Wie Liverpool beeindruckte, was Bayern falsch machte
Die bayrischen Hoffnungen waren groß - und absolut berechtigt. Vor allem Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat - auch öffentlich - stark um Florian Wirtz geworben, hinter den Kulissen alles versucht, um den 22-Jährigen von einem Wechsel zum FC Bayern zu überzeugen. Mit dem Vater und Berater des Noch-Leverkuseners, Hans Wirtz, pflegt Hoeneß ein super Verhältnis, der Austausch war gut. Entsprechend zuversichtlich waren die Bayern-Bosse.
Auch bis vor wenigen Tagen überwog der Glaube an den Transfer. Finanziell hätte der FC Bayern für Wirtz den Rahmen gesprengt, eine neue wirtschaftliche Dimension in Kauf genommen.
Kompany wollte mit zwei Zehnern spielen
Doch jetzt kommt es aller Voraussicht nach anders: Wirtz bevorzugt den FC Liverpool, nicht den FC Bayern. Und das ist keine finanzielle Entscheidung, keine, die an der Ablösesumme oder am Gehalt scheitert, sondern eine der Überzeugung - eine inhaltliche.
Weil der Austausch mit den Reds, insbesondere mit Trainer Arne Slot, überzeugte. Wie der kicker bereits in der Vergangenheit berichtete, spielt die Ausrichtung und der Plan seines zukünftigen Coaches für Wirtz eine gewichtige Rolle. Und während die Engländer einen klaren Plan aufzeigten und dem deutschen Nationalspieler diesen mutigen Schritt ins Ausland schmackhaft machten, gab es bei Bayern widersprüchliche Vorstellungen.
So wollten Trainer Vincent Kompany und sein Staff kommende Saison, was in der Branche überrascht, das System auf ein 4-1-4-1 umstellen, mit den zwei Zehnern Wirtz und Jamal Musiala. In der Führungsetage hieß es hingegen: Wirtz sollte das zentrale Element der Bayern-Zukunft werden. Der Zehner. Garniert mit Dribbler Michael Olise rechts und Musiala links. Wirtz sollte das neue Herzstück werden. Der Lenker der bayerische Offensive, weil er die Spieler um sich herum besser mache, so lautete die Überzeugung in der Vereinsspitze.
Ein Ausflug, der begeisterte
Gab es eben bei den Bayern wie so häufig unterschiedliche Ansichten, hat Liverpool dem Spieler Wirtz hingegen einen Masterplan skizziert. Hoch professionell, sportlich reizvoll, über alle Maßen wertschätzend und vor allem absolut auf die Entwicklung von Wirtz ausgerichtet. Darum geht es für den Spieler, der in Liverpool - im Ensemble um den Ägypter Mo Salah - das neue Aushängeschild sowie die zentrale Figur im Mittelfeld werden soll. Ex-Bayer Ryan Gravenberch und Weltmeister Alexis Mac Allister sollen ihm dabei im Mittelfeld den Rücken freigehalten.
Die Macher des LFC, inklusive Erfolgscoach Slot, sind seit Monaten im Austausch mit der Spielerseite - das Interesse kam keineswegs kurzfristig auf. Womöglich schon nach dem Champions-League-Spiel in Liverpool?
Am 5. November gastierte Leverkusen an der Anfield Road, verlor 0:4. Wirtz soll, so erzählen dem kicker unmittelbare Wegbegleiter des Spielers, enorm beeindruckt gewesen sein von der Atmosphäre, dem Umfeld, dem Verein an sich. Weit mehr, als ihn ein Ausflug nach München begeisterte, wo immerhin im Vergleich zu Liverpool Bekannte aus der deutschen Nationalmannschaft spielen. Wenngleich sein Vater Hans zwischenzeitlich einen Wechsel zum FC Bayern favorisiert haben soll.
Eine Absage, die unangenehme Wahrheiten offenlegt
Letztlich aber hatte der diesjährige Premier-League-Meister Liverpool die besseren Argumente. Vor allem sportlich. Da ist der FC Bayern nicht mehr das, was er mal war. Galt einst eine Anfrage der Münchner als Auszeichnung, die man nicht ablehnen konnte oder durfte, hat der FC Bayern merkbar Attraktivität verloren. Vergangenes Jahr sagten eine Menge Trainer ab, nun der wahrscheinlich begnadetste deutsche Spieler. Diese Mitteilung ist ein schwerer Schlag, der erstmal verarbeitet und womöglich aufgearbeitet werden muss. Nicht nur mit Blick auf die sportliche Planung.
Es ist auch eine Prestige-Angelegenheit, die den Bayern mächtig zu denken geben wird und bei der Antwort-Findung auf die Frage "Warum?" unangenehme Wahrheiten offenlegen könnte.