Es war die Überraschung der Vorbereitung in der Bayernliga Nord: Würzburgs Cheftrainer Philipp Eckart verabschiedete sich kurzfristig zum Bundesliganachwuchs des FC Augsburg. Der FV 04 Würzburg stand plötzlich ohne Trainer da - war auf einen möglichen Abgang des Übungsleiters jedoch vorbereitet und wurde entsprechend schnell fündig: Co-Trainer Andreas Eisenmann übernahm.
Ein durchaus nachvollziehbarer Schritt - schließlich blieb bis zum Saisonstart nur noch wenig Zeit. Ein kompletter Neustart mit einem externen Coach wäre zu riskant gewesen. Hauptgrund für die Beförderung war jedoch keineswegs der Zeitdruck - vielmehr galt Eisenmann schon länger als Wunschlösung für den Fall eines absehbaren Eckart-Abgangs.
Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Mannschaft ihre Spielidee nicht komplett umstellen musste. Oder wie es der neue Cheftrainer selbst formuliert: "Philipp und ich waren uns über die Inhalte und die Vorgehensweise in der Vorbereitung einig. Daher konnte ich relativ kurzfristig übernehmen und werde Dinge fortführen, die sich bewährt haben." Kopieren will der ehemalige Co-Trainer seinen Vorgänger natürlich nicht - auch wenn die Zusammenarbeit, wie er sagt, "inhaltlich sehr lehrreich" war.
Interne Ruhe trotz zu wenig Ertrag
Freischwimmen muss sich der 28-Jährige nun ohnehin selbst: Selbstredend gibt es bei einem Traditionsverein wie dem FV 04 Würzburg viele Stimmen von außerhalb. Kann es mit einer internen Lösung klappen? Ist der neue Coach vielleicht doch zu jung? Ein Vorteil für Eisenmann ist da, dass ihn das externe Stimmengewirr wenig kümmert. "Sonst würde ich verrückt werden", schmunzelt der Trainer, dem vor allem das interne Feedback über den Sportvorstand Marco Scheder wichtig ist. "Und da spüren mein Co und ich das Vertrauen und den Rückhalt. Da entspricht der WFV nicht dem Klischee des Traditionsvereins. Stattdessen ist es vereinsintern ruhig, ohne dass wir ambitionslos wären."
Jene Ambitionen sollen sich fraglos ebenso auf dem Platz widerspiegeln: Zwar blieben die Unterfranken zum Start viermal sieglos, inhaltlich überzeugte die Truppe aber fast durchweg und ergatterte immerhin drei Remis. "Punktemäßig war der Start natürlich nicht gelungen. Allerdings stimmt mich die Entwicklung grundsätzlich zufrieden - vor allem, weil wir nicht ganz wussten, wo wir stehen", sieht der 28-Jährige die ersten Wochen der Saison zwiegespalten.
„Es ist nicht die Schuld eines Einzelnen, viel eher wollen wir das Problem als Gruppe lösen.“ (Andreas Eisenmann über Offensivprobleme)
Negativ sei nur das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag - zu oft belohnte sich der FV 04 bisher nicht. Am Ende ist aber auch die Chancenverwertung eine wichtige Komponente des Fußballs - und somit eben gleichermaßen eine Frage von Qualität. Jenes Problem allein den Stürmern anzukreiden ist aus Sicht des Übungsleiters jedoch nicht zielführend: "Es ist nicht die Schuld eines Einzelnen, viel eher wollen wir das Problem als Gruppe lösen. Wir müssen daher einen ganzheitlichen Ansatz drauflegen."
Sinnvolle Verstärkungen des Kaders
Und klar ist natürlich ebenso: Bloß, weil die Kaltschnäuzigkeit vor dem gegnerischen Kasten derzeit noch nicht ausreichend vorhanden ist, muss dies kein Dauerzustand bleiben. Gerade die jungen Akteure müssen in ihren ersten Herrenjahren ganz einfach die notwendige Erfahrung sammeln, um im entscheidenden Moment cool zu bleiben.
Manchmal blitzen deren Qualitäten allerdings auch in der Gegenwart schon durch: Wie beispielsweise bei Heorhii Nachkebiia, dem als letztjährigen U-19-Spieler zuletzt gegen Cham der Last-Minute-Ausgleich gelang. "Das war zudem sein erstes Bayernligator", freut sich Eisenmann und sieht den Weg des Vereins bestätigt, "Heorhii ist einer der vier Jungs, die wir aus der Jugend hochgezogen haben. So eine Durchlässigkeit wollen wir uns als WFV schon auf die Fahne schreiben." Bestenfalls entwickeln sich die Youngster in Zukunft zu tragenden Säulen - hilfreich ist da ebenso ein qualitativ hochwertiges Training.
"In der Hinsicht hat sich unser Niveau massiv angehoben", lobt der Übungsleiter nicht nur die einsatzfreudigen internen Neuen, sondern gleichermaßen die externen Zugänge: "Wir sind durch die Bank mit jedem Neuzugang sehr zufrieden - sportlich wie charakterlich. Unser ohnehin guter Kader ist nun, vor allem auf den Außenverteidigerpositionen, noch dichter aufgestellt. Dennoch sind die Jungs eine Einheit - das gilt es aufrechtzuerhalten."
Jenes Gemeinschaftsdenken stimmt den Coach für die anstehenden Aufgaben optimistisch, ohne dass der maßgebliche Einfluss des sportlichen Erfolgs für eine gute Stimmung im Kader verkannt wird. Beides sei aneinander "gekoppelt" - folglich sind die nächsten Wochen umso wichtiger für die Truppe.
Knallharte Bayernligasaison wartet
Schließlich ist in der diesjährigen Bayernligazusammensetzung ein Hauen und Stechen um den Klassenverbleib angesagt: Drei starke Aufsteiger und mit Bamberg ein "brutal guter Absteiger" haben die Liga in der Breite deutlich enger zusammenrücken lassen. Weder vorne noch hinten erwartet Eisenmann Alleingänge oder ein abgeschlagenes Team.
Zusätzlich bringt ein zweiter direkter Abstiegsplatz, der dem schlechteren 16. der beiden Bayernligen zugesprochen wird, weitere Brisanz in den Kampf um den Klassenverbleib. "Die gesamte Konstellation ist daher durchaus kompliziert", urteilt der neue Coach. Bestenfalls gelingt dem FV 04 eine Wiederholung der Vorsaison: Da startete man ab Mitte August eine kleine Siegesserie und entfernte sich frühzeitig von der Abstiegsregion. Interne Ruhe, eine klare Spielidee und mannschaftliche Geschlossenheit - viele Voraussetzungen für eine derartige Serie stimmen beim Team um Kapitän André Koob. Jetzt fehlen tatsächlich nur noch die Punkte.