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EM-Held in U 21, Osim statt Rangnick und 20 Jahre Österreich: Hlinkas runde Geschichte

kicker

Bundesliga-Legende im kicker-Gespräch

In Österreich kennt man Peter Hlinka aus seiner Zeit bei Sturm Graz, Schwarz-Weiß Bregenz, Rapid, Austria, Wiener Neustadt und Wacker Innsbruck. Die am Mittwoch beginnende U-21-EM in der Slowakei begleitet der nach der Spielerkarriere zum Trainer avancierte Charismatiker als TV-Experte mit glorreicher Vergangenheit. Denn vor 25 Jahren sorgte der blutjunge Hlinka mit dem slowakischen Team bei der ersten Heim-EM im Nachbarland für Furore.

Sucht man nun im Vorfeld der EM nach aktuellen Querverbindungen zwischen dem slowakischen und österreichischen Fußball, findet man im Vergleich zu anderen Nachbarländern wenig bis gar nichts. So spielten in der vergangenen Saison Legionäre aus mehr als 40 Nationen in der heimischen Bundesliga - doch aus der Slowakei war keiner dabei. "Es ist verwunderlich, dass die beiden Märkte überhaupt nicht miteinander verwoben sind", sagt Hlinka, der in Österreich bleibende Erinnerungen hinterließ, im Gespräch mit dem kicker.

Klassischer Sechser und untypische Persönlichkeit

Der slowakische Ex-Internationale lebt nach wie vor in Wien. Mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeberteam und Spanien am Mittwoch (18 Uhr) in Bratislava beginnt der 46-Jährige seine zweiwöchige Tätigkeit als Experte für das slowakische Fernsehen (STV). Danach tritt Hlinka einen Trainerjob im österreichischen Nachwuchsfußball an, der in Kürze öffentlich verlautbart werden soll. "Eine neue Herausforderung, auf die ich mich sehr freue", so Hlinka, der fast zwei Jahrzehnte in Österreichs Oberhaus spielte.

Auf und neben dem Platz war der technisch versierte und zweikampfstarke Sechser eine starke und für einen Fußballer untypische Persönlichkeit. Der leidenschaftliche Schachspieler pflegte zum Leistungssport und dessen Begleiterscheinungen einen fast philosophischen Zugang und hatte keine Scheu, seine Gedanken und Vorstellungen gegenüber Trainern, Mitspielern und Funktionären zu artikulieren. Für Hlinka schließt sich nun mit der Heim-EM auch ein persönlicher Kreis, denn vor 25 Jahren war er bei der bisher letzten U-21-Endrunde in der Slowakei ein Stammspieler im slowakischen Team.

Berater verpokerten sich bei Rangnicks Stuttgart

"Für uns war das damals die erste große Bühne und das Sprungbrett ins Ausland", erinnert sich Hlinka an das EM-Turnier 2000, in dem die Slowaken nach Siegen über England und die Türkei sowie einem Remis gegen Italien nur aufgrund des um einen Treffer schlechteren Torverhältnisses das Finale verpassten. "Es gab nur acht Teilnehmer in zwei Vierergruppen ohne Kreuzspiele im Halbfinale - im Vergleich zu heute ungerecht, ohne Niederlage mit sieben Punkten ins Spiel um Platz drei zu müssen. Trotzdem war es für uns ein großer Erfolg. Schon unser Sieg im Quali-Play-off gegen Russland war eine Sensation. Das Hinspiel bei minus fünf Grad in Moskau vergesse ich nie."

Beinahe schaffte Hlinka damals als 21-Jähriger den direkten Sprung von seinem Heimatklub Tatran Presov in die deutsche Bundesliga zum VfB Stuttgart, dessen Cheftrainer Ralf Rangnick von der Spielweise des slowakischen Youngsters begeistert war. "Meine damaligen Berater haben sich aber leider verpokert und ganz schlecht für mich verhandelt , was ich erst im Nachhinein erfahren habe", trauert Hlinka der verpassten Chance noch heute ein bisschen hinterher. So landete er statt im Schwabenland in der Steiermark bei Sturm Graz und Trainer Ivica Osim. "Die Mannschaft war unglaublich gut eingespielt, hatte viel Qualität und starke Persönlichkeiten", erinnert sich Hlinka an schwierige Monate ohne viel Spielzeit. "Trotzdem habe ich sehr viel gelernt."

"Rapid war die schönste Zeit meiner Karriere"

Die Grazer, für die Hlinka einige Bundesliga- und auch Champions-League-Partien spielte (u. a. gegen ManUnited), verliehen den jungen Legionär an Schwarz-Weiß Bregenz - damals Bundesliga-Verein. Dort spielte er sich in die Auslage und kam 2004 zu Rapid und Trainer Josef Hickersberger. Es folgten zwei grandiose Jahre mit Meistertitel und Champions-League-Gruppenphase. "Rapid war die schönste Zeit meiner Karriere. Niemand hat uns das zugetraut und Fußballspielen ist am schönsten, wenn es Spaß macht. Erst in meinem dritten Rapid-Jahr wurde es sportlich ein wenig holpriger, obwohl es für mich persönlich als zweitbester Torschütze auch gut lief. Schlussendlich wurden wir ja auch noch Vierter", rekapituliert Hlinka seine drei Spielzeiten in Hütteldorf.

Daran anschließend erlebte er eine weniger glückliche Saison in der zweiten deutschen Bundesliga bei Augsburg ("viel Qualität und starke Einzelspieler, aber kein Teamspirit in der Kabine") und danach seine zweite Sturm-Graz-Periode mit dem Gewinn des ÖFB-Cuptitels 2010. Es folgten zwei Jahre bei der Austria und Engagements bei Wiener Neustadt, Wacker Innsbruck sowie Rapid II, ehe die aktive Karriere des 28-fachen slowakischen Nationalspielers in die Trainerlaufbahn mit dem Erwerb der UEFA-A-Lizenz mündete.

Neustart in Österreichs Nachwuchsfußball

Den Fußball in seiner Heimat kennt Hlinka gut, da er nach seiner Zeit als "Co" von Roman Mählich in Wr. Neustadt und als Headcoach der Vienna (damals Wiener Stadtliga) auch schon Trainerjobs in der Slowakei hatte. Im Gegensatz zur Spielerkarriere verlief Hlinkas Weg als Coach aber nicht immer geschmeidig - aus verschiedenen Gründen. Der COVID-Abbruch kostete ihn den Aufstieg in die Regionalliga mit der Vienna. Hlinkas Amtszeiten bei Trencin (1. Liga Slowakei), Opava (2. Liga Tschechien), Presov und Inter Bratislava waren aus klubinternen und privaten Gründen nur verhältnismäßig kurz.

"Mittlerweile bin ich schon überzeugt davon, dass ich mit meiner Art, wie ich als Trainer arbeite und den Fußball betrachte, meinen Platz und meine Zukunft momentan eher woanders sehe als in der Slowakei. Aber sag niemals nie", resümiert Hlinka seine ersten Jahre als Headcoach. Nachdem sich sein Kreis im Heimatland nun mit der EM vorläufig schließen wird, bedeutet der neue Job im Nachwuchsbereich den persönlichen sportlichen Neustart in Österreich.

Slowakische Youngsters mit viel Erfahrung

Die Stärken des slowakischen U21-Nationalteams für das Turnier 2025 sieht Hlinka in allen Mannschaftsteilen. "Viele haben internationale Erfahrung im Profibereich: die Sauer-Brüder Leo (Feyenoord) und Mario (Toulouse) im Mittelfeld. Tomas Suslov als Offensiv-Stammspieler in der Serie A bei Hellas Verona. Adam Obert von Cagliari hält die Abwehr zusammen", sieht er ein Team mit Außenseiterchancen in einer starken Gruppe. Am Mittwoch startet man gegen den Turnierfavoriten Spanien, danach folgen die Duelle mit Italien und Rumänien. Die Topspiele gegen Spanien und Italien begleitet Hlinka als TV-Experte. Und vielleicht überraschen seine Nachfolger 25 Jahre später erneut.