Nach zwölf Minuten war sein Arbeitstag auch schon wieder beendet. Zwölf Minuten, die für Waniss Taibi so positiv begannen - und letztlich voller Enttäuschung im Spielertunnel des Betzenbergs endeten. Taibi war erst in der 64. Minute beim Stand von 0:0 für Noel Aseko eingewechselt worden. Der Franzose bereitete in der 67. Minute den Führungstreffer von Kapitän Enzo Leopold sehenswert mit der Hacke vor, kassierte in der 70. Minute nach einem Foulspiel die Gelbe Karte und flog in der 76. Minute nach wiederholtem und völlig unnötigem Foulspiel vom Platz.
In Unterzahl hielt sich 96 zwar zunächst noch wacker, kassierte aber in der Nachspielzeit noch zwei Gegentore und unterlagen daher 1:3. Das Jahr 2026 begann für 96 damit so, wie 2025 endete: mit einer Niederlage.
"Wir haben lange Zeit wenig zugelassen. Mit dem Platzverweis ist das Spiel aus unserer Sicht komplett gefallen", kommentierte 96-Trainer Christian Titz das Spiel. "Die Aktion, die zum Platzverweis führt, war unnötig." Aber auch nicht komplett untypisch für die ersten sechseinhalb Monate von Taibi bei Hannover 96. Eine Zeit, die weder den Verein noch den Spieler zufriedengestellt haben dürfte. Der Spielmacher kam zwar immerhin in 14 Saisonspielen zum Einsatz, konnte aber bis zum Sonntagnachmittag lediglich einen Assist auf der Guthabenseite verbuchen.
Taibi gehört zu den Spielern, die im Laufe der Sommerpause 2025 nach Hannover gespült wurden. Der Kader der Niedersachsen musste in großen Teilen neu aufgestellt werden. Und der 23-Jährige, der vorher in der 2. französischen Liga gekickt hatte, gehörte zu den Spielern, die zwar in Deutschland keinen Namen hatten, aber mit vielen Vorschusslorbeeren empfangen wurden.
Hannover fehlt die Aufstiegs-Reife
"Waniss ist ein offensiv denkender Spieler, der sich gern im letzten Drittel einschaltet und in der Lage ist, mit dem Ball am Fuß gegnerische Linien zu überbrücken, die Offensivreihe in Szene zu setzen oder selbst erfolgreich den Torabschluss zu suchen", lobte Ex-Sportchef Marcus Mann einst den Franzosen. Gesehen haben die 96er davon bislang wenig. Der Vertrag läuft bis Juni 2029. Am Sonntag erwies Taibi seiner Mannschaft mit dem Platzverweis zudem einen Bärendienst. "Waniss muss sich da auch cleverer anstellen", monierte Enzo Leopold.
96 hätte aus der Pfalz durchaus einen Zähler mitnehmen können. Aber dafür muss eben auch vieles passen. Und Aussetzer im Spiel müssen tunlichst unterbleiben. Der sehnliche Wunsch eines Bundesliga-Aufstiegs im Mai wird für 96 wohl eine Illusion bleiben. Dafür passt eben zu vieles nicht zusammen. Zu viele Punkte werden auf den Zielgraden der Spiele liegengelassen. Auch ohne Platzverweise.
Ein Manko, das sich schon viel zu lange durch die Saison zieht - und natürlich längst erkannt wurde. Aber noch nicht abgestellt werden konnte. 96 steht sich zu oft selbst im Weg. Und das ist eben auch eine Qualitätsfrage. Hannover 96 hat keine Aufstiegs-Reife. Das hat das Spiel in Kaiserslautern noch mal unterstrichen.