Vergleicht man den Ligastart von Hansa Rostock mit dem Auftakt in der vergangenen Saison, so kann man heuer schon von einem Traumstart sprechen: Vier Punkte aus zwei Spielen, eine Punktzahl, für die die Kogge vergangene Spielzeit ganze sechs Partien benötigte (vier Unentschieden, zwei Niederlagen). Die Euphorie war schon vor dem ersten Saisonsieg gegen Waldhof Mannheim enorm und lockte bei traumhaften äußeren Bedingungen rund 25.600 Fans ins Ostseestadion, die den 1:0-Erfolg lautstark begleiteten.
Brinkmann: Heimsieg "nicht unverdient"
Im Hinblick auf die Gefühlslage vor dem Heimspielauftakt verriet Kogge-Trainer Daniel Brinkmann am Mikrofon von MagentaSport: "Es ist schon ein enormer Druck, der auf uns lastet und insofern auch auf mir. Wir wollten unbedingt mit aller Macht das erste Heimspiel auch gewinnen, es ist uns am Ende, glaube ich, nicht unverdient gelungen". Während sich der 39-Jährige sehr zufrieden über die Einstellung seiner Mannschaft zeigte, sah er fußballerisch noch Luft nach oben.
Sowohl Rostock als auch Mannheim taten sich schwer, zielstrebigen Fußball zu spielen. Stattdessen kam kaum Spielfluss zustande, da beide Mannschaften immer wieder kleinere Fouls zogen, die eine Vielzahl der Offensivbemühungen im Keim erstickten - die Möglichkeiten, die doch entstanden, blieben ungenutzt. Das erkannte auch Brinkmann und wechselte in der Halbzeit gleich dreimal. Wie der Coach im Nachhinein offenbarte, jedoch nicht nur, um den Spielfluss zu beleben: "Ich wollte auf keinen Fall, dass es uns passiert, dass wir in Unterzahl spielen. Deshalb haben wir auch die vorbelasteten Spieler heruntergenommen."
So verließen neben dem glücklosen Paul Stock auch Maximilian Krauß und Lukas Wallner das Spielfeld, die beide bereits verwarnt worden waren. Auf der anderen Seite habe man einen Platzverweis provozieren wollen, so Brinkmann weiter.
Ampelkarte bringt die Wende
Ein Plan, der perfekt aufgehen sollte. Ausgerechnet der in der Pause eingewechselte Benno Dietze verlieh dem Spiel der Kogge zusätzliche Tiefe und stellte durch seine unzähligen Läufe vor allem einen Gegenspieler vor große Probleme. Tim Sechelmann bekam den 23-Jährigen nicht in den Griff, foulte ihn zweimal gelbwürdig und flog folgerichtig vom Platz. Für Brinkmann "kein Zufall, dass es dazu kam", durch die enorme Breite im Kader habe es trotz Wechsel keinen "Abbruch" im eigenen Spiel gegeben.
Ganz im Gegenteil: Infolge der Überzahl kippte das Spiel endgültig in Richtung von Hansa, das in der 75. Minute durch Marco Schuster noch zum 1:0-Treffer kam, der den Hausherren später den Sieg bescherte. Dennoch sah der FCH-Trainer noch ordentlich Verbesserungspotenzial: "Man sieht noch ganz, ganz viele Probleme, wo wir noch daran arbeiten müssen. Wir müssen mehr Chancen kreieren, wir brauchen da mehr tiefe Laufwege, um mehr Platz zu schaffen und dann trotzdem in die Räume vor der Kette zu spielen." Das sei alles noch nicht so, wie er sich das vorstelle.