Der 1. FC Phönix Lübeck hat das 149. Stadtderby gegen den VfB Lübeck für sich entschieden. Auch wenn das Lokalduell vor der erwarteten Minuskulisse von 1.418 Zuschauern stattfand: Der 2:0-Erfolg war auch definitiv verdient, bestimmten die Adler doch weitestgehend das Geschehen auf dem Buniamshof.
Es war zugleich ein historischer Sieg: Der letzte Derbyerfolg der Adlerträger in einem Punktspiel gegen den Stadtnachbarn datierte vom 27. August 1986. Dort lautete es in der viertklassigen Verbandsliga Schleswig-Holstein 3:2 auf der Lohmühle für den 1. FC.
Gefeiert vom eigenen Anhang nach Spielschluss mit "Derbysieger, Derbysieger", gelang nun endlich der erhoffte Triumph. Den ordnete Dinalo Christiano Adigo nach Spielschluss so ein: "Wir haben uns viel vorgenommen. Ich denke, dass die Adler von Anfang an zum Flug angesetzt und verdient gewonnen haben."
Entwicklung auf dem richtigen Weg
Der Cheftrainer des 1. FC ging sogar noch weiter ins Detail: "Es steht mir nicht zu, den Gegner zu beurteilen. Ich weiß nur, dass meine Mannschaft körperlich sehr präsent war und auch spielerisch sehr aggressiv nach vorne gespielt hat. Die Dinge, die wir unter der Woche geübt haben, haben wir auch abgerufen. Das möchte ich aber nicht überbewerten. Für mich war es ein ganz normales Regionalligaspiel, das wir für uns entschieden, wo wir gezeigt haben, dass wir in unserer Entwicklung auf dem richtigen Weg sind."
Mit Blick auf die überschaubare Kulisse sagt der 53-jährige, ehemalige Nationalspieler des Benin: "Ich bedanke mich bei den Zuschauern, die den Weg zum Buniamshof gefunden haben. Die haben eine schöne, faire Partie, ein gutes Spiel gesehen. Klar, in der Sportstadt Lübeck wünscht man sich, dass in einem Spiel Phönix gegen VfB mehr Zuschauer kommen. Das kann ich aber nicht beeinflussen, das überlasse ich den Zuschauern. Es war nur wichtig, dass wir bei uns bleiben, unsere Leitung bringen. Das haben wir getan."
„Wir haben von der ersten Minute bis zur letzten dominiert.“ (Tim Kips)
Gut gelaunt war auch Tim Kips. Der Torwart des Gastgebers hatte nicht nur seinen Kasten sauber gehalten, sondern war auch insgesamt angetan vom Auftritt seiner Mannschaft. "Der Sieg fühlt sich richtig gut an, war auch ein verdienter im Derby. Wir haben von der ersten Minute bis zur letzten dominiert, haben nicht viel zugelassen. Wenn man überhaupt irgendwas bemängeln kann, dann ist das die Chancenverwertung. Das Spiel hätte auch höher ausgehen können, aber natürlich sind wir zufrieden. Uns hat natürlich auch die frühe Führung gutgetan."
Auch der Phönix-Keeper, der schon in der 3. Liga bei Erzgebirge Aue tätig war, äußerte sich auf Nachfrage zur Stimmung auf der Sportanlage, die nicht so prall gefüllt war. "Es ist immer schön vor Zuschauern zu spielen. Ich glaube, wenn es über 1.400 waren, dann ist das okay. Ich hatte da aber tatsächlich mehr erwartet. Am Ende sind für uns aber die drei Punkte wichtiger. Wir können als Mannschaft nur mit Ergebnissen glänzen. Wenn die passen, werden auch bei uns mehr Leute in der Liga ins Stadion kommen."
VfB hat "die Anfangsphase völlig verschlafen"
Enttäuschung: Die herrschte natürlich im Lager des VfB Lübeck, allen voran bei Guerino Capretti (43). "Wir haben die Anfangsphase völlig verschlafen. Ich habe eine Derbyatmosphäre bei uns gefordert, dass du gute und harte Zweikämpfe führen musst und da bist. Das waren wir nicht. Wir haben uns hinten verzettelt, den Gegner viel zu häufig eingeladen, kassieren so auch die Gegentore. In der zweiten Halbzeit war es definitiv besser, wir waren griffiger. Wir hatten dort eine Phase, in der wir vor dem gegnerischen Tor waren, wo wir das eine oder andere Tor hätten machen können. Das haben wir aber wieder nicht getan. Dann kannst du auch keine Spiele gewinnen", weiß der Cheftrainer von der Lohmühle, der sich ebenfalls einen etwas anderen Rahmen gewünscht hatte.
„Am Ende muss man sagen, wir waren einfach nicht gut genug.“ (Finn Andreas Böhmker)
"Es ist schade. Solche Spiele gegen Phönix, das ist ein Lübecker Derby, das kann ein Fußballfest werden. Aber wenn einige Leute das nicht wollen, dann ist das eben so." Auch VfB-Schlussmann Finn Böhmker war angefressen. Das nicht nur aufgrund der beiden gefangenen Gegentore. "Mir fehlen ein bisschen die Worte. So eine Niederlage ist echt bitter, zumal wir uns was anderes vorgenommen hatten. Am Ende muss man sagen, wir waren einfach nicht gut genug, es hat einfach nicht gereicht. Wir wussten auch, dass unsere Fans nicht da sind. Die haben ihre Gründe dafür, deswegen kann ich das verstehen. Trotzdem müssen wir uns als Mannschaft insgesamt anders präsentieren", so die Nummer 1 des VfB.
Auch Sebastian Harms fand deutliche Worte zur Niederlage: "Wir waren die ersten zwanzig Minuten überhaupt nicht da. Weder von der Zweikampfführung noch in der Klarheit mit Ball. Wir haben da viele einfache Fehler produziert, haben den Gegner dadurch aufgebaut, sind auch verdient in Rückstand geraten. Wir lassen die Chance zum 1:1 danach liegen, sind aber besser im Spiel, kriegen mit dem Halbzeitpfiff, mit dem Standard das 2:0. In der zweiten Halbzeit waren wir bemüht, hatten aber auch keine Lösungen. Sicherlich war das Spielniveau sowieso insgesamt überschaubar. Über neunzig Minuten, aufgrund der verschlafenen Anfangsphase, war das eine verdiente Niederlage und in vielen Bereich zu wenig, haben wir auch nicht mehr verdient", fasst der VfB-Sportvorstand zusammen.
Polizei unterbindet VfB-Support vor dem Stadion
Trotz besonderer Vorkehrungen der Polizei vor dem Duell, im Vorverkauf wurden nur personalisierte Sitzplatztickets ausgegeben, damit waren vor allem die Gäste-Anhänger nicht einverstanden und boykottierten die Partie, machten sich dennoch rund 300 bis 400 Fans des VfB auf den Weg, wollten ihre Mannschaft außerhalb des Buniamshof anfeuern.
Doch daraus wurde nichts. Die Polizei riegelte das Gebiet in der Nähe des Domviertels weitläufig ab, sperrte ganze Straßenzüge, auch teilweise den Verkehr. Ein Durchkommen war so nur möglich, wenn man eine Eintrittskarte vorweisen konnte. So konnte nicht einmal die angekündigte Tageskasse (Stehplatzbereich) richtig genutzt werden, wurden selbst "neutrale Besucher" teilweise noch an einem Stadionbesuch gehindert.
Friedliches Derby im Stadion - Einzelne Vorkommnisse außerhalb
Die Polizei, die mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei Eutin und der Diensthundestaffel der PD Ratzeburg Lübeck vor Ort aktiv war, benannte im Nachgang einiges zu den "Vorkommnissen" und angewandten Maßnahmen. So hätten während des Spiels "einzelne zum Teil vermummte Kleingruppen zum Eingangsbereich des Buniamshof versucht vorzudringen."
Die Polizei sprach daraufhin "mehrere Platzverweise aus." Es kam auch im Verlauf des Tages "vereinzelt zur Zündung von Pyrotechnik." Auch wurde beobachtet, dass sich "Personen vermummten und Schutzausrüstung, unter anderem Zahnschutz und Handschuhe" angelegt haben. Im Stadion und auf den Zuschauerrängen selbst registrierte die Polizei "einen friedlichen Verlauf und keine besonderen Vorkommnisse." Stephan Russau