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Der Zündstoff rund um Kramaric

kicker

Differenzen mit TSG-Coach Ilzer

Gerade hatte Andrej Kramaric der TSG 1899 Hoffenheim mit seinem Doppelpack gegen Mainz (2:0) einen erheblichen Schritt in Richtung Klassenverbleib ermöglicht. Und trotzdem trieften seine Sätze nur so vor Frust, als der Kroate endlich mal wieder vor die Medien trat.

"Es ist kein Zufall, dass ich so selten rede. Ich rede immer ehrlich. Und die Wahrheit ist, dass viel mehr drinsteckt. Deswegen bin ich sauer, was hier los und was in dieser Saison passiert ist", versicherte Kramaric. Denn schließlich hatte der 33-Jährige schon nach dem 0:5 in München medienwirksam gewettert: "Wenn ich die Wahrheit sagen würde, würde ich wahrscheinlich die größte Strafe in der Geschichte der Bundesliga bekommen." Statt einer Strafe folgten dann allerdings etwas Verständnis und ein paar mahnende Worte aus der Chefetage.

Der eine liebt Rhythmus, der andere Chaos

Für jeden aufmerksamen Beobachter war klar, dass der Top-Star nicht nur die Verwerfungen und Turbulenzen in der Führungsebene und auf dem Transfermarkt meinte, sondern auch das Binnenverhältnis zu Trainer Christian Ilzer. Dessen Spielidee ist im Grunde wenig kompatibel mit Kramarics Fußball-Ideal und dessen Stärken.

Der Techniker liebt es, den Rhythmus zu bestimmen und sich den Gegner in Ballbesitzphasen zurechtzulegen. Ilzer, erst Mitte November als Nachfolger von Pellegrino Matarazzo von Sturm Graz geholt, strebt dagegen einen bewusst Chaos inszenierenden Umschalt- und Gegenpressing-Fußball an, der viel Tempo und viele Sprints erfordert. Nicht eben Kramarics Trümpfe.

Also setzte Kramaric in jener Zeit, da sich ein erneuter Trainerwechsel nach der Saison anzubahnen schien, auf Durchhalteparolen: "Wir müssen einfach dieses Jahr überleben und dann gucken wir nächstes Jahr." Nur fünf Siege, acht Remis und elf Niederlagen in der Liga hatten Hoffenheim unter Ilzer schließlich bis zuletzt um den Klassenerhalt kämpfen lassen. Mittlerweile aber haben sich die Bosse eindeutig zum Österreicher bekannt. Der soll mit mehr Trainingszeit und überarbeitetem Kader in der Vorbereitung seine Spielphilosophie fest implementieren.

Verlängert der Kroate doch noch mal?

In dieser Situation und Konstellation liegt viel Zündstoff. Zumal Kramaric, der in dieser Saison mit 20 Scorerpunkten (elf Tore, neun Vorlagen) bester Offensivspieler war, auch Wortführer in der TSG-Kabine ist und nicht nur den Spielrhythmus bestimmt. Es stellt sich die Frage: Kommen Trainer Ilzer und Urgestein Kramaric auf einen Nenner? Zumal auch eine weitere Vertragsverlängerung mit dem Routinier im Raum steht, der im Juni 34 Jahre alt wird und dessen Kontrakt sich im Laufe der Saison nach 20 Pflichtspielen automatisch bis zum Sommer 2026 verlängert hatte.

Im Frühjahr hatte die TSG dazu durchaus Bereitschaft signalisiert, doch nach kicker-Informationen liegen die Vorstellungen beider Seiten mindestens ebenso weit auseinander wie die Fußballphilosophien des Trainers und seines Stars. Der spielt mittlerweile seit neuneinhalb Jahren für die Kraichgauer, ist mit 325 Einsätzen auf Platz 3 der Rekordspieler und mit 126 Treffern Rekordtorschütze der Hoffenheimer. Er betrachtet die TSG als zweite Heimat und drückt dies in pathetischer Form aus: "Ich würde sterben für diesen Verein." Dem Vernehmen nach sind für Anfang Juni weitere Gespräche anberaumt. Das könnte ebenso spannend werden wie der Abstiegskampf.