Starke Zahlen des Keepers unter Kovac
Zugegeben, ohne den richtigen Kontext klangen die Worte nach Resümee, nach Abschied. Von "vier Wahnsinns-Jahren", sprach Gregor Kobel nach dem Saisonfinale und der in letzter Sekunde erreichten Qualifikation für die Königsklasse am vergangenen Samstag, vom "Champions-League-Endspiel", der "Beinahe-Meisterschaft" und zuletzt "ganz einer anderen Saison dieses Jahr", um dann zu schließen: "Es war auf jeden Fall spannend, langweilig wurde es einem nicht."
Doch dieser Rückblick sollte nicht einleiten, dass der Schweizer Keeper für sich schon beschlossen hat, Borussia Dortmund im Sommer zu verlassen. Vielmehr ging es in der Frage um Kobels Einschätzung, ob die Siegesserie der vergangenen Wochen nun wirklich der Schritt hin zur Konstanz einer Spitzenmannschaft sein könnte.
Und Kobels Blick voraus nach dem dafür nötigen Blick zurück klang dann auch wieder ganz anders: "Ich hoffe einfach, dass wir diese Energie und diese Gemeinschaft in der neuen Saison weiterleben können. Bis dahin gilt es einfach, dass wir uns gut vorbereiten, um dann hoffentlich da weitermachen zu können, wo wir aufgehört haben."
Gerüchte kommentiert Kobel nicht - Verbleib in Dortmund wahrscheinlich
Erste Person Plural also, "wir", er als Teil des Teams und nicht die in Dortmund zurückgelassenen Mitspieler. Die kurzzeitigen Diskussionen Anfang der Woche über einen möglichen Abgang haben Kobel irritiert, der auf die direkte Frage nach einem Verbleib nur geantwortet hatte, dass er Gerüchte "überhaupt nicht kommentiere".
Der 27-Jährige fühlt sich in Dortmund wohl und plant keinen Wechsel. Und auch wenn eine Transferperiode immer Angebote bringen kann, bei denen Verein und Spieler doch ins Nachdenken kommen, ist die Anzahl der möglichen Klubs begrenzt, die dem Schlussmann deutliche Verbesserungen bei sportlichen Aussichten und Vertragskonditionen bieten können. Derzeit also spricht alles für mindestens ein weiteres Jahr beim BVB.
Das abgelaufene, Kobels viertes in Dortmund, dürfte sich dagegen angefühlt haben wie gleich zwei Saisons. Die Zeit unter Ex-Trainer Nuri Sahin war schwierig, die Anforderungen im Spielaufbau neu und nicht immer ganz klar kommuniziert. Die Folge: Im Laufe der Hinrunde wirkte der Schlussmann immer mehr verunsichert, er verursachte Gegentreffer wie im Heimspiel gegen den VfL Bochum und auch die Leistungen im Kerngeschäft Tore-Verhindern litten darunter.
Der Trainerwechsel hatte auch bei Kobel einen Effekt
Das hat sich inzwischen geändert, auch weil Kobel unter Niko Kovac mehr Freiheiten mit dem Ball am Fuß hat und selbst entscheiden soll, wann der Pass kurz kommt und wann lang. Der Spielaufbau läuft mit einer Dreierkette und weniger über die Sechs ohnehin anders als unter Sahin, die Zahl von Kobels Pässen pro Spiel sank von 38,28 im Schnitt auf 30,07. Und der Schlussmann gewann dem BVB wieder wichtige Punkte, so beim 2:2 in München, beim 4:2 in Leverkusen und auch am letzten Spieltag gegen Kiel, als er mitten in einer kurzen Phase des Nervenflatterns vor der Pause gegen Shuto Machino den Ausgleich verhinderte.
Klares Indiz: Seit Kovacs Dienstantritt ist Kobels Durchschnitts-Note 2,68, ein deutlicher Aufschwung zur Zeit zuvor mit 3,19. Auch die für Keeper so wichtige Paradenquote stieg im selben Zeitraum deutlich an, von 60,5 Prozent auf 69,1. Es sind Werte, die er kommende Saison genauso bestätigen will wie das ganze Dortmunder Team seinen Aufschwung - und das aller Voraussicht nach gemeinsam.