Viel wurde gesprochen vor der Partie. Kritik an der Mannschaft, Kritik am Trainer, Kritik von den Fans. Doch an diesem Donnerstag erinnerte Red Bull Salzburg an frühere Glanzzeiten. Gegen den FC Porto, der furios mit sechs Siegen in die Saison gestartet war, hielt die Elf von Trainer Thomas Letsch gut dagegen. Mehr noch: Salzburg verlangte dem portugiesischen Rekordmeister alles ab. Das bestätigte auch Gäste-Trainer Francesco Farioli bei Canal+: "Salzburg hat es uns richtig schwierig gemacht. Es waren alle drei Ausgänge möglich. Sieg, Unentschieden, Niederlage. Der Gegner hatte viele Chancen. Mehr, als ein Gegner normalerweise gegen uns hat."
Doch am Ende blieb der leidenschaftliche Auftritt der Bullen unbelohnt. Vor allem deshalb, weil William Gomes im wahrlich letzten Augenblick den Ball in den Salzburg Kasten schlenzte. "Wir waren einmal nicht aufmerksam genug und schon scheppert’s. Da fragt man sich schon, was man verbrochen hat", so Tormann Alexander Schlager, der von einer "sehr schmerzhaften Niederlage", die man "über 90 Minuten nicht verdient" hatte, sprach.
Trainer Thomas Letsch führte die Niederlage auf "Kleinigkeiten" zurück. Klar hätte Aleksa Terzic beim Gegentreffer näher bei Gomes sein müssen und ihn nicht frei zur Mitte ziehen lassen dürfen. Aber: "Terzic hat 93 Minuten attackiert. Wenn ich wegen der Situation irgendeinem Spieler einen Vorwurf machen würde, wäre es völlig falsch", nimmt Letsch seinen Linksverteidiger in Schutz.
„Natürlich wollen wir mit den Fans zusammenkommen.“ (Salzburg-Trainer Thomas Letsch über das Verhältnis zu den eigenen Anhängern)
So wenige Fans wie seit 2017 nicht mehr
Den Weg in die Salzburger Red Bull Arena fanden am Donnerstag nur 9993 Zuschauer. Im Europacup hatte Salzburg seit 2017, als man vor 6474 Zuschauern 3:0 gegen Vitoria Guimaraes gewann, nicht mehr so wenige Fans im eigenen Stadion. Letsch dazu: "Wir hatten auch in der CL-Quali gegen Brügge, als wir noch einen Lauf hatten, nicht sehr viele Zuschauer. Ich glaube, die, die da waren, hatten Spaß bis kurz vor Schluss. Ich freue mich über alle die hier waren und mache mir keine Gedanken über die, die nicht hier waren."
Der Konflikt mit der eigenen Anhängerschaft wird die Bullen also noch weiter begleiten. "Natürlich wollen wir mit den Fans zusammenkommen. Aber wir können nicht mehr machen, als zu versuchen, unsere beste Leistung zu bringen", zeigt sich der Salzburger-Trainer ratlos. "Wenn es mal nicht so läuft, würden wir uns natürlich wünschen, dass wir trotzdem die Unterstützung bekommen."
Letsch: "Mannschaft ist intakt"
Ob der Deutsche durch den starken Auftritt seiner Elf nun fester im Sattel sitzt, bleibt abzuwarten. "Uns interessiert es relativ wenig, was um uns herum passiert. Die Mannschaft ist intakt, die Mannschaft will unbedingt." Fakt ist, dass Salzburg auch in der heimischen Bundesliga ähnliche Auftritte braucht, um dort für den Turnaround zu sorgen. Das weiß auch Schlager: "Wir haben uns heute einen Maßstab gesetzt, was die Zukunft betrifft. Jeder Einzelne hat das Herz am Platz gelassen."
Für Österreichs Vizemeister geht es am Sonntag (14.30 Uhr, LIVE! bei kicker) zur WSG Tirol. Am kommenden Donnerstag sind die Bullen dann am zweiten Spieltag der Europa League bei Olympique Lyon zu Gast.