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"Definitiv denkbar": Zeigt RTL künftig punktuell Bundesliga-Spiele im Free-TV?

kicker

Herr Schmitter, die wichtigste Frage direkt zum Start: Was bedeutet der Zusammenschluss von RTL und Sky Deutschland mit seinem Streamingdienst WOW für die künftige Abo-Struktur deutscher Sportfans?

Für die Fans wird sich erstmal in dem Sinne nichts ändern, als dass wir an den großen Marken RTL+, Sky und Wow sowie RTL im Free-TV festhalten werden. Da werden wir weiterhin das Sportangebot liefern, wie wir es bisher getan haben. Der Reiz liegt darin, dass wir künftig ein sehr breites und umfassendes Content-Angebot von Free bis Premium und von linear bis Streaming haben werden.

Ein Reizthema sind für viele Fans mögliche Preisanstiege bei den Abos. Können Sie hier schon etwas Beschwichtigendes sagen?

Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass Sportinhalte für alle bezahlbar bleiben müssen. Für uns stehen in dieser Frage sehr viele Gespräche mit den verschiedenen Lizenzgebern an - von der Formel 1 über die Bundesliga bis zur Premier League und vielen weiteren mehr. Wir werden ausloten, welche Möglichkeiten wir haben, um allen unseren künftigen Kanälen möglichst große Highlights anzubieten. Nun haben wir aber zunächst noch eine ganze Strecke zu gehen, bis das Kartellamt der Transaktion hoffentlich zustimmt. In der Zwischenzeit sind RTL und Sky de facto ja noch Wettbewerber. Das heißt auch: Jeder fokussiert sich auf sein eigenes Angebot und macht auch seine Preise selbstständig und unabhängig voneinander.

Dürfen und werden Sie sich künftig bestehende Live-Rechte zwischen RTL und Sky - salopp formuliert - hin und her schieben und zum Beispiel punktuell Bundesliga-Spiele ins Free-TV-Schaufenster von RTL stellen?

Das ist aus unserer Sicht definitiv denkbar. Wir haben ab der Saison 2025/26 ja bekanntlich die Free-TV-Rechte für das Live-Spiel der 2. Bundesliga am Samstagabend um 20.30 Uhr. Das bietet eine gute Basis, um für die Anstoßzeit um 18.30 Uhr auch noch über andere Dinge nachzudenken… Sehr naheliegend ist auch das Beispiel Formel 1, wo wir durch unsere aktuelle Kooperation mit Sky bereits sieben Rennen ins Free-TV zurückgebracht haben. Da kennen wir die Rechtesituation sehr genau und wir machen uns als Team hier schon große Gedanken, ob und wie wir künftig mehr Live-Rennen im Free-TV anbieten können. Kurzum: Sportfans dürfen sich ganz klar auch wieder auf das eine oder andere Live-Sport-Highlight im Free-TV freuen.

Von der NFL über die UEFA EURO 2024 bis zum jüngsten Kauf des Topspiels der 2. Bundesliga konnte man zuletzt deutlich spüren, dass Live-Sport zu einem immer wichtigeren Teil des RTL-Portfolios geworden ist. War Live-Sport auch der wichtigste Treiber für den Kauf von Sky Deutschland?

Sky ist natürlich berühmt für den Sport-Content. Das Topspiel der Bundesliga am Samstagabend setzt europaweit absolute Maßstäbe in der Sportübertragung in Sachen Qualität der Produktion. Der Wettbewerber mit den amerikanischen Streamingplattformen wird jedoch immer härter. DAZN kauft sich die Klub-WM-Rechte für eine Milliarde Dollar, Netflix investiert mittlerweile ebenfalls in Live-Rechte. Zusammen sehen wir uns nun stark genug, um künftig die beste Anlaufstelle für den Sportfan in Deutschland zu sein.

Gemeinsam investieren RTL und Sky in Deutschland aktuell jährlich rund 2,5 Milliarden Euro in Inhalte. Wieviel davon fließt in Sportrechte?

Das ist im Detail schwierig zu sagen, da wir das als aktuelle Wettbewerber im Detail auch nicht exakt voneinander wissen. Aber klar, rechnet man die Anzahl der hochwertigen Rechte im Portfolio beider Häuser zusammen, lässt sich schon sagen, dass ein Löwenanteil des Budgets auf Sportrechte entfällt. Aber trotzdem bleibt natürlich auch noch genügend Geld für andere Bereiche wie Fiction oder Information übrig.

Das ist viel Geld, obwohl es in Deutschland selbst mit attraktiven Sportrechten bekanntlich sehr herausfordernd ist, im Pay-TV Geld zu verdienen. Warum glauben Sie trotzdem daran?

Weil wir an die Kraft des Sports glauben. Auch Sky Deutschland hat in diesem Jahr zum ersten Mal prognostiziert, im Jahr 2025 den EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, Anm. d. Red.) Break-even zu erreichen. Die Kollegen scheinen es also ganz offensichtlich zu schaffen, trotz der steigenden Lizenzkosten das Ergebnis zu verbessern. Das zeigt klar, dass die Menschen weiterhin bereit sind, Geld für Sportinhalte auszugeben. Wir stellen bei RTL gleichzeitig fest, dass es ein äußerst hohes Interesse von Werbekunden im Umfeld von Länderspielen und der Europa League im Free-TV gibt. Wann erreicht man sonst noch über zehn Millionen Zuschauer, wenn nicht bei Spielen der Fußballnationalmannschaft?

Wir müssen über den Kaufpreis von 150 Millionen Euro sprechen, der je nach Aktienentwicklung auf zusätzlich maximal 377 Millionen Euro steigen kann. Der aktuelle Eigentümer Comcast hatte - wohlgemerkt für die gesamte Sky Group - 2018 rund 39 Milliarden Dollar bezahlt. Neben Sky UK und Sky Italia war Sky Deutschland dabei ein wesentlicher Treiber des damaligen Kaufpreises. Haben Sie nun ein sensationelles Schnäppchen erzielt oder sollte Comcast froh sein, ein seit jeher defizitäres und zuletzt länger erfolglos im Markt angebotenes Tochterunternehmen endlich aus der Bilanz streichen zu können?

Aus unserer Sicht ist Sky Deutschland eine sehr erfolgreiche Marke, sonst hätten wir uns gar nicht damit beschäftigt. Dieses Jahr die Chance zu haben, profitabel zu sein, ist wie gesagt eine große Leistung. Wie jetzt der Kaufpreis einzuordnen ist, würde ich aber tatsächlich Ihnen überlassen. Wir sind froh, dass wir es für dieses Geld möglich machen konnten. Im Team war uns in den vergangenen Monaten deutlich wichtiger festzustellen, dass wir auch als Medienmarken und Menschen mit einem gemeinsamen kulturellen Verständnis zusammenpassen.

„Wir sind froh, dass wir es für dieses Geld möglich machen konnten.“ (Stephan Schmitter, CEO, RTL Deutschland)

In der offiziellen Pressemitteilung zur Übernahme ist die Rede von jährlichen Synergien aus der Transaktion in Höhe von 250 Millionen Euro binnen drei Jahren. Verstecken sich darin auch mögliche Zusammenlegungen der Sportredaktionen und damit womöglich personelle Einsparmaßnahmen?

Wir stehen noch ganz am Anfang eines langen Prozesses und werden uns alles sehr genau ansehen. Viele Sportrechte laufen ja auch parallel und bedürfen entsprechend einer redaktionellen Begleitung. Klar ist: Sowohl Sky als auch RTL verfügen im personellen Bereich über hervorragende Sportkompetenzen, und diese wollen wir am Ende so effizient wie möglich einsetzen.

Nach der Ausschreibung ist vor der Ausschreibung: Wird das neue Bündnis nun zum Hauptanwärter auf nationale Bundesliga-Live-Rechte ab der Saison 2029/30?

Wenn ich das heute schon wüsste. Für eine Aussage ist es tatsächlich etwas zu früh. Wir wollen und müssen nun erstmal intern viele offene Fragen beantworten und allen voran die Entscheidung der Kartellbehörden abwarten.