Die Qualitäten von Edeltechniker Berkan Taz sollten seinem Coach Tobias Strobl bestens bekannt sein. Auch im Verfolgerduell bei Viktoria Köln glänzte die Nummer 10 erneut mit Spielwitz und zwei direkten Torbeteiligungen. Als Kopfballungeheuer war der 1,75 Meter große Mittelfeldmann bislang jedoch nicht bekannt. "Wenn Beko ein Kopfballtor macht, bekommt ihr alle fünf Tage frei", habe Strobl vor einigen Wochen in einer Mannschaftsbesprechung angekündigt. "Weil ich sicher war: So viele Kopfballtore macht er nicht."
Taz belehrte ihn unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff im Sportpark Höhenberg eines Besseren: Nach einem Ballgewinn kam Alessio Besio auf der linken Seite an den Ball und flankte in Richtung langer Pfosten. Dort fand er den Kopf von Taz, der lehrbuchmäßig zum 2:0 einnickte. Von diesem Nackenschlag sollte sich die Viktoria im zweiten Durchgang nicht mehr erholen: Mit Toren von Geyret, Kijewski und Stark spielten sich die Gäste in einen Rausch und schraubten das Ergebnis bis zur 64. Minute auf 5:0. Ronstadts Treffer in der 90. Minute zum 1:5 hatte dann nur noch kosmetischen Wert. Die versprochenen fünf freien Tage korrigierte der Coach im Mannschaftskreis anschließend wohl auf drei.
Wilhelm: "Eine wahnsinnig gute Mannschaft"
In Köln bestach der Sportclub insbesondere durch Effektivität, die in den Spielen zuvor teilweise vermisst wurde - etwa beim unglücklichen 1:1 gegen Erzgebirge Aue am vergangenen Wochenende. Strobls Verdienst? "Auf gar keinen Fall, da nimmt sich ein Trainer vielleicht manchmal zu wichtig, da kann er nichts machen", sagte er. Stattdessen lege der Coach Wert darauf, seiner Mannschaft "Lockerheit mitzugeben und ihr zu sagen, wie gut sie ist."
Dem pflichtete auch sein Pendant Marian Wilhelm bei. Der Kölner Trainer führte die Niederlage darauf zurück, dass sein Team heute auf eine "wahnsinnig gute Mannschaft" getroffen sei.
"Einstudierte" Eckballvariante
Nicht nur das 2:0 sorgte für Aufsehen, sondern auch die "einstudierte" Eckballvariante zum 3:0 in der 49. Minute: Am Ende der Kombination schloss Timur Geyret mit Hilfe von Dudus Rücken zu seinem vierten Saisontor ab. "Ich weiß auch nicht, warum die Variante immer wieder klappt", sagte der glückliche Torschütze im Nachgang. "Wir spielen sie eigentlich ziemlich oft." Und er kündigte an: "Wir werden sie weiterspielen - und wenn sie irgendwann nicht mehr klappt, hören wir auf."
Also aufgepasst, Osnabrück: Die Lila-Weißen sind am kommenden Spieltag zum Topspiel in der Sportclub-Arena zu Gast. "Ausverkauftes Stadion, Halb-Flutlicht-Spiel um 16.30 Uhr": Für Verl-Coach Strobl gibt es nur "komplette Vorfreude" auf die Partie.