BVB und Frankfurt mit enormem Wertzuwachs
Seit zehn Jahren analysieren die Experten von Football Benchmark den europäischen Fußball wirtschaftlich, besonders spannend liest sich jeweils der Report zu den 32 größten Klubs des Kontinents, der "European Elite Report". Auch in der 2025er Ausgabe dominiert Real Madrid mit einem Unternehmenswert von 6,3 Mrd. Euro. Erstmals in der zehnjährigen Geschichte des Football-Benchmark-Reports überspringt damit ein Klub die 6-Milliarden-Euro-Marke.
Es folgen Manchester City mit 5,1 Mrd., Manchester United mit 5,05 Mrd., der FC Barcelona mit 4,5 Mrd. und der FC Bayern mit 4,3 Mrd. Euro. Neben den beiden Vereinen aus Manchester sind mit dem FC Liverpool (4,2 Mrd.), dem FC Arsenal (4 Mrd.), Tottenham Hotspur (3,7 Mrd.) und dem FC Chelsea (3 Mrd.) vier weitere Engländer in den Top-10.
Serie-A-Trio mit größten Verlusten
Speziell aus der Perspektive der Münchner hält die diesjährige Untersuchung eine positive Botschaft parat: Denn kein anderer Verein hat über das Gesamtjahrzehnt betrachtet kumuliert ein besseres Ergebnis, der FC Bayern liegt hier mit einem Gesamtgewinn von 281 Mio. Euro an der Spitze vor Real (205 Mio.) und Atalanta Bergamo (183 Mio.). Die zusammengenommen größten Defizite weisen AS Rom (-940 Mio.), Inter Mailand (-900 Mio.) und Juventus Turin (-892 Mio.) aus.
Unter den Klubs mit dem größten Wachstum im Vergleich zum Vorjahr befinden sich mit Eintracht Frankfurt (+32 Prozent auf 978 Mio.) und Borussia Dortmund (+23 Prozent auf 2,3 Mrd.) zwei Bundesligisten. Der BVB rangiert in Sachen Transfereinnahmen - nicht Überschuss - auf Rang fünf mit 975 Mio. im vergangenen Jahrzehnt (Untersuchungszeitraum 2014/15 bis 2023/24). Das höchste absolute Wachstum haben Man City (+3,5 Mrd.), Real (+3,4 Mrd.) und Liverpool (+2,9 Mrd.) hingelegt. In der Gesamtbewertung ist Dortmund Elfter, die Eintracht 18.
Branche erlebt "beispiellose kommerzielle Expansion"
"Die Branche hat einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen, der durch die Reform des Regelwerks, die Digitalisierung, das Aufkommen neuer Wettbewerbe und eine beispiellose kommerzielle Expansion geprägt ist", sagt Football-Benchmark-CEO Andrea Sartori, gibt aber zugleich zu bedenken: "Eliteklubs sind wertvoller und international anerkannter denn je, doch die finanzielle Nachhaltigkeit bleibt die entscheidende Herausforderung."
Entsprechend trüb sieht es auch in Sachen Gewinn- und Verlustrechnung aus. Nur zweimal haben die Top-32 kumuliert ein Plus gemacht, 2018 (388 Mio.) und 2019 (367 Mio.). Das größte gemeinsame Defizit wies die Gruppe in dem Jahr aus, in dem die Folgen der Corona-Pandemie am deutlichsten in den Bilanzen zutage traten: 2022 lag das Minus bei 2,7 Mrd., aktuell sind es 521 Mio. Euro. Was nichts am enormen Wertzuwachs der Vereine seit dem ersten Report 2016 ändert, der kumulierte Unternehmenswert der 32 größten europäischen Klubs ist seither um 146 Prozent gewachsen.
Kleinere Topvereine glänzen bei Transfers
Während die Top-10-Vereine knapp die Hälfte ihrer Einnahmen aus kommerziellen Aktivitäten generieren, spielen für die kleineren unter den Spitzenvereinen vor allem Transferstrategien eine zentrale Rolle für nachhaltiges Wachstum, wie man exemplarisch an Benfica Lissabon oder dem FC Porto sehen kann. Benfica weist eine Brutto-Transferbilanz von 678 Mio. Euro in den vergangenen zehn Jahren aus, auch Ajax Amsterdam (463 Mio.) und Porto (367 Mio.) schnitten hier besonders gut ab. Dagegen warten Man United (-1,2 Mrd.), der FC Chelsea (-1,0 Mrd.) und Paris Saint-Germain (-979 Mio.) mit besonders hohen roten Zahlen auf.
Sartori lobt deutsche Vereine
Die Auswertung stützt sich vor allem auf die Analyse der Klubfinanzen, Social-Media-Analysen, Spielerbewertung und Talententwicklung im Nachwuchsbereich. Aus deutscher Sicht spannend: Der FC Bayern ist im vergangenen Jahrzehnt in Sachen Unternehmenswert um 99 Prozent gewachsen, der BVB sogar um 181 Prozent.
Während die Münchner, siehe oben, über die Evaluierungsphase ein Plus schrieben, findet sich beim BVB ein leichtes Minus von 9 Mio. Euro und bei den Hessen ebenfalls ein Plus von 27 Mio. "Trotz des zunehmenden Wettbewerbs stehen die deutschen Vereine durch sorgfältiges Management auf einem stabilen finanziellen Fundament", lobt Sartori die wirtschaftliche Herangehensweise der Bundesligisten.