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Doppelpässe mal anders: Wie ein Siebtligist in einen Betrugsfall rutschte

kicker

Es ist eine Geschichte, die sich in der Gesamtbetrachtung wie eine schlechte Komödie liest. Der Siebtligist VfL Germania Frankfurt hat allerdings kaum etwas zu Lachen. Der älteste Klub der Mainmetropole hatte sich vor der Saison eigentlich klare Ziele gesteckt: "Sportlich ein Statement setzen."

Ein Jahr später können die Frankfurter behaupten: Statement gesetzt - aber irgendwie anders als geplant. Kurz nach dem Aufstieg in die 7. Liga droht dem VfL nämlich plötzlich ein fünfmonatiger Ausschluss aus dem Spielbetrieb. Der Grund? Passfälschung.

Kapitel eins: der unscheinbare Omar

Alles begann mit einem Jungen namens Omar E.. Oder war es Ahmad M.? (Namen von der Redaktion geändert) Das kommt darauf an, bei welchem Verein man nachfragt: Bei Germania Frankfurt war er Omar - ein anständiger Junge, ein ruhiger Student, fleißig im Training, kein Lautsprecher. Die Verantwortlichen um Okan Götürmen, Spieler und Sportlicher Leiter bei Germania, dachten sich: "Den belohnen wir mit ein paar Minuten Einsatz im Relegationsspiel." Was sollte schon schiefgehen? Spoiler: Eine ganze Menge.

Denn wie sich nach dem Relegationsspiel - das Germania übrigens gewonnen hatte - herausstellte, war Omar, der erst im Winter nach Frankfurt gekommen war, nicht nur bei Germania aktiv, sondern gleichzeitig auch beim Neuntligisten FC Maroc. Unter einem anderen Namen: Ahmad M.. Ein Doppelleben mit Doppelpässen, das Sportgericht sprach ein Machtwort: Spielwiederholung.

Doch die Frankfurter ließen sich davon nicht aus der Bahn werfen. Im zweiten Anlauf holten sie sich den Aufstieg trotzdem. Die Party konnte beginnen. Doch nur kurz. Denn dann kam - wie Götürmen es beschreibt - "die Lawine".

Kapitel zwei: Elmo

An dieser Stelle kommt in dieser Geschichte eine weitere Hauptfigur ins Spiel. Sein Name? Elmo. "Wir wissen bis heute nicht, wie er mit vollem Namen heißt", sagt Götürmen. Ein Unbekannter, der wie Omar im Winter zum Verein stieß, und - wie sich später herausstellte - das viel größere Übel anrichten sollte.

Elmo war Co-Trainer, Elmo war Passverantwortlicher - und Elmo war auch Spieler. Aber nicht offiziell. Auf dem Platz lief er nämlich mit dem Spielerpass seines Bruders auf. Der hieß Khaled E.. Elmo hatte sich also einfach seinen eigenen Pass gebastelt: Khaled mit Elmo-Gesicht sozusagen. Und spielte mit diesem auch - für insgesamt 26 Minuten.

Was seine echten Daten angeht, bleibt es nebulös. Erst das Sportgericht brachte ein bisschen Taschenlampenlicht ins Dunkle. Denn: Elmo heißt in Wirklichkeit Samir E. Und ist stolze 49 Jahre alt.

Präludium: die Fußball-WG

Doch wie konnte so etwas passieren? Germania sei zu dem Zeitpunkt im Umbruch gewesen, erzählt Götürmen. Der alte Vorstand wurde abgelöst, die Spieler übernahmen das Kommando. Der Verein funktionierte wie eine Art Fußball-WG. Jeder half mit. Wer Bock hatte, wurde eingebunden.

Und Elmo hatte Bock - auf alles. Coachen, verwalten, spielen. Dass er dabei mit mehreren Spielerpässen hantierte, Geburtsdaten fälschte und unter dem Radar flog, fiel leider zu spät auf.

Kapitel vier: die Abrechnung

Das Kreissportgericht schlug hart zu. Elmo wurde mit 96 Spielsperren belegt, zwei Jahre Trainerverbot mit Platzsperre. Germania Frankfurt bekam ein fünfmonatiges Spielverbot und eine empfindliche Geldstrafe im vierstelligen Bereich aufgebrummt. Alle kommenden Spiele bis Anfang Dezember: verloren - am grünen Tisch. Null Punkte zur Winterpause. Nicht gerade das, was man sich unter einem Statement vorgestellt hatte.

Besonders bitter: Spieler und Ehrenamtliche, die wirklich alles gegeben hatten, mussten nun zusehen, wie ihre Saison den Bach runterging. Über die drakonische Strafe des Sportgerichts sagte Götürmen. "Wir reden hier über vier Minuten Einsatz von Omar und 26 Minuten von Elmo. Mit diesem Urteil werden auch Leute bestraft, die nichts dafür können."

Kapitel fünf: Warum?

Und genau hier knüpft die entscheidende Frage an. Warum das Ganze überhaupt? Einen sportlichen Vorteil verschafften Omar und Elmo ihren unterschiedlichen Vereinen kaum, im Gegenteil. Was trieb also Omar alias Ahmad dazu, sich unter falschem Namen für ein paar Minuten in ein Spiel einzuschleusen, das er nicht hätte spielen dürfen? Und was war Elmos Plan? Mit 49 noch einmal den Amateurfußball unsicher machen?

Es wirkte fast so, als hätten die beiden einfach Spaß daran gehabt, sich kreativ durch die Fußballbürokratie zu schlängeln. Ein Spiel im Spiel, das irgendwann aus dem Ruder lief. Ein bisschen wie Schwarzfahren - aber nicht, um irgendwo anzukommen, sondern einfach nur, weil das Ticketlösen zu langweilig war.

Was bleibt? Eine Erkenntnis: "Wir werden in Zukunft vorsichtiger sein", gesteht Götürmen auch eine gewisse Blauäugigkeit. Denn manchmal reicht eben ein Elmo, um einen ganzen Verein ins Wanken zu bringen. Noch besteht die Hoffnung, dem Spielverbot mittels einer Berufung zu entgehen. Der älteste Fußballverein Frankfurts hat aber schon jetzt definitiv eine besondere Geschichte geschrieben. Nur eben nicht die, die man sich gewünscht hatte.