Enge Bindung zu Kniat
Die Saison fühlte sich an wie ein Dauer-Sprint im Gegenwind: englische Wochen, hitzige Pokalfights, ein zäher Aufstiegskampf. Für Arminia Bielefeld und sein Trainerteam war es ein Stresstest auf allen Ebenen - körperlich, taktisch, mental. Und mittendrin: Janik Steringer. Während der 27-Jährige bei Arminia als Co-Trainer an Matchplänen feilte, führte er gleichzeitig beim SV Lippstadt 08 eine junge Mannschaft in der Oberliga Westfalen als Kapitän aufs Feld.
Zwei Rollen, ein hoher Anspruch - doch irgendwann wurde die Mehrfachbelastung zu viel. Ab der kommenden Saison will sich Steringer voll auf die Arbeit beim Zweitliga-Aufsteiger und DFB-Pokal-Finalisten konzentrieren. "Dass ich in Lippstadt aufhöre, lag an der Belastung - und daran, dass mein Fokus klar auf meinem Traineramt liegen. Das war immer so abgesprochen und ist zeitlich nicht mehr anders machbar", sagt der 27-Jährige. Eigentlich sollte am Wochenende der finale Auftritt folgen - ein Abschiedsspiel bei Eintracht Rheine. Doch eine Verletzung durchkreuzte die Pläne. Steringer wird trotzdem vor Ort - nicht im Trikot, sondern an der Seitenlinie.
Ein stiller Abgang, aber ein selbst gewählter. Steringers Arbeit spielt sich meist abseits der Kameras ab - dort, wo Wirkung entsteht. Beim DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart saß er nicht auf der Bank, sondern hoch oben im Berliner Olympiastadion. Die frühen Gegentore? Schmerzhaft, sicher. Doch der Blick blieb klar. Steringer analysierte live, leitete Daten weiter und schnitt in der Halbzeit Videos für taktische Korrekturen, die mit zur Besserung in der zweiten Halbzeit beitrugen - auch wenn am Ende ein 2:4 stand. "Meine Aufgabe ist klar: Co-Trainer", sagt er. "Aber wir alle sind auch Analysten. Jeder im Team kann zum Beispiel Sequenzen schneiden oder auch coachen."
Moderne Arbeitsteilung
Im Bielefelder Trainerstab herrscht eine moderne Arbeitsteilung - flexibel, digital, durchlässig. Den Ton gibt Mitch Kniat an - und genau das schätzt Steringer besonders: "Er hat in schwierigen Phasen Verantwortung übernommen, das Team zusammengehalten, auch wenn der Gegenwind stärker wurde." Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, der Cheftrainer führt - aber im Dialog. Das schafft Vertrauen.
Gleichzeitig war die Doppelrolle aufreibend: Lippstadt, Arminia, Analyse, Spielvorbereitung - ein Alltag im Tunnel. "Mein Hauptfokus war immer Arminia. Das war klar kommuniziert, sonst funktioniert das nicht."
Dass es trotzdem lange funktionierte, lag an Struktur, Klarheit - und Disziplin. Steringers Fußballreise beginnt im Sauerland - beim FC Gleidorf/Holthausen. Von dort führt sie über Schalke 04 - zwei Jahre Knappenschmiede, Eliteschule Berger Feld - zu Stationen in Wattenscheid und Paderborn. In der U 19 und bei Paderborn II wird er Führungsspieler und trifft auf den damaligen Chefcoach Mitch Kniat. Es ist der Beginn einer Partnerschaft, die bis heute trägt. Parallel startet er ein Sportwissenschaftsstudium mit Schwerpunkt Spielanalyse. Früh zeigt sich: Hier wächst kein reiner Spieler heran, sondern ein Denker, Taktgeber, Entwickler.
Ein Praktikum bei Daniel Jara - Kniats langjährigem Vertrauten und damaligem Co-Trainer beim SC Paderborn II - wird zum Wendepunkt. Steringer überzeugt sofort. "Dann haben Mitch und Dani gesagt: 'Wir packen ihn einfach mal bei uns rein'", erinnert er sich. Er wird Videoanalyst bei Paderborns U 23 - unter Kniat. Gleichzeitig bleibt er Spieler: beim SC Verl, später Lippstadt, solide auf Regionalliga-Niveau. Die Doppelbelastung wächst - doch er hält Kurs.
Schritt zum SC Verl
2022 übernimmt Kniat in Verl das Kommando und holt sein bewährtes Team mit dorthin. Steringer steigt zum Co-Trainer auf und übernimmt mehr Verantwortung. Doch mit der Taktung wächst auch der Druck. Die Lösung: Ein Wechsel zum FC Gütersloh. Dort gelingt ihm der Doppelschlag - Meisterschaft und Landespokal-Sieg.
2023 folgt er Kniat zu Arminia Bielefeld - der nächste Schritt. "Diese Chance wollten wir nutzen", sagt Steringer. Von Anfang an ist er in alle Planungen eingebunden. "Mitch kommuniziert immer offen und direkt. Das zeichnet unsere Zusammenarbeit aus - und gibt Sicherheit.“" Nach dem Aufstieg mit Gütersloh tritt Steringer kürzer. Regionalliga ist nicht mehr drin, Oberliga in Lippstadt noch machbar - mit klarer Priorität auf Arminia.
„Wir haben unsere Spielweise anfangs etwas angepasst, um Sicherheit zu bekommen.“ (Janik Steringer zu den Anfängen bei Arminia Bielefeld)
Auch sportlich zeigte sich schnell: Das erfolgreiche System aus Verl ließ sich nicht eins zu eins auf Bielefeld übertragen. "Wir haben unsere Spielweise anfangs etwas angepasst, um Sicherheit zu bekommen." Lernen, anpassen, weiterdenken - ein roter Faden in Steringers Laufbahn.
Sein nächstes Ziel: die A-Lizenz. Cheftrainer? Noch nicht. "Ich bin ein absoluter Teamplayer. Mitch ist der klassische Typ Anführer und fügt alles zusammen." Kein Lautsprecher, sondern einer, der Strukturen baut. Einer, der plant - auch wenn Planbarkeit im Fußball selten mehr als ein Wunsch bleibt. "Nach zwei Minuten kann eine Rote Karte alles verändern. Deshalb zählt die Vorbereitung - bis ins kleinste Detail."
Die Fußballschuhe stehen jetzt im Regal. Die Seitenlinie ist sein neues Spielfeld. Das Spiel geht weiter - nur der Blickwinkel hat sich geändert.