Von der Klub-WM aus Miami, Florida, berichtet Georg Holzner
Es ist gewiss nicht immer einfach, Sportboss beim FC Bayern zu sein. Aber das weiß man schon vor Amtsantritt. Die Anforderung ist ganz klar: Es wird das Maximum erwartet. Vollkommen zu Recht. Das hat den Klub groß gemacht. Nun aber befindet sich der Verein in der Situation, das (Festgeld-)Konto zu berücksichtigen. Wie viel da noch drauf ist, so sagte Eberl im Frühjahr, wisse er nicht. Inzwischen dürfte er sich informiert haben.
Nach dem Viertelfinaleinzug der Bayern gegen Flamengo (4:2) wurden die Finanzen einmal mehr thematisiert. Auf die Frage, ob der FC Bayern allein mit dem derzeitigen Wunschspieler Nick Woltemade - nachdem die bisherigen Wunschspieler Florian Wirtz, Nico Williams und Jamie Gittens andere Klubs bevorzugen - ausreichend aufgestellt wäre in der Offensive oder ob unabhängig vom Stuttgarter noch ein Flügelspieler kommen solle, nachdem ja mehrere Offensivakteure (Leroy Sané, Thomas Müller, Mathys Tel und voraussichtlich Bryan Zaragoza) den Verein verlassen, antwortete Eberl: "Die Planungen laufen, die Rechnung ist relativ simpel. Auch im Fußball ist manchmal Mathematik hilfreich."
Eberl: "Das ist absurd"
Welche Rechnung? Die finanzielle? Oder geht's um die Kaderplanung? Eberl erläutert: "Budget ist Rechnen. Ich weiß nicht, wie oft mir mittlerweile mitgeteilt wurde: Ich muss sparen, ich muss sparen, ich muss sparen - und dann wird mir gesagt, ich muss einen für 80 oder 100 Millionen Euro kaufen. Das ist absurd." Wen er als Adressat meint, lässt Eberl offen - allerdings sind die einzigen, die Eberl etwas vorschreiben können, und davon spricht er ja, Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen und die Aufsichtsräte um Chef Herbert Hainer. Eberl, so hat es den Anschein, empfindet die Anforderungen und Erwartungen an ihn als ein wenig ungerecht.
"Ich kann nicht ein Fähnchen im Wind sein, wir müssen einen Plan haben - und da meine ich immer Christoph und Vini (Vincent Kompany, Anm. d. Red.) mit dabei", fährt Eberl fort: "Und dann müssen wir es umsetzen."
In diesem Sommer bedeutet das: Es müssen Spieler verkauft werden (Min-Jae Kim und Joao Palhinha stehen oben auf der Liste), um die zwingend nötigen Einkäufe tätigen zu können. Alleine mit Jonathan Tah und Tom Bischof ist es nicht getan. Vermutlich wird auch ein Transfer von Woltemade - für die Offensiven - nicht ausreichen.