Sollte es Fans von Crystal Palace geben, die sich ausschließlich auf den offiziellen Vereinskanälen über das Geschehen ihres Klubs informieren, war der Montag für sie ein fröhlicher Tag: Die Eagles feierten ausgiebig ihren Triumph im Community Shield. Dass der Internationale Sportgerichtshof (CAS) währenddessen ihren Ausschluss aus der Europa League bestätigte, ignorierten sie in der Öffentlichkeit erst mal - bis jetzt.
Am Dienstagmittag, rund 24 Stunden später also, veröffentlichte der Klub um Trainer Oliver Glasner dann die erwartete Stellungnahme, die in jeder Zeile deutlich macht, dass der Ärger noch lange nicht verraucht ist. "In einer Zeit, in der wir unseren Sieg im Community Shield in Wembley feiern sollten, zeigt die Entscheidung der UEFA und anschließend des Sportschiedsgerichts, dass sportliche Leistungen bedeutungslos geworden sind", heißt es darin.
Palace hatte sich durch den erstmaligen FA-Cup-Triumph sportlich für die Europa League qualifiziert, war von der UEFA aber wegen eines Verstoßes gegen die "Multi-Club Ownership"-Regeln in die Conference League zurückgestuft worden, weil Co-Eigner John Textor auch bei Europa-League-Starter Olympique Lyon involviert ist.
"Regeln und Sanktionen werden auf eklatante Weise ungleich angewendet"
Palace erhebt in seinem Statement schwere Vorwürfe, belässt es aber bei Andeutungen. "Es scheint, dass bestimmte Vereine, Organisationen und Einzelpersonen über einzigartige Privilegien und Macht verfügen", raunen die Londoner. "Dieser wachsende und ungesunde Einfluss hat die Hoffnungen und Träume der Fans von Crystal Palace zunichte gemacht und ist kein gutes Zeichen für ambitionierte Teams in ganz Europa, die darum kämpfen, nach oben zu kommen, wenn Regeln und Sanktionen auf eklatante Weise ungleich angewendet werden."
Palace behauptet, "keinerlei Verbindung zu anderen Vereinen" zu haben, was inzwischen stimmen mag, weil Textor seine Anteile verkauft hat, allerdings noch nicht zum Stichtag 1. März der Fall gewesen war, bis zu dem betroffene Klubs ihre Mehrheitsverhältnisse geklärt haben mussten. Eine Möglichkeit, die etwa Manchester City und der FC Girona in der Vorsaison erfolgreich nutzten, sind sogenannte "Blind Trusts", durch die Investoren ihre Anteile an einem Klub auf unabhängige Treuhänder übertragen.
Inwieweit es sich dabei um ein sinnvolles Mittel der vorübergehenden Entflechtung handelt, ist umstritten. Auch Palace kritisiert, dass sich "Multi-Club-Strukturen hinter der Farce eines 'Blind Trust' verstecken", während wiederum andere - abermals nicht namentlich genannte - Klubs, "die offenbar große informelle Vereinbarungen miteinander getroffen haben, ebenfalls teilnehmen und sogar gegeneinander spielen" dürften.
Dem CAS wirft Palace ein "vorab festgelegtes" Urteil vor
Der UEFA werfen die Eagles "eine Kombination aus schlecht durchdachten Vorschriften und ihrer ungleichen Anwendung" vor, dem CAS ein "vorab festgelegtes" Urteil und einen "allgemeinen Mangel an Formalität und Respekt vor dem Gesetz", weil es bei der Anhörung "alle Anträge auf Offenlegung der Korrespondenz zwischen den beteiligten Parteien" sowie Zeugenaussagen verweigert habe. Der CAS-Protest der Eagles hatte sich auch gegen Nottingham Forest gerichtet, das sie womöglich bei der UEFA angeschwärzt hatte und nun deren Europa-League-Startplatz erhält.
Die UEFA müsse "ihrem Auftrag nachkommen, kohärente Regeln zu verabschieden, die ordnungsgemäß kommuniziert und angewendet werden, mit angemessenen Fristen zur Beseitigung von Unsicherheiten und einheitlichen Sanktionen, wobei alle Vereine gleich behandelt werden und ein ordnungsgemäßes Berufungsverfahren zur Verfügung steht", fordert Palace.
Konkrete weitere rechtliche Schritte, wie im Vorfeld erwogen, kündigt der Europapokal-Neuling nicht an. Die Stellungnahme schließt mit den Worten: "Obwohl wir weiterhin rechtlichen Rat zu den nächsten Schritten einholen, werden wir in der Conference League mit derselben Entschlossenheit und demselben Siegeswillen antreten, die diesen unglaublichen Verein auszeichnen."