Spielerisch bleibt etwas der maue Eindruck vom Spiel in Slowenien hängen. Der Schweizer Nationalmannschaft fehlte die letzte Spritzigkeit, um die gegnerische Abwehr vor ernsthafte Probleme zu stellen. Erst in den letzten zehn Minuten wurde die Kadenz erhöht. Das reicht nicht, um sich den Sieg zu verdienen: Das 0:0 ist folgerichtig, aber wohl nicht folgenschwer. Bewertet man den Zusammenzug als eine Einheit, dürfen die Fans mit der Schweizer Nationalmannschaft zufrieden sein.
Schweden musste gegen die Schweiz unbedingt gewinnen, tat es aber nicht. In Slowenien geriet die Schweiz nie in Gefahr, das Spiel zu verlieren. Noch immer steht die Schweiz ohne Gegentreffer da und vier Punkte in den zwei auf dem Papier schwersten Partien dieser WM-Qualifikation sind absolut zufriedenstellend. Was zudem womöglich mit der Qualifikation am Montag vor Augen vergessen geht, auch vor diesem Zusammenzug hatte die Schweiz "nur" drei Punkte Vorsprung. Diesen hat die Nati in den zwei schwersten Partien konservieren können und ist dabei zwei Spiele näher ans Ende der Qualifikation gerückt.
Die Nations League offenbart unerwünschte Schattenwürfe
Mit dem Kosovo ist noch eine Mannschaft verblieben, die der Schweiz das WM-Ticket streitig machen kann. Es ist äusserst überraschend, dass das Team rund um Leon Avdullahu und Albian Hajdari der letzte verbliebene Konkurrent der Schweiz ist. Im Vorfeld der Partie in Schweden wurde immer wieder gesagt, der Kosovo werde ja wohl kaum in Skandinavien gewinnen, doch da haben viele die Rechnung ohne die Nations League gemacht.
Die Schweden haben über die Nations League ihren Platz in den Playoffs zur WM-Qualifikation längst sichergestellt. Nach der Niederlage gegen die Schweiz ist das direkte WM-Ticket ausser Reichweite geraten und die übrigen drei Partien sind für die Schweden lediglich Freundschaftsspiele. Im Zusammenspiel mit dem ohnehin schon schlechten Lauf und einem hoch motivierten Gegner stellt die Niederlage gegen die auf dem Papier deutlich schwächere Mannschaft dann keine grosse Überraschung mehr dar.
Grundsätzlich stellt die Nations League ein Upgrade zu normalen Freundschaftsspielen dar. Es ist auch wichtig, dass sich durch die Nations League Vorteile in der Qualifikation erarbeitet werden können. Es kann dann aber nicht im Sinne des Erfinders sein, wenn Nationen nach drei von sechs Partien in den Ruhemodus verfallen können. Eine Patentlösung für diese Zwickmühle gibt es wohl nicht. Es liegt nun an der Schweiz, damit aus dieser Nichtleistung Schwedens kein grosses Thema wird. Schliesslich - und das gehört auch zur Wahrheit - bleibt die grosse Motivation der Schweden wohl auch in Genf aus. Das könnte der Schweiz auch das Einsammeln der nächsten drei Punkte erleichtern.
Die Ausgangslage
Noch immer sieht die Ausgangslage für die Schweiz gut aus. Der Kosovo ist dank des Dreiers in Schweden zwar wieder an die Schweiz herangerückt, doch noch immer hat die Nati alle Trümpfe in der eigenen Hand. Ein Sieg in einem der beiden Spiele oder ein Unentschieden im Kosovo reicht, um an die Weltmeisterschaft zu fahren. Denn das um zehn Treffer schlechtere Torverhältnis wird der Kosovo nicht kippen können.
Womöglich leistet am zweitletzten Spieltag sogar Slowenien Schützenhilfe. Denn zur Wahrheit gehört auch: Der Kosovo ist nicht so gut, wie er da steht. Bereits im Heimspiel gegen Slowenien war der Punktgewinn schmeichelhaft und die Schweden hatten im Spiel am Montag keinerlei Ansporn mehr, überhaupt etwas zu reissen. Slowenien muss - im Gegensatz zu Schweden - gegen den Kosovo im November gewinnen, um sich die WM-Chancen zu wahren. Daher wird der Kosovo ganz anders gefordert werden. Trotzdem wird der Schweiz an dieser Stelle wärmstens empfohlen, die Sache im Heimspiel gegen Schweden selbst zu regeln. Es gilt es unbedingt zu vermeiden, dass es in Pristina noch zu einem grossen Endspiel kommt. Obwohl die Schweiz die höhere Qualität in den eigenen Reihen hat, kann man sich das Nervenspiel in einem Hexenkessel gerne sparen; vor allem auch den Nati-Fans zuliebe.