Die 18 Klubs der 2. Liga hatten sich am vergangenen Donnerstag in Frankfurt/Main zu ihrer Teilversammlung getroffen. Vieles deutete darauf hin, dass man sich im Vorfeld auf die Kandidaten für die fünf Sitze in den Gremien der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einigen könnte, die am 3. September in Berlin gewählt werden. Diese Annahme jedoch erwies sich als falsch.
Drei Personen entsendet das Unterhaus ins Präsidium. Aktuell sind das Oke Göttlich (FC St. Pauli), Holger Schwiewagner (SpVgg Greuther Fürth) und Steffen Schneekloth (Holstein Kiel). Die beiden Erstgenannten sind alleine von den Zweitligisten gewählt, Letztgenannter fungiert als Sprecher auf einem 36er-Ticket. Heißt: Er ist damals auch von den Bundesligisten gewählt werden. Für diesen 36er-Kandidaten hat die 2. Liga aber das Erstvorschlagsrecht. Auch Göttlich liebäugelt mit dieser Rolle, da sein Klub ja anders als die Kieler in der Bundesliga verblieben ist, man St. Pauli aber wirtschaftlich betrachtet getrost als Zweitligisten bezeichnen darf.
Größere Zweifel an dem Trio scheint es nicht zu geben
Größere Zweifel an dem Trio aus der 2. Liga gibt es dem Vernehmen nach nicht. Die gängige Meinung am vergangenen Donnerstag lautete nach Berichten mehrerer Sitzungsteilnehmer: Das Unterhaus fühlte sich zuletzt gut vertreten, auch in heiklen Fragen wie der Mediengeldverteilung. Entsprechend hatte auch Michael Becker (Karlsruher SC) erklärt, dass er nur für das Präsidium kandidiere, wenn einer aus dem aktuellen Trio ausscheide.
Ansonsten würde sich Becker genau wie die Darmstädterin Anne Baumann um den zweiten Platz im Aufsichtsrat neben Ralf Huschen (Hertha BSC), der gerne wiedergewählt werden möchte, bewerben. Vieles deutet darauf hin, dass Baumann und Becker in ein offenes Rennen gehen.
Eine Retourkutsche für einen Vorgang aus dem März 2023?
Ergo: Eigentlich könnte alles ganz einfach sein, doch Sportpolitik ist eben manchmal kompliziert. Nach wie vor kokettiert Alexander Jobst mit einer Präsidiumskandidatur. Allerdings hat sich der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf noch nicht entschieden - stellt sich die Frage nach dem Warum.
Manche sehen darin eine Art Retourkutsche für die Wahl des aus der 2. Liga unterstützten Dr. Christian Keller, damals Geschäftsführer beim 1. FC Köln, im März 2023 in den DFL-Aufsichtsrat gegen den vom Gros der Bundesligisten bevorzugten Klaus Filbry (Werder Bremen). Jenes Votum galt damals als Säbelrasseln im Vorfeld der Abstimmung über einen Liga-Investor im ersten DFL-Partnerprozess im Frühsommer 2023, bei der sich die "Kleinen" durchgesetzt hatten.
Göttlich war erklärter Gegner der damaligen Gedankenspiele über einen bis zu zwei Milliarden Euro schweren Einstieg eines Private-Equity-Investors in eine Bundesliga-Tochter, Schneekloth galt zumindest als kritisch. Nun gibt es zwischen den beiden Hanseaten zumindest Diskussionen darüber, wer auf dem 36er- und wer auf dem 18er-Ticket für das Präsidium kandidieren soll.
Dass Jobst nach wie vor eine Kandidatur zumindest im Raum stehen lässt, vereinfacht die Planungen der Wortführer im Unterhaus zumindest nicht. Sie stellt Göttlich und Schneekloth diplomatisch betrachtet auf die Probe. Aktuell ist nicht offen ersichtlich, wessen Rückhalt konkret Jobst hätte. Der Zuspruch aus der 2. Liga jedenfalls soll sich in Grenzen halten. In jedem Fall bleibt die Spannung vor dem Ende der Nominierungsfrist am 5. August hoch.