Regel-Anpassung
Diego Simeone war so aufgebracht, dass er im Presseraum erst mal eine Umfrage startete, die allerdings so vehement vorgetragen war, dass sie nicht unbedingt als neutral gewertet werden konnte: "Na los! Wer hat gesehen, dass Julian den Ball zweimal berührt hat? Wer hebt die Hand? Keiner?"
Atletico Madrid war im Achtelfinale der Champions League auch deswegen im Elfmeterschießen an Real Madrid gescheitert, weil Julian Alvarez' verwandelter Elfmeter nach VAR-Eingriff als verschossen gewertet wurde. Der Angreifer hatte sich den Ball leicht ans Standbein geschossen und damit eine strafbare Doppel-Berührung verursacht, die nicht nur sein Trainer nicht wahrhaben wollte. Künftig gilt diese Regel so nicht mehr.
Wie das für die Fußballregeln zuständige International Football Association Board (IFAB) in einem Rundschreiben an alle Verbände bekanntgab, werden Strafstöße, die mit einer versehentlichen Doppel-Berührung verwandelt werden - etwa weil der Schütze weggerutscht ist -, künftig wiederholt statt annulliert. Landet der Ball nicht im Tor, gibt es im Spiel einen indirekten Freistoß für die verteidigende Mannschaft, im Elfmeterschießen wird der Elfmeter wie gehabt als verschossen gewertet.
Die Regel ist eigentlich für andere Vergehen gedacht
Das IFAB argumentiert, dass die laut Regel 14 verbotene Doppel-Berührung in erster Linie für Situationen gedacht sei, "in denen der Elfmeterschütze den Ball absichtlich ein zweites Mal berührt, bevor er einen anderen Spieler berührt hat (z. B. wenn der Ball vom Torpfosten oder der Querlatte abprallt, ohne den Torwart zu berühren)".
Gleichzeitig soll ein verwandelter Elfmeter, dem wie im Fall von Alvarez eine unabsichtliche Doppel-Berührung voranging, nicht einfach als erfolgreich zählen, weil "der Torwart durch die veränderte Flugbahn des Balls benachteiligt werden kann".
Die Regel-Anpassung gilt für alle Wettbewerbe, die am oder nach dem 1. Juli starten, können aber auch schon vorher Anwendung finden - etwa bei der bald startenden Klub-WM oder U-21-EM.