Der Jubel kannte keine Grenzen und die knapp 12.000 HSV-Fans feierten den Überraschungspunkt wie eine Meisterschaft. "Richtig krass", fand das Svea Stoldt. Die 19-Jährige, die schon seit fünf Jahren beim HSV spielt, hatte mit ihrem Freistoß in der 8. Minute der Nachspielzeit für die Euphorie im Volkspark gesorgt. Der Ball segelte in Richtung Wolfsburger Tor, flog an den Pfosten und dann überquerte er die Linie. Die Frage ist nur, ob in vollem Durchmesser.
"Ich habe allen Mut zusammengenommen, bringe den Freistoß gut rein und habe alles rausgehauen, was ich konnte. Dann ist der Ball perfekt in den Strafraum geflogen und ist ins Tor gegangen. Ich habe es nicht gesehen, ob er wirklich drin war", gab Stoldt zu. Für Wolfsburgs Torhüterin war der Fall indes völlig klar: "Ich habe den Ball unmittelbar vor mir. Meiner Meinung nach war er noch auf der Linie. Punkt!, erklärte Stina Johannes die Szene aus ihrer Sicht.
Am Ende des Sonntagnachmittags im Volkspark war es nicht endgültig zu klären, ob die Kugel nun die Linie überschritten hatte oder nicht. Für den Aufsteiger aus der Hansestadt blieb das Glücksgefühl über den sicher nicht eingeplanten Punkt gegen den Vizemeister, der sich in den ersten zwanzig Minuten schwer tat gegen den Aufsteiger.
Nach den beiden Treffern von Lineth Beerensteyn (26.) und Janina Minge (29.) schien die Partie aber den erwarteten Verlauf zu nehmen. Sophie Hillebrand konnte zwar zeitnah verkürzen, aber mit dem 1:3 durch Alexandra Popp (52.) und der zunehmenden Spielkontrolle der Gäste war eigentlich klar, dass der VfL drei Punkte mitnehmen würde. "Wir wussten, dass wir nicht viel Ballbesitz haben werden und auf unsere Momente warten müssen", sagte HSV-Trainerin Liese Brancao. "In der 2. Halbzeit haben wir den Zugriff verloren. Die 3:1-Führung für Wolfsburg war verdient. Aber das 3:3 nehmen wir natürlich gerne mit" Der Sonntagsschuss von Melanie Brunnthaler in der 81. Minute und der Freistoß von Stoldt sorgten noch für die unerwartete und späte Wende. "Alle haben geschrien und gejubelt. Es war toll!", freute sich Stoldt.
"Die Zuschauer haben uns noch einmal gepusht"
Brancao schrieb den Fans im Volkspark eine besondere Rolle am Punktgewinn zu: "Ich bin mir nicht sicher, ob wir diesen Schwung noch einmal geschafft hätten, wenn wir auswärts gespielt hätten. Die Zuschauer haben uns noch einmal gepusht. Das ist ein großer Vorteil, wenn wir hier spielen."
Am kommenden Samstag werden die Hamburgerinnen auf den heimischen Support verzichten müssen: Um 14 Uhr spielt der Aufsteiger bei der SGS Essen.