann spiele ich schnell, wann spiele ich langsam, wann muss die Tempoaktion kommen. Da war noch Luft nach oben."

Und dass Nürnberg nach zwei Eckbällen trotz der beiden Abwehrhünen Patric Pfeifer (1,96 Meter) und Aleksander Vukotic (2,01 Meter) noch zu zwei Großchancen kam, muss aus Sicht des Trainers ebenfalls analysiert und verbessert werden. "Wir müssen darüber reden, warum wir zweimal in so eine Situation kommen, mit gefühlt 18 Metern in der Innenverteidigung auf dem Platz." Denn so gut Keeper Schuhen auch sei: "Jedes Mal kann er die nicht halten. Er hatte einen ganz großen Anteil an dem Sieg."

Weiterkommen im Pokal ist Pflicht

Bereits am nächsten Wochenende müssen sich die Lilien im Pokal bewähren. Bei Viertligist VfB Lübeck (Samstag, 18 Uhr, LIVE! bei kicker) kann die Mannschaft zeigen, dass sie Mittel gegen einen vermutlich tiefstehenden Gegner findet und tatsächlich erwachsener geworden ist. Ein Sieg ist Pflicht, könnte die Brust noch ein bisschen breiter machen. Bei einem Erstrunden-Aus wie vor zwei Jahren gegen Regionalligist FC Homburg wäre der bislang kurze Höhenflug jäh gestoppt. Auch vor diesem Hintergrund will sich bei den Lilien aktuell keiner auf eine Saisonprognose einlassen. Aber immerhin verspricht Kohfeldt eine Aussage mit einer angestrebten Platzierung - "Hard Facts" wie er selbst sagt - nach Ende der Sommertransferperiode.