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Egestorf-Langreder im Wandel: "Dann soll es die alte Germania nicht mehr geben"

kicker

Unverhofft kommt oft. Dieses deutsche Sprichwort besagt, dass häufig überraschende Dinge geschehen, die so nicht erwartet wurden. "Platz 1 in der Oberliga, im Halbfinale des Niedersachsenpokals. Mehr können wir uns gar nicht wünschen gerade." Die Laune von Trainer Boris Besovic ist bestens, als der kicker ihn am Telefon erreicht.

Dieser Saisonstart hat den Trainer des 1. FC Germania Egestorf-Langreder doch etwas überrascht. Denn vergangene Saison kämpfte das Team aus der Nähe Barsinghausens noch gegen den Abstieg. "Die letzte Serie war wild. Da war keine Zeit, etwas zu verändern", erinnert sich Besovic, dem der Trainerjob erst im März übertragen wurde. Mit der einzigen Zielvorgabe, die Klasse zu halten. Es gab eine Vereinbarung zwischen Trainer und Verein, es zunächst für die zwölf Spiele bis Saisonende zu probieren. Besovic erfüllte seine Mission und bekam quasi zur Belohnung im Sommer eine Vertragsverlängerung. "Es macht mir Mega-Spaß", meint Besovic, für den schnell klar war, weitermachen und etwas aufbauen zu wollen. Stets an seiner Seite: Co- und Athletiktrainer Sascha Derr, mit dem er fußballerisch auf einer Wellenlänge funkt.

Mehr den Ball in den Füßen

Zusammen mit Sportdirektor Paul Nieber wurde sich im Sommer hingesetzt und besprochen, was sich ändern muss. Alles auf Anfang hieß die Devise. "Ich habe immer gesagt, retten vor dem Abstieg, Strich drunter und dann soll es die alte Germania nicht mehr geben. Wir wollen jetzt neue Sachen machen. Wir wollen eine neue Kultur, ein neues Mindset." Das, was sich ein wenig hochtrabend und nach einer Generalüberholung anhört, ist primär ein anderer Ansatz. "Ich wollte den Ball mehr in unseren Füßen. Letzte Saison war er zu oft beim Gegner, und wir sind hinterhergelaufen. Das ist nicht mein Ding. So sehe ich Fußball nicht." Besovic ließ detailliert das Verhalten mit dem Ball trainieren. "Wir sind aber noch im Prozess, dass es noch besser wird." Anders als vergangene Saison agiert Egestorf-Langreder jetzt mit einer Dreier- statt einer Vierkette.

Wie gut die Mannschaft die neue Herangehensweise beherzigt, zeigt der Blick auf die Tabelle der Oberliga Niedersachsen. Dass man sogar ganz oben steht, kommt für Nieber wiederum gar nicht so unverhofft. "Mein Gefühl nach der Vorbereitung sagte, dass wir eine gute Rolle spielen können. Rein vom Potenzial der Spieler, von der individuellen Klasse, haben wir eine gute Oberliga-Mannschaft. Es ist eine junge Mannschaft, aber was die Qualität angeht, sind wir schon gut." Markige Worte des Sportchefs, die aber nicht arrogant daherkommen, sondern angenehm klar und selbstbewusst.

Tatsächlich hat sich grundsätzlich gar nicht so viel getan. Team und Trainer haben sich näher kennengelernt. Die erste Elf wurde bis auf zwei Positionen gar nicht weiter modifiziert. Sechs Spieler verließen den Verein, dafür kamen junge Perspektivspieler hinzu. "Wir haben etwas die Ausrichtung verändert. Wir haben geguckt, wie wir die Mannschaft mit unseren Möglichkeiten verstärken können. Unsere Philosophie ist, auf regionale Toptalente zu setzen", betont Nieber. Ein großes Plus im Vergleich zur vergangenen Spielzeit sei die gute Tiefe im Kader. So entsteht bei Ein- und Auswechslungen kaum ein Qualitätsverlust. Prunkstück des Teams ist nach wie vor die Defensive. Nur sieben Gegentore in acht Spielen - Liga-Bestwert. "Die defensive Qualität als Grundlage kriegen wir gut hin. Vorn haben wir genug Qualität, um die Spiele zu entscheiden", beschreibt Nieber, der selbst viele Jahre Trainer von Germania Egestorf-Langreder war.

„Wir sind letzte Saison fast abgestiegen, da kannst du jetzt nicht nach den Sternen greifen.“ (Trainer Boris Besovic)

Nun ist die Saison noch jung, aber nach einem solchen Start darf man schon mal einen Ausblick wagen. Was geht für Egestorf-Langeder? "Wir sind letzte Saison fast abgestiegen, da kannst du jetzt nicht nach den Sternen greifen. Ich möchte nur nichts mit dem Abstieg zu tun haben, mehr nicht. Alles andere darüber hinaus ist Benefit", geht der Coach bei der Frage in Deckung. Forscher und ambitionierter gibt sich sein Chef: "Ich glaube schon, dass es realistisch ist, zumindest Zweiter zu werden." Dafür müsse man weiter konstant Ergebnisse liefern, fügt Nieber einschränkend hinzu.

Unverhofft auf Platz 1, als Momentaufnahme, wie es Besovic sieht oder als Statement und Hinweis auf den weiteren Saisonverlauf? "Die Tabelle lügt nicht" ist eine von vielen Phrasen, die im Fußball gedroschen werden. Sie lügt nicht! Oder doch?