Von einem "Nackenschlag" sprach Wolfsburgs Trainer Stephan Lerch nach Abpfiff im Hamburger Volksparkstadion. Mit 3:1 hatte seine Mannschaft zur 80. Minute geführt und dominiert, ehe das Spiel noch zugunsten des Bundesliga-Rückkehrers kippte. Ein Sonntagsschuss von HSV-Stürmerin Melanie Brunnthaler sowie ein kurioser Freistoß von Svea Stoldt in letzter Sekunde brachten dem Aufsteiger einen Punkt - der sich für die Gegenseite "wie eine Niederlage" anfühlt, wie Wolfsburgs Janina Minge anmerkte.
Johannes unbeholfen und "schockiert"
Für Unmut bei den Wölfinnen sorgte nicht nur der eigene Auftritt, sondern vor allem der Treffer zum 3:3 - ein "zweifelhaftes Tor", fand Lerch. Die neue Nummer 1 beim VfL, Stina Johannes, schilderte die Szene: "Ich sehe, dass der Ball relativ flach reinkommt. Am Ende rutscht er irgendwie durch alle durch, damit kannst du nicht rechnen. Da waren wir alle ein bisschen überrascht." Stoldts Freistoß hoppelte also an den rechten Innenpfosten und von dort ins Wolfsburger Tor, wo die überraschte Johannes den Ball etwas unbeholfen von der Linie patschte. Zu spät, wie die Schiedsrichterin befand, der Treffer zählte.
„Ich habe den Ball unmittelbar vor mir. Meiner Meinung nach war er noch auf der Linie.“ (Stina Johannes)
"Ich bin schockiert über den Ausgang", erklärte die Torhüterin nach Abpfiff, ihrer Meinung nach sei der Ball "noch locker fünf Zentimeter auf der Linie" gewesen. "Ich glaube nicht, dass die Schiedsrichterin oder die Linienrichterin mit Sicherheit aus diesem Winkel behaupten können oder dürfen, dass der Ball im Tor war." Wütend legte die deutsche Nummer 2 nach: "Ich habe den Ball unmittelbar vor mir. Meiner Meinung nach war er noch auf der Linie. Punkt!"
"Horrende Kosten" sprechen gegen VAR
Alles Lamentieren der Wolfsburger brachte jedoch nichts: Da es in der Frauen-Bundesliga weder den VAR noch die Torlinientechnologie gibt, gab es auf dem Feld keine Möglichkeit, die strittige Szene zweifelsfrei aufzulösen. "Ich persönlich halte sehr viel davon", meinte Johannes angesprochen auf den VAR. "Er macht das Spiel fair. Und er schützt vielleicht auch die Schiedsrichterin, weil jetzt natürlich auch wieder viel diskutiert wird."
Ihr sei bewusst, dass die Einführung des VAR in der Bundesliga derzeit an den "horrenden Kosten" scheitere, so die 25-Jährige weiter. "Aber natürlich gerade jetzt, wenn wir so Punkte liegen lassen, würde ich mir den VAR wünschen."
Zum privaten Videobeweis will Johannes am Montag greifen, wenn sie mit ihrem Torwarttrainer wie üblich das Spiel analysieren wird. "Wir werden uns die Hintertorkamera angucken, aber da gehe ich davon aus, dass es nur das bestätigt, was ich gerade gesagt habe", so die Wolfsburger Nummer 1. Um bissig nachzuschieben: "Ich habe es selber gerade live gesehen, das reicht mir als Bestätigung."