Der FC Carl Zeiss Jena liegt sportlich voll im Soll. Die Thüringer gewannen am Freitagabend das Duell gegen Aufsteiger BFC Preussen mit 3:1. Das allerdings weniger souverän, als es das Ergebnis aussagt. "Wir haben nach der Pause ganz schön gewackelt", gibt Jenas Trainer Volkan Uluc zu.
Das hat vor allen Dingen mit der Personalsituation des FCC zu tun. Gegen die Berliner fehlten mit Patrick Weihrauch, Justin Schau und Manassé Eshele gleich drei Stammspieler. Alle drei saßen eine Sperre ab. Umso wichtiger war, dass Maxim Hessel auf dem Platz stand. "Er hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt", sagt Uluc. Das Eigengewächs hatte sich beim 3:1-Pokalerfolg bei Oberligist Heiligenstadt in der Vorwoche am Knöchel verletzt. Unter normalen Bedingungen, das gibt Uluc zu, hätte man ihn noch eine Woche schonen müssen. "Dass er gespielt hat, war wichtig", bemerkt der Trainer und schaut sicherlich dabei auf zwei Situationen gegen die Preussen, in denen Hessel auf der Linie klärte. Nach dem Spiel humpelte der torgefährliche Verteidiger - er traf bereits viermal - wieder vom Feld. "Den Knöchel will ich gar nicht sehen", sagt Uluc.
Jovic' Handschrift
So steht der junge Hessel sinnbildlich für den sportlichen Aufschwung an den Kernbergen. In dieser Saison steht endlich einmal wieder ein eingeschworenes Team auf dem Rasen, das sehr an die erfolgreiche Aufstiegself von 2004 erinnert. Damals gelang der Sprung aus der Viertklassigkeit mit einer Mischung aus eigenen Talenten und erfahrenen alten Hasen.
Sicher kein Zufall. Denn: Einer, der damals voranging, zu den Routiniers gehörte, ist jetzt als Sportdirektor für die Zusammensetzung der Mannschaft verantwortlich: Miroslav Jovic. Der Serbe hatte schon immer ein gutes Näschen bei neuen Spielern, als Scout leistete er jahrelang wichtige Zuarbeiten bei Carl Zeiss. Jetzt bekam er die Chance, selbst Verantwortung zu übernehmen. Im Duett mit Uluc krempelte er das Profiteam komplett um. Man trennte sich von ambitionslosen Spielern, holte dafür echte Führungskräfte wie den drittligaerfahrenen Moritz Fritz oder Patrick Weihrauch, der mit Bayern München einst sogar Triple-Sieger wurde. Die wollen es in Jena noch einmal beweisen - ob es am Ende für den großen Wurf reicht, wird sich zeigen.
"Jetzt geht es um das Momentum"
Aktuell ist der FC Carl Zeiss mit in der Verlosung um den Titel. "Jetzt geht es um das Momentum, das in die nächsten Aufgaben mitzunehmen", sagt Uluc. In Greifswald geht es jetzt weiter. "Die werden immer stärker, sind nicht zu unterschätzen. In dieser Liga müssen die Punkte jede Woche hart erarbeitet werden. Wir müssen immer ans Limit gehen", erklärt der Zeiss-Coach.
Ende November wird sich dann zeigen, wie gefestigt die neue Zeiss-Elf schon ist. Dann stehen die Topspiele gegen den Halleschen FC und den Erzrivalen FC Rot-Weiß Erfurt an. So weit, fügt Uluc an, schaue man aber nicht. Sein Credo ist klar: immer von Woche zu Woche, von Gegner zu Gegner schauen.