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Düren nach dem Sturz aus der Regionalliga: "Solides Gerüst für die Zukunft bauen"

kicker

Der 1. FC Düren wagt den Neustart in der Mittelrheinliga - mit Demut, Aufarbeitung und einem frischen Führungs-Team. Bereits im Frühjahr zeigte der Klub Offenheit und bekannte sich zu Fehlern. In einer ungewöhnlich ehrlichen Mitteilung versprach man eine notwendige Aufarbeitung sowie künftig strukturierte und transparente Arbeit. Diese Worte blieben nicht ohne Wirkung: Statt einer Einzelperson trägt nun ein fünfköpfiges Präsidium die Verantwortung. Ex-Präsident Wolfgang Spelthahn ist nicht mehr Teil des Gremiums.

An der Spitze stehen Christoph Wollseifen, Patrick Lingen, Karsten Schümann, Rainer Krosch und Christine Schaefer - ein Team, das sowohl organisatorisch als auch sportlich frischen Wind bringen will. Schümann, zuständig für Finanzplanung und Medienrechte, war bereits früher für den Verein aktiv und kehrte im Dezember in neuer Rolle zurück. "Unsere Maßgabe ist, dass wir nur ausgeben, was wir auch einnehmen", erklärt Vizepräsident Schümann das neue Konzept.

Er betont: Aktuell sei das auch gar nicht anders möglich, da der Verein mitten im Insolvenzverfahren steckt. "In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht. Aber wir wollen nicht zurück-, sondern nach vorn blicken." Finanziell bedeutet das ein grundlegendes Umdenken: Verträge werden künftig nur abgeschlossen, wenn sie realistisch gegenfinanziert sind. Klare Budgetvorgaben verhindern Spekulationen oder Wunschdenken. Der Insolvenzverwalter Dr. Christoph Niering kümmert sich um die Abwicklung der Altlasten. Die finanzielle Stabilität hängt vor allem von der verwertbaren Infrastruktur ab - insbesondere einer vereinseigenen Immobilie, deren Zukunft derzeit geprüft wird.

Insolvenzverfahren dauert noch Monate

Ein Abschluss des Verfahrens wird frühestens in sechs bis neun Monaten erwartet. Das Präsidium ist bereits im Tagesgeschäft involviert: "Das sind Unternehmer, die wissen, wie man wirtschaftlich arbeitet." Sportlich markiert der Abstieg in die Mittelrheinliga einen klaren Schnitt. Ein sofortiger Wiederaufstieg ist kein Thema. "Es geht darum, ein solides Gerüst für die Zukunft zu bauen - mit Demut und Menschlichkeit", sagt Schümann. Der auch weiterhin als Spieler aktive Sportdirektor Philipp Simon spielt eine Schlüsselrolle. Als Cheftrainer übernimmt Luca Lausberg die Mannschaft nun dauerhaft, nachdem er in der vergangenen Saison interimsweise tätig war. Er trainierte zuletzt die zweite Mannschaft und verfügt über Erfahrung im Jugendbereich. Als kreative Köpfe hatten beide bereits in den letzten Monaten die personellen Entscheidungen maßgeblich mitgestaltet - darunter auch das viel diskutierte Spielercasting.

Ein Casting mit Folgen

Diese Aktion sorgte nicht nur für Aufsehen in den Medien, sondern führte auch zu einer Regeländerung im Verband. "Zum damaligen Zeitpunkt haben wir uns regelkonform verhalten", betont Schümann. "Dass der Verband reagiert hat, zeigt, dass wir einen Nerv getroffen haben." Künftig setzt der Verein verstärkt auf lokale Spieler und will sich über Identifikation statt über externen Glanz definieren. Die Jugend soll dabei als strategisches Rückgrat gestärkt werden. "Die Jugend ist unsere Hoffnung", sagt Schümann.

Auch in der Kommunikation hat sich der Verein gewandelt. Sponsoren wurden offen über die neue Lage informiert. Das Präsidium sieht sich als bodenständiges Team, das nicht auf schnelle Effekte, sondern auf langfristiges Vertrauen setzt. "Es geht nicht um Schlagzeilen, sondern um Verlässlichkeit", sagt Schümann. "Wir haben mit offenen Karten gespielt. Offenheit, Ehrlichkeit - das sind die Werte, mit denen wir Vertrauen zurückgewinnen wollen." Langfristig will der 1. FC Düren wieder positive Schlagzeilen schreiben. "Es ist schwierig, die Anerkennung zurückzugewinnen. Aber der Stellenwert des Vereins in der Region bleibt stark."