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Der "ablösefreie" Tah: Kein Platz für Sentimentalitäten

kicker

Kommentar zum Wechsel

Es geht um nur 15 Tage. Bis zum 30. Juni steht Jonathan Tah noch bei Bayer 04 unter Vertrag, bevor er ablösefrei zum FC Bayern München wechseln kann. Der Haken: Die Münchner möchten den Abwehrchef der deutschen Nationalmannschaft schon bei der am 15. Juni beginnenden Klub-WM einsetzen. Doch da der 29-Jährige bei dieser noch für die drei Gruppenspiele sowie das Achtelfinale, Stand jetzt, als Spieler von Leverkusen gilt, werden die Bayer-Verantwortlichen den Rekordmeister zur Kasse bitten.

Leverkusen dreht den Spieß um

Das ist konsequent - und zwar nicht nur, weil die Münchner vor Jahresfrist, wenn auch erfolglos, versuchten, den Preis für Tah zu drücken. Ein zuvor mündlich in Aussicht gestelltes Angebot wurde nicht aufrechterhalten, Tah sollte nun mindestens fünf Millionen Euro weniger kosten. Damals spielte der FC Bayern mit dem Druckmittel des drohenden ablösefreien Wechsels im Jahr 2025. Jetzt drehen die Leverkusener, die damals in Person von CEO Fernando Carro, der den Bayern-Sportvorstand ("Ich halte nichts von Max Eberl") hart attackierte und in Rage waren, den Spieß um.

So wird der Werksklub nun die Münchner, die eine Verteidiger-Notlage plagt, die Bayern bluten lassen. Mit einer Summe, die - Ironie des Schicksals - im Bereich der vor Jahresfrist angesagten Differenz zum ursprünglichen Angebot liegen könnte.

Keine Revanchegelüste

Aber es sind nicht Revanchegelüste, die den Vizemeister treiben. Vielmehr wäre es geschäftsschädigend, wenn Bayer mit einer kostenfreien Freigabe für Tah den Bayern helfen würde, ihren wirtschaftlichen Vorsprung bei der Klub-WM weiter auszubauen, bei der sie mehr als 100 Millionen Euro an Erfolgsprämien kassieren können. Da bleibt bei allen Verdiensten Tahs nach zehn Jahren unter dem Bayer-Kreuz kein Platz für Sentimentalitäten.

Zumal die Klub-WM kein absolutes Highlight darstellt, das man Tah bei einer ausbleibenden Einigung verwehren würde. Schließlich geht es nicht um ein WM-Endspiel oder ein Finale der Champions League.

Auch wenn die Premiere dieses neuen Formats einen gewissen Reiz ausüben mag, diese Trophäe als Erster zu gewinnen, und die Klub-WM über die Jahre als mehr angesehen werden dürfte denn als reine Geldvermehrungsmaschine, so stellt sie heute nur den wirtschaftlich, aber nicht den sportlich bedeutendsten Wettbewerb im Profi(t)-Fußball dar. Womit Bayers Forderungen für Tah quasi durch den Charakter des Turniers selbst zwingend erscheinen.