La Undécima? St. Pöltens Rudel beinahe aufgelöst
Nicht weniger als 16 Abgänge mussten die Titelabonnentinnen aus St. Pölten bislang hinnehmen. Vor allem die deutsche Bundesliga lockte: Ex-SKN-Trainerin Liése Brancão holte mit Melanie Brunnthaler, Sophie Hillebrand, Maria Mikolajova und Laura Sieger gleich vier Wölfinnen in den Norden zum Aufsteiger HSV. Auch die Toptalente Valentina Mädl und Chiara D'Angelo verließen den Verein Richtung Nachbar.
Legende Mateja "Macho" Zver ging nach zehn Jahren und 19 Titeln im SKN-Dress, Isabell Meyer beendete ihre Karriere. Die Erfahrung ist dem Team von Lisa Alzner also etwas abhanden gekommen. Kapitänin Jennifer Klein, Torhüterin Carina Schlüter und Abwehr-Routinierin Leonarda Balog verbleiben als routinierte Stützen. Auf den Aderlass wurde reagiert und kräftig verpflichtet. Dabei setzten die Niederösterreicherinnen auf internationales Know-how: Spielerinnen aus zehn Nationen wurden an die Traisen geholt.
Auch das Logo hat sich verändert: Der Wolf ist zurück, und seit La Décima, dem zehnten Meistertitel (in Folge!), ziert zusätzlich ein Stern das Emblem der Niederösterreicherinnen. Wie viel Biss das neu formierte Team hat, muss sich aber erst zeigen. Die Doublesiegerinnen scheinen angreifbar wie lange nicht.
Verfolgende Veilchen
Die ärgsten Widersacherinnen von St. Pölten aus der vergangenen Saison machen den Eindruck, sich weiter annähern zu können. Das Cup-Finale gegen den SKN verlor die Austria knapp mit 1:2, in der Meistergruppe zogen die Niederösterreicherinnen am Ende jedoch recht deutlich davon.
Torhüterin Larissa Haidner wanderte zum HSV ab, mit Teamspielerin Jasmin Pal wurde definitiv ein adäquater Ersatz aus Köln geholt. Ob hingegen Verena Volkmer zu ersetzen ist, bleibt abzuwarten. Die beste Kanonierin der letzten beiden Saisonen beendete im Sommer ihre Karriere und kehrte in die deutsche Heimat zurück. Carina Wenninger übernahm ihr Amt der Kapitänin, für die Treffer sollen nun die von Sturm Graz gekommene Modesta Uka, Courtney Strode (Young Boys) und Julia Kappenberger (Vienna) sorgen. Auch Almedina Sisic zeigte sich in der Vorbereitung schon in Torlaune.
Dem Team von Stefan Kenesei und seinem routinierten Kern ist auch in dieser Saison zuzutrauen, St. Pölten unter Druck zu setzen.
Sturm Graz bleibt stabil
Die Blackies belohnten sich für ihre Arbeit im letzten Jahr mit dem dritten Platz und der damit verbundenen Teilnahme am neu geschaffenen Women's Europa Cup. Viele Leistungsträgerinnen konnten gehalten werden, der Abgang von Modesta Uka nach zehn Jahren in Graz schmerzt dennoch. Torfrau Lourdes Romero wechselte nach Nürnberg, als Ersatz wurde Melanie Pasar vom LASK verpflichtet.
Dem eingespielten Team von Tode Djakovic ist auch in dieser Saison für eine Topplatzierung gut, in der Vorbereitung haben sich die Steirerinnen schon ordentlich warmgeschossen. Im Cup-Derby wurde der GAK mit 5:0 abgefertigt, die Union LUV Graz erwischte es mit einem 0:10 noch schlimmer.
First Vienna als erster Gradmesser
2024/25 kämpfte die Vienna lange um einen internationalen Startplatz, letztlich reichte es nur für Rang vier. Linda Natter (TSG Hoffenheim) und Christina Schönwetter (VfL Wolfsburg) zog es in die deutsche Bundesliga, Lucie Schlimé ging einen Stock tiefer zum SC Sand. Magdalena Rukavina, Sarah Gutmann (beide St. Pölten) und Julia Kappenberger (Austria) schlossen sich der direkten Konkurrenz an.
Die großen Namen fehlen auf der Seite der Zugänge, aus Deutschland kamen Johanna Wende (Bremen II) für die Torhüterinnenposition und Lara Felix (Nürnberg) für das zentrale Mittelfeld.
Die Vienna bestreitet das Eröffnungsspiel gegen St. Pölten im Rahmen einer Doppelveranstaltung mit den Männerteams. In der vergangenen Spielzeit war die Vienna immerhin der einzige Klub, der St. Pölten besiegen konnte.
Landflucht im Ländle
Vergangene Saison verpasste Altach die Meistergruppe deutlich, zwei dritte Plätze aus den Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 scheinen der vorläufige Zenit gewesen zu sein. Die absoluten Stützen Francesca Horvath-Calò und Sabrina Horvath-Calò beendeten ihre Karrieren, auch Lisa Maria Metzler, Anna Bereuter, Selma Pajazetovic und Janine Koretic hängten ihre Stollenschuhe an den Nagel.
Mit 25 sind nun Brigitta Pulins und Sarah Schneider die Ältesten im Team von Markus Spiegel, das Durchschnittsalter der Neuzugänge beträgt 18 Jahre. Ob die Vorarlbergerinnen diese Saison überhaupt um das obere Play-off mitspielen können, kann aufgrund des großen Umbruchs zumindest angezweifelt werden. Nach der eingegangenen Kooperation mit dem 1. FC Nürnberg dürfte im Rheindorf aber ohnehin die Entwicklung junger Spielerinnen im Vordergrund stehen.
Stallerweiterung im Bullen-Imperium
Mit dem Startschuss in die neue Saison betritt auch ein neuer Klub die Bühne der Bundesliga. Aus dem FC Bergheim wurde Red Bull Salzburg. "Im Frauenfußball ist Bewegung drinnen, es passiert viel. Die Bewegung wollen wir mitnehmen und mittragen", begründete Bernd Winkler, Leiter RB Frauen- und Mädchenfußball, den Weg der Mozartstädter.
Die Spielerinnen von Bergheim wurden übernommen, dazu kommen Talente aus der Akademie. Nationalteam-Erfahrung bringt Katja Wienerroither mit, sie ist aus Leipzig in die Heimat zurückgekehrt. Matchfit ist die verletzungsgeplagte Angreiferin noch nicht, mit ihren 23 Jahren zählt sie allerdings bereits zu den ältesten im Team und. Sie soll eine Führungsrolle übernehmen.
"Man darf keine Wunderdinge erwarten, die Mädels sind teilweise 16, 17 Jahre alt. Die Topteams in die Schranken zu weisen, ist unrealistisch, aber die Zeit wird für uns arbeiten", meinte Winkler über die Premierensaison von Salzburg.
Alles neu in Neulengbach
Sie waren die Liga-Dominatorinnen, bevor St. Pölten diese Rolle vor zehn Jahren übernommen hat. Vergangene Saison reichte es für Neulengbach nur zum drittletzten Platz. Mit Andreas Ogris als Trainer und Cheyenne Ochsenknecht als Präsidentin hat sich der Klub aus Niederösterreich ordentlich Prominenz in die Chefinnen- und Chefetage geholt. Auch das Logo wurde verändert, ein grün-pinkes N mit Blitzen als Auf- und Abstriche soll die neue Energie in Neulengbach symbolisieren.
Auf dem Transfermarkt hielt man vor allem nach jungen Spielerinnen Ausschau, Katharina Moser und Florentina Satra kamen beispielsweise von der Austria. Tatjana Weiss ging dafür den entgegengesetzten Weg nach Wien-Favoriten, Torhüterin Larissa Rusek musste man nach Nürnberg ziehen lassen.
Die Erwartungen an und der Hype um Neulengbach sind groß, in der ersten Cup-Runde setzte man sich aber nur knapp mit 1:0 gegen den Wiener Sport-Club durch. Zum Saisonauftakt muss man sich gegen die Aufsteigerinnen beweisen.
Union Kleinmünchen/Blau-Weiß Linz will nicht mehr zittern
Lange kämpfte Union Kleinmünchen/Blau-Weiß Linz 2024/25 gegen den Abstieg, am Ende landete die Spielgemeinschaft sogar noch auf dem dritten Platz in der Qualifikationsgruppe. Stefan Unterberger und sein Team mussten das Karriereende von Katharina Meßthaler und Aurelia Zeilinger hinnehmen. Emily Schimm wechselte nach Salzburg, in der Auftaktrunde kommt es also direkt zu einem Wiedersehen.
Die Oberösterreicherinnen verstärkten sich vorrangig mit jungen Kickerinnen, Daniela Kittel (Neulengbach), Jana Kofler (LASK) und Jana Sachs (Absteiger Dornbirn) bringen allerdings schon Bundesligaerfahrung mit. Der Klassenerhalt ist auch in dieser Saison das erklärte Ziel der Linzerinnen - nur etwas früher soll er 2025/26 feststehen.
Schwarz-weißes Duell zum Start
Die letztjährigen Aufsteigerinnen des LASK galten in der Vorsaison als Abstiegskandidatinnen Nummer eins, ein starkes Saisonfinish ermöglichte jedoch den Klassenerhalt. Und dieser wurde furios erreicht: Mit einem 10:1 gegen die bereits implodierende SPG Lustenau/Dornbirn sicherte sich das Team von Markus Eitl den Verbleib im Oberhaus.
Die Athletikerinnen setzen auf ein junges Team, auf dem Transfermarkt agierte man eher zurückhaltend. Torfrau Melania Pasar wechselte zu Sturm, Jana Kofler zum Stadtrivalen Union Kleinmünchen/Blau-Weiß Linz. Katharina Mayr beendete ihre Karriere, Kristina Teern kehrte nach sechs Monaten im LASK-Dress nach Tallinn zurück. Der namhafteste Neuzugang kam aus Altach, Leonie Schmidle verletzte sich aber direkt schwer am Knie.
Im Osten geht wieder die Sonne auf
Nach drei Jahren Absenz kehrt Südburgenland ins Oberhaus zurück. Mittlerweile agiert man in einer Kooperation mit dem TSV Hartberg. Der Meistertitel in Liga zwei wurde ungeschlagen und mit sechs Punkten Vorsprung gesichert, 104 Treffer standen nach 22 Spielen zu Buche. "Ich bin Optimist, aber auch Realist", sagte Chefcoach Harald Bacher im Podcast Kick It Like Women über die neue Rolle seines Klubs. "Wir werden lernen müssen, zu verlieren."
Ob die ungeschlagene Serie von Südburgenland/TSV Hartberg gleich am ersten Spieltag zu Ende geht, liegt am USV Neulengbach. Am Samstag muss der Aufsteiger auswärts ran.