Eine halbe Stunde nach dem Abpfiff stand die Matchwinnerin in der riesigen Mixed Zone der Arena, die der einzige Ort war, der an diesem Abend nicht prächtig gefüllt war. Wo sie sonst in Zweier- und Dreierreihen ihre Mikros den Bayern-Stars entgegenhalten, standen diesmal gerade mal zehn Reporterinnen und Reporter vor den Spielerinnen. Egal, Fragen an Klara Bühl gab es trotzdem genug.
Zuschauer-Rekord: 57.762 sahen den Auftakt in der Allianz-Arena
Die 24-jährige Ausnahmekönnerin hatte dieses Bundesliga-Auftaktspiel ihres Teams gegen Bayer 04 Leverkusen verändert und entschieden. Das erste Tor bereitete sie in Minute 76 mit einer präzisen Ecke vor, das zweite machte sie in Minute 77 selbst. Am Jubel war zu sehen, wie viel ihr das bedeutete. Dieser Abend war nicht nur wegen der Rekord-Kulisse (57.762 Zuschauer) ein ungewöhnlicher, sondern auch, weil Bühl eine Halbzeit lang nur auf der Ersatzbank gesessen hatte - sie wurde erst zur zweiten Halbzeit für Lea Schüller eingewechselt.
Wie das denn sein kann, dass eine wie sie von draußen kommen muss, das war eine der zentralen Fragen der Reporter. Sie kam sogar so oft, dass die Medienabteilung des FCB im Hintergrund schon murrte. Bühl tat das nicht, sie ist von Haus aus ein sehr freundlicher und positiver und, so scheint es, glücklicher Mensch. Wenn sie mit dir spricht, schaut sie dir tief in die Augen, was für ihr Selbstvertrauen spricht, aber auch dafür, dass sie das, was sie sagt, genau so meint. Deshalb war es ihr abzunehmen, dass sie es "akzeptiert hat", nicht anzufangen. "Ich hab mich schnell damit abgefunden, auch wenn ich immer von Anfang an spielen möchte. Aber die Qualität im Kader ist so hoch, wir haben Weltklasse-Spielerinnen, die einfach spielen wollen, da muss man sich auch mal hinten anstellen."
Bühl bleibt bescheiden: "Es ist ein Privileg, hier zu spielen"
Als der kicker nachbohrte, ob sie nicht doch ein bisschen wütend gewesen sei, lachte sie herzlich und erklärte: "Natürlich ist man enttäuscht. Wenn ich aber auf den Platz schaue und auch neben mich auf der Bank, dann ist es einfach ein Privileg, hier zu spielen, auf dem Platz zu stehen, Siege zu feiern. Genau diese Einstellung brauchen wir, um die Ziele zu erreichen."
Gut wie nie sei dieser Kader, fügte Bianca Rech hinzu, die Direktorin der Frauenfußball-Abteilung. Die Ziele werden deshalb maximal sein - Wiederholung des Doubles und vielleicht ja auch mal ein Champions-League-Finale. Die Bayern fühlen sich bereit dafür.
„Wir hätten uns als Kinder gewünscht, dass so viele auf unseren Sport schauen. Die Atmosphäre war unglaublich.“ (Klara Bühl)
Bühl sollte klargestellt haben, dass mit ihr ab dem nächsten Spieltag wieder in der Startelf zu rechnen sein wird. Das war auch wichtig für sie nach einer EM, die für sie persönlich nicht ganz ideal lief. Nach diesem Abend in der Arena aber kann sie, falls es sie insgeheim noch beschäftigt hat, auch damit abschließen. Da kamen die Fragen nach der Stimmung im Stadion und ihrer Rolle bei den Fans genau richtig. "Wir wollen Vorbilder sein, eine Inspiration", sagte sie mit Blick auf die vielen Mädchen im Stadion, "wir hätten uns als Kinder gewünscht, dass so viele auf unseren Sport schauen. Die Atmosphäre war unglaublich. Wir wollten es genießen und haben es mit vollen Zügen gemacht."
Ein Nachspiel droht Bühl allerdings auch, es kommt aus Leverkusen. Carlotta Wamser, ihrer Kollegin aus der Nationalelf, machte sie das Leben auf deren rechter Abwehrseite 45 Minuten lang extrem schwer. "Es war kein Spaß gegen sie heute", gab die auf dem Platz ebenfalls sehr engagierte Verteidigerin zu und fügte schmunzelnd hinzu: "Da kann es noch Ärger geben …" Auch den wird Bühl aushalten. Sie hat am Samstag nicht weniger gezeigt als die Reaktion einer Weltklasse-Spielerin.