Waldemar Anton ist der letzte verbliebene Innenverteidiger im BVB-Kader, der fit ist, auf dieser Position ausgebildet wurde und Erfahrung auf Profi-Niveau mitbringt. Seine Nebenleute fallen aktuell reihenweise aus, Trainer Niko Kovac hat in Sachen Defensiv-Personal eine harte Aufgabe zu lösen.
Nico Schlotterbeck fehlt aufgrund seines Meniskusrisses bekanntlich noch bis Oktober, Emre Can plagt sich seit Ende der vergangenen Spielzeit mit anhaltenden Adduktorenproblemen, bei der Generalprobe gegen Juventus Turin nun musste auch Niklas Süle verletzt vom Platz - mit einem Muskelbündelriss in der Wade fällt der 29-Jährige rund zwei Monate aus.
Wie will der Coach diese Probleme in der Defensive in Essen also lösen? "Wir werden sicherlich am Montag im Pokalspiel drei Innenverteidiger aufbieten, das werden wir hinkriegen. Wir haben einige Optionen. Man kann dort Filippo Mane spielen lassen, der es in der Vorbereitung gut gemacht hat. Man kann dort Julian Ryerson spielen lassen. Also es ist schon so, dass wir dort Spieler haben", so Kovac auf der Pressekonferenz am Freitag.
Kovac vertraut dem Youngster: "Wir sind guter Dinge"
Links in der Dreierabwehrkette wird Ramy Bensebaini gesetzt sein. Auch Anton hat seinen Platz in der Startelf natürlich sicher, doch wer besetzt die Stelle als rechter Innenverteidiger? Wie von Kovac skizziert, läuft es hier auf das Duell Ryerson gegen Mane heraus.
Der Coach gab die Antwort dann wenig später selbst und sagte in Bezug auf den 20-jährigen Jungspund, der bisher nur fünfmal in der 3. Liga für Dortmund zum Einsatz kam: "Ich habe vollstes Vertrauen. Der BVB ist ein Klub, der auch auf junge Spieler setzt. Wenn wir ihm jetzt nicht die Möglichkeit geben in einem Erstrundenspiel im Pokal gegen einen Drittligisten ... Ich denke, er kann das. Sollte im Training nichts mehr Unerwartetes passieren, kriegt er das Vertrauen ausgesprochen und wir sind guter Dinge."
„Wir müssen unsere Leistung bringen, die darf nicht 95 Prozent sein, die muss 100 Prozent sein.“ (Niko Kovac)
Während sich die Abwehr fast von selbst aufstellt, gibt es in anderen Mannschaftsteilen wie dem Zentrum oder der Offensive einen guten Konkurrenzkampf. "Die Jungs machen es mir sehr schwer, ich freue mich auch darüber, dass ich jetzt ein wenig Kopfschmerzen habe. Schlimm wäre es, wenn es umgekehrt und zu einfach wäre. Es wird harte Entscheidungen geben, das ist ja ganz klar", so Kovac.
"Wir haben klare Ansprüche"
Doch egal, wer aufläuft, auf den BVB wartet an der Hafenstraße eine knackige Aufgabe. Essen startete zwar "nur" mit zwei Remis in die neue Saison, allerdings war Rot-Weiss in der vergangenen Saison die zweitbeste Rückrundenmannschaft der 3. Liga. "Drittligist, auswärts, tolle Atmosphäre: Wir werden uns dort anstrengen müssen, einfach wird es nicht. Wir haben klare Ansprüche, wollen weiterkommen. Der kürzeste Weg zu einem Titel ist der DFB-Pokal", so der BVB-Trainer, der anfügt: "Es ist immer ein Vorteil, wenn man schon zwei Pflichtspiele in den Knochen hat. Wir als Bundesligist wissen noch nicht wirklich, wo wir stehen."
Dortmund ist auf dem Papier natürlich der klare Favorit, dennoch mahnt Kovac: "Wir werden diesen Gegner sehr ernst nehmen, nur dann haben wir eine Möglichkeit, eine Runde weiterzukommen." Denn der Coach weiß: "Wir müssen unser Spiel durchdrücken. Wir müssen unsere Leistung bringen, die darf nicht 95 Prozent sein, die muss 100 Prozent sein."