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Die Hitze wirft einen Schatten auf die Klub-WM - FIFPro fordert Anpassungen

kicker

Beim 1:0 von Dortmund gegen Ulsan in Cincinnati lag der WBGT-Wert über 28 Grad. "Wet Bulb Globe Temperature" (WBGT) ist ein Klimamaß für den Außenbereich, in das die Lufttemperatur, die relative Luftfeuchte, die Strahlungstemperatur der Sonne und die Windgeschwindigkeit eingehen. 28 Grad ist nach Ansicht der Spielergewerkschaft FIFPro die Schwelle, ab der extreme Hitze herrscht und die Gefahr eines Hitzschlags deutlich erhöht wird. Die US-Liga MLS hat diese Schwelle auf 29 Grad festgelegt, die FIFA sogar auf 32 Grad, wie die FIFPro angibt.

Die 28-Grad-Marke wurden auch bei den Spielen Benfica Lissabon gegen Bayern München (1:0), Auckland City gegen Boca Juniors (1:1) und Wydad AC gegen Al-Ain (1:2) überschritten. "Ich glaube nicht, dass ich jemals in einer solchen Hitze gespielt habe. Ich glaube nicht, dass das gesund ist, um ehrlich zu sein, aber ich habe es geschafft und das Team auch", resümierte Benfica-Stürmer Andreas Schjelderup angesichts eines WBGT-Werts von 29,2 Grad.

„"Wir sehen noch viele Stadien, in denen es keine Bänke mit Schattenplätzen gibt.“ (Alexander Bielefeld)

Durch die globale Klimaerwärmung sind die Nachmittagsdurchschnittstemperaturen seit 2014 an allen elf Spielorten der Klub-WM angestiegen. Während vor elf Jahren nur in Orlando die 28-Grad-Marke überschritten wurde, ist das mittlerweile in sieben Städten der Fall.

Die FIFPro fordert, mit späteren Anstoßzeiten, mehr Trinkpausen und längeren Abkühlphasen darauf zu reagieren. "Das Hitzeproblem wird noch zu oft unterschätzt. Starkregen, Blitz und Donner stehen viel stärker im Fokus", kritisiert FIFPro-Direktor Alexander Bielefeld. Die beiden nächsten Weltmeisterschaften finden 2026 in Mexiko, den USA und Kanada sowie 2030 in Spanien, Portugal und Marokko beziehungsweise in Uruguay, Argentinien und Paraguay statt. Für die Teams, die bei den drei Spielen in Südamerika bei winterlichen Temperaturen in die WM starten, wird es eine sehr große Umstellung, wenn sie die folgenden Spiele im heißen Spanien, Portugal und Marokko bestreiten müssen.

"Möglicherweise reicht eine 15-minütige Halbzeitpause nicht aus, um die Kerntemperatur des Körpers zu senken. Eine Halbzeitpause von 20 Minuten könnte sinnvoll sein, das wurde im Labor nachgewiesen. Die FIFPro wird diese Strategie im August gemeinsam mit dem portugiesischen Verband testen", kündigt der ehemalige Fußballprofi und Sportmediziner Prof. Dr. Vincent Gouttebarge (49) an. Nachdem sich die FIFA vor der Klub-WM dem Thema Hitze allenfalls zögerlich annahm, "haben wir in den vergangenen Wochen positive Entwicklungen gesehen, die aber eher reaktiv als proaktiv waren", sagt der medizinische Direktor der FIFPro.

An 11 von 16 WM-Spielorten wird es sehr heiß

"Die Berücksichtigung der Klima- und Wetterbedingungen in den Planungen wird wichtiger werden", betont Bielefeld. Er gibt sich zuversichtlich, dass Lehren aus der Klub-WM gezogen werden. Bei der WM 2026 herrscht an elf von 16 Spielorten ein "sehr hohes" oder "extrem hohes Risiko", durch die Hitze gesundheitliche Schäden zu erleiden. Moderate Außentemperaturen wird es vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 vermutlich nur in Vancouver, Toronto, Seattle, San Francisco Bay und Mexiko-Stadt geben.

Die zeitliche Verschiebung einiger Spiele in die Abendstunden wird aufgrund der TV-Verträge nur schwer durchsetzbar sein. Teilweise sind aber auch recht einfache Maßnahmen hilfreich. "Wir sehen noch viele Stadien, in denen es keine Bänke mit Schattenplätzen gibt. Ersatzspieler, Trainer und Betreuer müssen lange Zeit in der prallen Sonne sitzen. Ab einer bestimmten Temperatur ist es logisch, sich in einen klimatisierten Bereich zu begeben, so wie es auch einige Dortmunder Profis in einem der Spiele in der ersten Halbzeit gemacht haben, als sie in die Umkleidekabine gegangen sind", erklärt Bielefeld.

Völlig undenkbar ist die Verschiebung der Anstoßzeiten allerdings nicht. So hat die rumänische Liga während einer Hitzewelle den Anstoß auf den späten Nachmittag oder Abend verlegt und in Australien ist sogar per Tarifvertrag geregelt, dass Veranstalter, Gewerkschaften, TV-Sender und andere Interessengruppen gemeinsam über eine Verschiebung der Anstoßzeit im Fall einer Hitzewelle entscheiden.